Dem Hallwilersee geht es deutlich besser als vor 30 Jahren

Die Sanierung des Hallwilersees ist seit Mitte des letzten Jahrhunderts ein Thema. Seit fast 30 Jahren wird der See künstlich belüftet. Die Massnahmen zeigen offenbar Wirkung. Man habe in den letzten Jahren «grosse Fortschritte gemacht», heisst es vom Kanton.

Es sind mehrere Faktoren, welche den Hallwilersee zu einem Sanierungsfall gemacht haben.

Einerseits ist es seine geografische Lage, erklärt Arno Stöckli, Gewässerschutz-Experte beim Kanton Aargau: «Der Hallwilersee ist windgeschützt, der Wind fehlt als Antrieb für eine natürliche Zirkulation». Dazu kommt der langsame Wasseraustausch im See: «Das Wasser bleibt im Schnitt 3 bis 4 Jahre im See».

Auf der anderen Seite spielt der Mensch eine grosse Rolle. Mit dem Bau der Seetalbahn wurde das Gebiet um den See dichter besiedelt und auch landwirtschaftlich intensiver genutzt: «Der See wurde überdüngt», erklärt Arno Stöckli.

Arno Stöckli ist «Mister Hallwilersee»

Arno Stöckli beschäftigt sich schon seit Beginn der Sanierung mit dem Hallwilersee. Bereits beim Start der Belüftung vor beinahe 30 Jahren hat er den Zustand des Sees überwacht. Nun zieht er eine positive Bilanz: «Der See ist heute in einem unerwartet guten Zustand». Besonders die Düngerbelastung sei gesunken.

Reduzierte Belüftung mit Sauerstoff

In den 1970er-Jahren wurde der See noch mit mindestens 16 Tonnen Phosphor pro Jahr belastet. Heute sind es durchschnittlich nur noch rund 3 Tonnen pro Jahr. Zu diesem Erfolg beigetragen haben strenge Massnahmen in der Landwirtschaft:

  • reduzierte Phosphatdüngung
  • effizientere Düngungsmethoden
  • erweiterte Pufferstreifen entlang der Ufer

Dank der abnehmenden Düngerbelastung konnte die Zufuhr von Sauerstoff in den Sommermonaten reduziert werden. In den letzten 10 Jahren konnte man die Menge des eingebrachten Sauerstoffs von 600 Tonnen auf rund 200 Tonnen pro Jahr senken. Arno Stöckli wertet dies als positives Zeichen.

Daneben gibt es aber immer noch Probleme. Die Vermehrung der Felchen ist immer noch stark beeinträchtigt. Felchen lassen ihre Eier auf den Seegrund absinken. Da dieser immer noch schlammig und sauerstoffarm ist, können sich dort aber nur wenige Eier entwickeln. Felchen müssen immer noch vom Menschen gezüchtet werden.

Wie weiter?

Arno Stöckli ist überzeugt, dass die Belüftung im Sommer dereinst gestoppt werden könne: «Im Winter werden wir dem See aber auch künftig eine Zirkulationshilfe bieten müssen». Dafür wird grobblasige Druckluft in den See gepresst, welche das Wasser in Bewegung versetzt.

Dass der See in Zukunft ganz ohne künstliche Unterstützung existieren könne, daran zweifelt Arno Stöckli.

Einerseits aufgrund der windgeschützten Lage des Sees, andererseits aber auch wegen der Klimaveränderung, betont Arno Stöckli: «Die zunehmend milderen Winter behindern eine natürliche Zirkulation des Seewassers».

Die Überdüngung

Wegen des hohen Anteils an Phosphaten bilden sich Algenteppiche. Abgestorbene Algen sinken auf den Seegrund und verrotten dort. Dabei wird der dort vorhandene Sauerstoff verbraucht. Andere Wasserpflanzen und Fische bekommen dadurch nicht genug Sauerstoff, um zu überleben.

Die Sanierungskosten

  • 1984-1995 Fr. 369'000 /Jahr
  • 1996-2002 Fr. 290'000 /Jahr
  • 2003-2010 Fr. 295'000 /Jahr
  • 2011-2015 Fr. 189'000 /Jahr

Im Mai 2015 hat die Aargauer Regierung einen Kredit von 800'000 Franken für eine weitere Sanierungsetappe 2016 bis 2020 genehmigt.