Die Aargauer Ikea-Häuser sind nicht nur für Flüchtlinge

Der Kanton Aargau kauft 200 Plastikhäuser für die Unterbringung von Flüchtlingen. Regierungsrätin Susanne Hochueli präsentierte sie am Donnerstag in Frick der Bevölkerung. Die auch als Ikea-Häuser bezeichneten Bausatz-Unterkünfte hätte der Kanton aber sowieso gekauft, für die eigene Bevölkerung.

Inneres eines kleinen Plastikhäuschens

Bildlegende: So könnte es im Innern eines «Shelter» aussehen, aber die Einrichtung der Plastikhäuser ist variabel. Alex Moser/SRF

Die sogenannten «Shelter», Plastikhäuser aus einem Bausatz, sind tatsächlich für Flüchtlinge gedacht: Eine Ikea-Stiftung hat sie zusammen mit dem Uno-Flüchtlingshilfswerk entwickelt. Die Häuser sollen Zelte ersetzen, sie sind etwas stabiler und bieten Schutz vor Wind und Regen.

Dieses Konzept hat auch die Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz beim Kanton Aargau überzeugt. Sie setzt diese Shelter nun als provisorische Flüchtlingsunterkunft ein. Allerdings werden die Häuser im Winter in einer Halle platziert, weil sie nicht beheizbar sind.

100 Bausätze hat der Kanton bisher beschafft, 100 weitere sind bestellt und werden im nächsten Jahr geliefert. Die Bestellung hat insgesamt einen Wert von etwa 240'000 Franken.

Die Häuser sind gar nicht für Flüchtlinge

Was in der gesamten Berichterstattung bisher kaum erwähnt wurde: Diese Ikea-Plastikhäuser waren im Aargau ursprünglich gar nicht für die Flüchtlinge gedacht. «Wir decken damit ein Defizit ab, das in der Gefährdungsanalyse aufgetaucht ist», erklärt Andreas Flückiger von der Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz.

Die Erklärung: Die Gefährdungsanalyse ist eine Untersuchung der Behörden, welche Schwachsstellen und Risiken im Sicherheitsbereich zeigen soll. Zum Beispiel wird ermittelt, wo Hochwasser auftreten könnten und welche Folgen diese Katastrophen hätten. Anschliessend werden Massnahmen entwickelt, um solchen möglichen Ereignissen zu begegnen.

Eine kürzliche Erkenntnis aus diesen Analysen: Der Kanton wäre kaum gerüstet für grosse Evakuationen. Also wenn zum Beispiel die Bewohner eines ganzen Dorfteils nach einem Hochwasser ihre Häuser und Wohnungen verlassen müssten und ein Dach über dem Kopf benötigen.

Eine mobile Lösung für Evakuationen

«Der Zivilschutz braucht bis zu zwei Tage, bis unterirdische Anlagen oder Turnhallen dafür eingerichtet sind», erklärt DGS-Sprecher Balz Bruder auf Anfrage. Deshalb habe man nach einer schnelleren und mobilen Alternative gesucht. Die Ikea-Bausätze seien ideal.

200 Bausätze beschafft der Aargau also. Etwa 50 davon werden nun als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Aber eben: «Nur jetzt in dieser besonderen Lage setzen wir sie im Asylwesen ein. Grundsätzlich beschafft wurden die Häuser für unseren eigenen Bevölkerungsschutz», betont Andreas Flückiger.

Das Geld ist also langfristig investiert. Die meisten Häuser bleiben verpackt und eingelagert. Sie werden erst dann in den Einsatz kommen, wenn es im Aargau nach einem Naturereignis zum Beispiel grosse Evakuationen gibt. Und man damit quasi «Flüchtlinge im eigenen Land» beherbergen müsste.