«Drohbriefe» der Gemeinde Egerkingen haben gewirkt

Die Solothurner Gemeinde Egerkingen hat säumigen Steuerzahlern mit einer unkonventionellen Strafe gedroht: Wer keine Zahlungsvereinbarung abschliesst, wird öffentlich an den Pranger gestellt. 68 Briefe wurden verschickt. Über die Hälfte der Steuersünder haben sich nun bei der Gemeinde gemeldet.

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Reuige Steuersünder

3:00 min, aus Schweiz aktuell vom 7.3.2013

68 Personen in Egerkingen haben in den letzten Wochen Post von der Gemeinde erhalten: In einem Brief wurden sie aufgefordert, ihre offenen Steuerzahlungen mit der Gemeinde zu diskutieren und eine Lösung zu finden. Wer sich nicht meldet, dessen Name wird an der Gemeindeversammlung vom 3. Juni öffentlich verlesen. Diese Drohung hat offenbar gewirkt.

Die Hälfte der Steuersünder hat reagiert

Ein Briefträger verteilt Post in einen Briefkasten bei einem Mehrfamilienhaus.

Bildlegende: Post für Steuersünder: Wer auf den «Drohbrief» nicht reagiert hat, erhält nun eine letzte Chance von der Gemeinde. Keystone

Am Mittwoch ist das von der Gemeinde gesetzte Ultimatum für die Steuersünder verstrichen. «Über die Hälfte der angeschriebenen Personen hat sich gemeldet», erklärt Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi gegenüber Radio SRF. «Mit diesen Leuten finden wir eine Lösung.»

Die säumigen Steuerzahler hatten auch auf Betreibungsandrohungen nicht reagiert. In den Gesprächen habe sich nun gezeigt, dass einige Leute nicht aus Geiz, sondern aus purer Nachlässigkeit die Steuern nicht bezahlten, sagt Johanna Bartholdi. «Einige hatten zum Zeitpunkt unserer Betreibung persönliche Probleme. Sie haben Briefe vom Staat oder der Gemeinde gar nicht beachtet und sofort weggeworfen.»

Eine letzte Chance für den Rest

Über 30 Steuersünder in Egerkingen haben offenbar auch den aktuellen «Drohbrief» der Gemeinde nicht gelesen. Aber auch sie erhalten noch eine letzte Chance, wie Johanna Bartholdi versichert. «Wir werden diesen Leuten nächste Woche noch nachtelefonieren. Wir wollen ja niemanden, der schon am Boden ist, zertrampeln.»

Dieses Telefonat der Gemeinde sei dann aber wirklich die letzte Chance: «Wer auch dann nicht reagiert, der hat es dann wirklich verdient, öffentlich an den Pranger gestellt zu werden.»