Die Mondsichelmadonna ist zurück in Uerkheim

Ein wahrer Krimi hatte sich 2001 im Aargau abgespielt: Ein bekannter Kunsträuber entwendet in Uerkheim ein wertvolles Glasfenster. Jetzt endlich ist die Mondsichelmadonna wieder zurück an ihrem Ort. Am Sonntag wird das frisch restaurierte Fenster feierlich enthüllt.

Nach langer Odyssee ist die kunstvolle Mondsichelmadonna zurück in der Kirche von Uerkheim.

Bildlegende: Nach langer Odyssee ist die kunstvolle Mondsichelmadonna zurück in der Kirche von Uerkheim. zvg

Es ist Anfang September im Jahr 2001, als ein junger Franzose in Uerkheim haltmacht. Was die Siegristin der reformiterten Kirche, die dem Mann die Türe öffnet, erst später erfährt: Es handelt sich um Stéphane Breitwieser, den berüchtigten Kunstdieb aus dem Elsass.

Breitwieser stiehlt von 1991 bis 2001 in ganz Europa Kunstschätze im Wert von über 20 Millionen Franken. In Uerkheim hat er es auf eines der Glasfenster der Kirche abgesehen. Das Fenster zeigt die Mondsichelmadonna. Die Scheibe des renommierten Glasmalers Hans Funk aus dem 16. Jahrhundert ist von hohem Wert und kulturhistorisch bedeutsam.

Aargauer Madonna landet im Rhein-Rhone-Kanal

Zwei Monate nach dem Raub in Uerkheim wird Breitwieser verhaftet. Er war nach einem Diebstahl im Richard-Wagner-Museum in Luzern an den Tatort zurückgekehrt. Im Elsass gerät die Mutter des Kunstdiebs derweil in Panik und vernichtet die Kunstschätze ihres Sohnes. Einen Teil davon wirft sie in den Rhein-Rhone-Kanal.

Auch die Mondsichelmadonna von Uerkheim landet im Wasser und zerbricht. Nach etlichen Briefwechseln kann 2010 der Aargauer Denkmalpfleger das Glasfenster schliesslich in die Schweiz zurückholen. 2013 spricht der Kanton dann das benötigte Geld für die Restauration.

Feierlicher Gottesdienst für das restaurierte Glasfenster

Über die abenteuerliche Geschichte rund um die Madonna von Uerkheim haben vier Konfirmanden einen Film gedreht.

Bildlegende: Über die abenteuerliche Geschichte rund um die Madonna von Uerkheim haben vier Konfirmanden einen Film gedreht. zvg

Eine Glasmalerin hat das Fenster nun während 100 Stunden geflickt, die Bruchstellen verklebt und das Gesicht der Madonna neu gemalt. Seit kurzer Zeit ist das Glasfenster zurück an seinem Platz in der Kirche von Uerkheim. Noch ist es allerdings abgedeckt. Am Sonntag wird es dann in einem feierlichen Gottesdienst enthüllt.

Pfarrer David Scherler zeigt sich gegenüber dem Regionaljournal Aargau Solothurn begeistert: «Mehr als zehn Jahre lang hing eine Kopie hier und ist verblichen. Das neue Glasfenster ist jetzt wieder in den gleichen Tönen wie die anderen, in einem wunderschönen tiefen Blau, ganz schön anzusehen».

Uerkheimer haben dem Kunsträuber vergeben

Dem Kunstdieb Stéphane Breitwieser hat Pfarrer Scherler vergeben: «Wegen ihm hat man überhaupt erst darüber nachgedacht, was überhaupt auf dem Glasfenster ist. Wenn er das Fenster nicht gestohlen hätte, wäre es einfach ein normales Glasfenster, das in unserer Kirche hängt».

Für Uerkheim endet die jahrelange Odyssee der Mondsichelmadonna am Sonntag also mit einem Happy End. Weniger glücklich wird derweil wohl Kunsträuber Breitwieser sein. Er war zwar 2005 aus dem Gefängnis entlassen worden, konnte das Stehlen aber nicht sein lassen, und sitzt deshalb zur Zeit erneut hinter Gittern.

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