Deutlich mehr Sozialhilfefälle im Aargau

Im Kanton Aargau sind 2012 zwei Prozent der Bevölkerung auf Sozialhilfe angewiesen gewesen. 12'214 Personen bezogen Sozialhilfe. Diese verteilen sich auf 7516 Fälle - 4,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

Stark nahmen vor allem die Zahlen der Kinder und Jugendlichen sowie der 46- bis 55-Jährigen zu, wie aus der am Donnerstag veröffentlichten Sozialhilfestatistik des Bundesamtes für Statistik (BFS) hervorgeht.

Rückgang bei Sozialhilfebezügern im Rentenalter

Mit 12'214 Sozialhilfebeziehenden und einer Sozialhilfequote von 2 Prozent liegt der Kanton Aargau weiterhin deutlich unter der gesamtschweizerischen Quote von 3 Prozent.

Die Zahl der Bezüger ab 65 Jahren nahm im Vergleich zum Vorjahr ab. Im Gegensatz dazu stieg die Zahl der Kinder in der Sozialhilfe weiter, nämlich um 5,6 Prozent. Etwas schwächer war die Zunahme bei den 18- bis 35-Jährigen sowie bei den 56- bis 64-Jährigen.

leere Portemonnaie

Bildlegende: 2012 gabe es im Kanton Aargau 4,4 Prozent mehr Sozialhilfefälle. Colourbox

Mit 8,4 Prozent war der Anstieg bei den 46- bis 55-Jährigen am grössten. Den Grund sieht die Leiterin des kantonalen Amtes für Sozialhilfe, Cornelia Breitschmid auf dem Arbeitsmarkt: «Hat man einmal seine Stelle verloren, ist der Einstieg in eine andere Stelle schweieriger als früher».

Den kleinsten Anteil bildeten die 65- bis 79-Jährigen mit 1,4 Prozent und einer Quote von 0,2 Prozent. Die Quote der über 80-Jährigen lag mit einem Prozent deutlich höher. Ein möglicher Grund dafür seien die mit dem Eintritt in ein Pflegeheim verbundenen Kosten, hält das BFS fest.

Vor allem Kinder und Jugendliche

Kinder und Jugendliche machten mit 29,7 Prozent weiterhin den grössten Anteil der Personen in der Sozialhilfe aus. Die Quote für diese Gruppe war mit 3,2 Prozent die höchste aller Altersgruppen. Eine schweizweite Tendenz, die Cornelia Breitschmid beunruhigt.

Der Grund liege oft bei den Eltern. Ein Lohn reiche meist nicht aus, was auch die Quote der Alleinerziehenden stütze. Die Alleinerziehenden seien vergleichweise oft auf Sozialhilfe angewiesen, obwohl sie sehr viel arbeiteten, so Breitschmid gegenüber dem Regionaljournal Aargau Solothurn. Hier sieht Breitschmid Handlungsbedarf. Lösungen wären allenfalls Ergänzungsleistungen, wie sie der Kanton Solothurn eingeführt hat, so Breitschmid.

Die grössten Sorgen breiten der Leiterin des kantonalen Sozialamtes die Kinder aber auch die jungen Erwachsenen, die den Einstieg ins Berufsleben verpassen und früh von der Sozialhilfe abhängig werden. «Die Zukunftsaussichten dieser Leute und ihr Beitrag in der Gesellschaft, der nötig ist, damit unsere Gesellschaft funktioniert. Diese Fälle sollten uns am meisten Beschäftigen in der Sozialhilfe», so Breitschmid.

Immer mehr Langzeitfälle

Im Durchschnitt bezog eine Person während 17 Monaten Sozialhilfe. Bei 40 Prozent der Sozialhilfefälle betrug die Bezugsdauer weniger als ein Jahr. Jeder Fünfte bezog seit einem bis bis zwei Jahren Sozialhilfe.

Im Gegensatz dazu bestanden 13,5 Prozent der Fälle bereits seit fünf Jahren oder mehr. Der Anteil dieser Langzeitfälle nahm seit 2010 stetig zu.

Im Kanton wurden im vergangenen Jahr wurden 2706 Sozialhilfefälle abgeschlossen. 56 Prozent dieser Fälle waren die Betroffenen weniger lang als ein Jahr auf Sozialhilfe angewiesen.

Nur 156 Sozialhilfefälle mit einer Bezugsdauer von mindestens fünf Jahren wurden abgeschlossen. Dieser niedrige Wert sei ein Indiz dafür, dass es mit zunehmender Bezugsdauer schwieriger werde, einen Ausweg aus der Sozialhilfe zu finden, erläutert das BFS.

1599 Alimente bevorschusst

Im Aargau wurden im vergangenen Jahr in 1599 Fällen ausstehende Unterhaltsbeiträge bevorschusst. Diese Zahlungen kamen 2121 Kindern zugute. 40 Prozent der Kinder lebten allein mit einem Elternteil, 38 Prozent mit einem Elternteil und einem Geschwister.

Pro Fall und Jahr wurden rund 8500 Franken aufgewendet. Gemäss den Angaben der Sozialdienste erhielten zudem 233 Familien Elternschaftsbeihilfen.