Zum Inhalt springen

Debatte im Einwohnerrat Wohlen erhält einen neuen Bahnhofplatz... und noch mehr

  • Der Einwohnerrat von Wohlen hat am Montagabend knapp 20 Millionen Franken Baukredite bewilligt.
  • Knapp 18 Millionen kostet die Neugestaltung des Bahnhofplatzes mit Bushof und Tiefgarage
  • Rund 1,2 Millionen will der Rat für Sanierung und Aufwertung der Zufahrtsstrassen investieren.
  • Eine neue Rutsche in der neuen Badi kostet zudem rund 620'000 Franken.
Visualisierung Bahnhofplatz Wohlen
Legende: So stellen sich die Planer den neuen Bahnhofplatz in Wohlen vor. Nun ist der Weg frei für das Projekt. ZVG / Gemeinde Wohlen

Das Projekt «Bahnhofplatz» war im Parlament der viertgrössten Aargauer Gemeinde weitgehend unbestritten. Eine Sanierung sei dringend nötig, hiess es. Man finde heute kaum den richtigen Bus, zudem gibt es kein Dach über den Warteräumen. Der neue Bahnhofplatz hingegen soll zur «Visitenkarte» der Zentrumsgemeinde im Freiamt werden, so der Gemeinderat.

Das Parlament bewilligte den Kredit sehr deutlich mit 36 zu 1 Stimmen. Die Gemeinde wird am Schluss nicht die ganzen 18 Millionen zahlen müssen, weil sich auch Kanton und Bund an den Kosten beteiligen.

Etwas mehr Diskussionen gab es zu den Zufahrtsstrassen zum Bahnhof. Die Aargauerstrasse und die Alte Bahnhofstrasse werden nun ebenfalls saniert – für insgesamt rund 1,2 Millionen Franken. Die Werkleitungen – also Wasser und Kanalisation – müssten sowieso ersetzt werden, argumentierte Gemeindeammann Arsène Perroud (SP). Sie seien zum Teil bis zu 120 Jahre alt.

Dem Gemeinderat schwebt aber auch eine kleine Aufwertung vor, eine «Einkaufspassage» mit breiteren Trottoirs und Bäumen. Das sei nicht nötig, höchstens «nice to have», kritiserte die SVP. Sie scheiterte mit einem Rückweisungsantrag aber deutlich. Der Kredit kam mit 24 zu 13 Stimmen durch.

Eine – ungeplante – Rutschbahn

Bereits heute laufen in Wohlen grosse Sanierungsprojekte. Der Sportpark Bünzmatt mit Eishalle und Badeanstalt wird rundum erneuert. Für Ärger im Parlament sorgte gestern ein Zusatzkredit für dieses Projekt: Knapp 620'000 Franken für eine Rutschbahn.

Im ursprünglichen Bauprojekt waren gut 30'000 Franken vorgesehen für die Sanierung der bestehenden Rutschbahn. Nun hat sich gezeigt, dass diese Rutschbahn nicht mehr den gängigen Normen entspricht, ein Betrieb gar nicht mehr bewilligt wird.

Es musste im Eiltempo eine neue Lösung her, damit die Badi bei ihrer Neu-Eröffnung im Sommer nicht ohne diese Attraktion auskommen muss. Wohlen erhält nun eine grosse, neue Rutschbahn. Auch diesen Kredit hat der Einwohnerrat – wenn auch nur «mit Zähneknirschen» – genehmigt, mit 26 zu 11 Stimmen.

Investitionen versus Geldknappheit

Es bleibt noch die Hoffnung, dass sich private Sponsoren finden und dass der Baukredit für den Sportpark Bünzmatt unterschritten wird. Dann könnte die Gemeinde die neue Rutschbahn auch ohne das zusätzlich bewilligte Geld bezahlen.

Überhaupt steckt Wohlen im Dilemma, wie die Debatte am Montagabend im Parlament einmal mehr deutlich machte. Alle – von links bis rechts – möchten eigentlich investieren. Denn die Infrastruktur muss unterhalten werden, das Dorf soll aber auch schöner und attraktiver werden für neue Steuerzahler.

Auf der anderen Seite drücken die finanziellen Sorgen. Wohlen hat aktuell einen sehr tiefen Pro-Kopf-Steuerertrag. Je mehr Geld investiert wird, desto wahrscheinlicher werden Steuererhöhungen. Was neue, möglichst reiche Einwohner natürlich wieder abschrecken könnte.

Keine einfache Aufgabe für die Politik. Und sicher Stoff für viele weitere Debatten. Die Sitzung am Montagabend dauerte jedenfalls rund viereinhalb Stunden.