Die Stadtpolizei Olten packt ihre Sachen und geht

165 Jahre lang hat die Stadtpolizei Olten für Ruhe und Ordnung in Olten gesorgt. Jetzt wird der Posten geschlossen und die Mehrheit der Polizisten wechselt zur Kantonspolizei. Ein ehemaliger Stadtarchivar und ein stellvertretender Ex-Kommandant schauen zurück.

Vor 165 Jahren hiessen sie noch «Stadtdiener», die ersten beiden Polizisten, die offiziell die Oltner Stadtpolizei verkörperten. Gewählt wurden diese Stadtdiener vom Volk. Können mussten sie eigentlich nicht viel, lediglich diensttauglich mussten sie sein und besonders vertrauenswürdig. Mit der Uniform wurden aus den normalen Bürgern Autoritätspersonen.

Richtige Sicherheitsaufgaben hatten die Stadtdiener jedoch nicht, erzählt Martin Eduard Fischer, ehemaliger Oltner Stadtarchivar und Verfasser der Festschrift «150 Jahre Stadtpolizei Olten». Sie patroullierten einfach regelmässig durch die Gassen von Olten und zeigten so Präsenz. Jene Leute, die sie nicht kannten und die sich nicht ausweisen konnten, wurden festgenommen.

«  Zwielichtige Leute schob man einfach in einen anderen Kanton ab. »

Martin Eduard Fischer
Ehem. Stadtarchivar Olten & Verfasser der Festschrift «150 Jahre Stadtpolizei Olten»

Nach einer gewissen Zeit machten die Stadtdiener «Bettelfuhren». Die Gefangenen wurden in einen Wagen geladen und an die Kantonsgrenze zu Solothurn gebracht. Dieses System war allerdings keine Oltner Besonderheit, sondern auch in anderen Regionen üblich.

Während der Patroullien durch die Stadt, mussten die Stadtdiener auch jede Strunde die Zeit ausrufen. «Stundenrufer» seien sie gewesen, denn das normale Volk hatte keine Uhren.

Heute ist der Beruf des Stadtpolizisten ein vollkommen anderer, erklärt Andreas Kohler. Er war knapp 40 Jahre lang in verschiedenen Funktionen bei der Stadtpolizei Olten tätig, zuletzt als stellvertretender Kommandant. Seit drei Jahren ist er in Pension und kann auf eine bewegte Zeit bei der Stadtpolizei zurückblicken. Zwischen 1980 und 1990 war in Olten der Drogenhandel ein grosses Problem, danach die Prostitution.

Trotz all dieser Probleme hat Kohler die Zeit bei der Stadtpolizei Olten in guter Erinnerung.

«  Wir waren eine Familie, eine verschworene Gemeinschaft. »

Andreas Kohler
Stellvertretender Ex-Kommandant der Stadtpolizei Olten

Dass die Stadtpolizei Olten nun abgeschafft und in die Kantonspolizei Solothurn integriert, macht Kohler nicht traurig. Die Kantonspolizei sei eine sehr gute Adresse, weswegen er auch dort bestimmt mal vorbei schaue.

Von den zurzeit 30 Oltner Stadtpolizisten wechseln 20 zur Kantonspolizei.