Der grösste Aargauer Arbeitgeber ist vorsichtig optimistisch

Der Industriekonzern Alstom beschäftigt im Kanton Aargau etwa 6400 Menschen. In den nächsten Jahren sollen es noch mehr werden, hoffen die Verantwortlichen. Trotz Energiewende und Eurokrise gibt sich Alstom Schweiz vorsichtig optimistisch. Allerdings: Viele neue Angestellte kommen aus dem Ausland.

Zwei Arbeiter in einer Fabrikhalle, sie arbeiten an einer grossen Turbine.

Bildlegende: Mitarbeiter der Alstom-Fabrik in Birr montieren Teile. Alstom will im nächsten Jahr zusätzlich 150 Stellen schaffen. Keystone

Alstom ist eine riesige Firma: Der weltweit tätige Industriekonzern wird aus der Zentrale in Paris gesteuert. Aber schon allein der Schweizer Ableger mit Hauptsitz in Baden präsentiert beeindruckende Zahlen: An den Standorten Baden, Birr, Turgi und Oberentfelden beschäftigt der französische Konzern über 6000 Angestellte.

In Baden prägt die Firma einen ganzen Stadtteil mit ihren Büros und Forschungslaboren, in Birr ist die riesige Rotorenfabrik weitherum sichtbar. Alstom Schweiz steigerte 2012 ihren Umsatz um 8 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. 97 Prozent des Umsatzes generiert die Firma im Ausland.

Auch Alstom leidet unter teurem Franken

Das sei kein Fluch, sondern ein Segen, erklärt Finanzchef Ferdinand Schulz im Gespräch mit dem «Regionaljournal Aargau Solothurn» von Radio SRF. «Weil wir auf der ganzen Welt tätig sind, können wir Schwankungen in einzelnen Ländern gut ausgleichen. Zum Beispiel engagieren wir uns stark in den wachsenden Märkten von Brasilien, Russland, Indien oder China.»

Ein Industriekonzern mit internationaler Ausrichtung in der teuren Schweiz: Das klingt nicht nach einem Erfolgsrezept. Tatsächlich leidet der Konzern zum Beispiel unter dem starken Euro: Die Geschäfte werden in Euro abgerechnet, die Löhne in der Schweiz werden aber in Franken ausbezahlt. «Wir mussten jährlich für eine Milliarde Schweizer Franken kaufen», erklärt Finanzchef Schulz. Deshalb sei man natürlich froh, dass der Wechselkurs nun wieder auf einem vernünftigeren Niveau stehe.

Die Energiewende ist auch eine Chance

Trotz dieser Nachteile hält Alstom am Standort Schweiz fest. In Baden steht auch der Hauptsitz der wichtigsten Unternehmenseinheit, der Einheit für «thermische Kraftwerke». «Wir verfügen über das gesamte Angebot, von Gas über Dampf bis hin zu eneuerbaren Energien», erklärt Ferdinand Schulz. Deshalb sei auch die Energiewende kein Risiko für Alstom, sondern eine Chance.

«  Wir verfügen über das gesamte Angebot: Von Gas über Dampf bis zu erneuerbaren Energien. »

Ferdinand Schulz
Finanzchef Alstom Schweiz

SRF-Redaktor Andreas Capaul (r.) im Gespräch mit Ferdinand Schulz (l.) und Daniel Huber (Mitte).

Bildlegende: SRF-Redaktor Andreas Capaul (r.) im Gespräch mit Ferdinand Schulz (l.) und Daniel Huber (Mitte). SRF

Alstom könnte auch mit einem Atom-Ausstieg auf breiter Front leben, glaubt der Finanzchef. Wichtig sei aber, dass die Politik nun endlich Entscheidungen treffe: «Im Moment wird zwar überall diskutiert, ein Entscheid über den künftigen Energie-Mix steht aber noch aus.» Unter diesen Umständen könne sich die Kraftwerksfirma Alstom natürlich schlecht auf die Zukunft vorbereiten.

 Im Moment aber brummt das Geschäft: Der Bestellungseingang ist um beinahe 30 Prozent angestiegen. Im nächsten Jahr werden in der Region Baden 150 neue Stellen geschaffen. «Wir suchen hochqualifiziertes Personal im Bereich Forschung und Entwicklung», erklärt Personal-Vizechef Daniel Huber. «Drei Viertel dieser Ingenieure müssen wir im Ausland rekrutieren.»

Der Standort Baden ist und bleibt für Alstom zentral

Bund und Kantone hätten nun aber gemerkt, dass es mehr Engagement braucht für technische Berufe, glaubt der Personalmanager der Alstom. Die ausländischen Ingenieure kämen gerne nach Baden, denn die Stadt biete viele Vorteile: «Die Löhne sind hoch, es gibt Kinderkrippen, die Schweiz ist ein sauberes und sicheres Land, Baden liegt in der Nähe des Flughafens.»

«  Die Löhne sind höher als in anderen Ländern, es gibt Kinderkrippen, der Flughafen ist in der Nähe. »

Daniel Huber
Personal-Vizechef Alstom Schweiz

Die positiven Aussichten stimmen zuversichtlich, aber die negativen Schlagzeilen sind noch nicht vergessen. 2010 hatte Alstom einen Stellenabbau von bis zu 760 Stellen angekündigt. «Wir haben dann aber nur rund 200 Stellen wirklich abbauen müssen», sagt Daniel Huber heute. Von einer «Hire&Fire»-Mentalität will er nichts wissen.

«Wir hätten natürlich gerne absolute Stabilität, aber wir sind zum Teil von einzelnen Grossaufträgen abhängig, die dann sofort Hunderte von neuen Stellen benötigen. Wenn diese ausbleiben, dann haben wir wieder ein Problem.» Im Moment zeigt die Kurve aber nach oben. Und Daniel Huber meint: «Ich kann natürlich nichts garantieren, bin aber verhalten optimistisch auch für die weitere Zukunft.»