Ein Kenner der unteren Fussballligen hat noch nicht genug

Willy Neuenschwander ist so etwas wie der Murat Yakin der unteren Ligen. Egal, wo der 65-jährige Oftringer als Trainer amtet – der Erfolg ist praktisch garantiert.

Willy Neuenschwander

Bildlegende: Willy Neuenschwander: Der 65-jährige Oftringer hat sein Leben dem Fussball verschrieben. SRF

Aktuell profitiert der FC Rothrist von Willy Neuenschwanders Qualitäten als Fussballtrainer. Zuvor waren es der FC Schötz (1. Liga), der SC Zofingen (1. Liga) oder der SC Langenthal (2. Liga interregional), um nur einige zu nennen.

Der FC Rothrist ist in der 2. Liga Regional engagiert und ziert dort nach Abschluss der Vorrunde Rang 3. Noch letzte Saison ist Rothrist nur knapp dem Abstieg entronnen, jetzt, unter der sportlichen Leitung von Willy Neuenschwander, spielt die Mannschaft vorne mit.

In der Meisterschaft möglichst viele Spiele gewinnen und im Cup immer mal wieder für eine Überraschung sorgen, das ist Neuenschwanders Antrieb.

Seine Ziele erreiche er mit Vorleben von Werten wie Disziplin, Respekt, und Authentizität, sagt er im Gespräch mit dem Regionaljournal Aargau Solothurn. Werte, die auch im bezahlten Fussball ihre Gültigkeit hätten und resistent seien gegen den Zeitgeist, wie das Beispiel Ottmar Hitzfeld beweise.

Ausrufezeichen Schweizer Cup

Dass Willy Neuenschwanders Name im Profifussball nicht auftaucht, hat damit zu tun, «dass ich damals zu wenig frech war, und lieber auf die Karte Beruf und Sicherheit gesetzt habe. Als junger Familienvater wollte ich das hohe Risiko, in der damaligen Nationalliga A (Super League) mein Glück zu suchen, nicht eingehen».

Immerhin ist es Willy Neuenschwander gelungen, als Trainer ein national beachtetes Ausrufezeichen zu setzen: 1996 ist ihm mit dem damaligen Zweitligisten FC Schötz beinahe das Husarenstück gelungen, den damaligen NLA-Spitzenklub FC St.Gallen im Viertelfinal des Schweizer Cups zu eliminieren. Schötz hatte wenige Minuten vor Schluss der Partie den Matchball auf dem Fuss und scheiterte erst im Penaltyschiessen.

Der Fuchs lässt das Jagen nicht

Damals gab es neben der klassischen 1. Liga noch keine 1. Liga Promotion und auch keine der 2. Liga Regional vorgeschobene 2. Liga Interregional. Die «Verwässerung» der unteren Ligen durch den Einschub solcher Zwischenligen gehöre ins Ausbildungskonzept des Schweizerischen Fussballverbandes und habe unter anderem zur Folge, dass ambitionierte Teams in der 1. Liga Promotion praktisch im Profibetrieb arbeiten müssten.

Willy Neuenschwander gibt zu, dass Geld im Fussball eine wichtige Rolle spiele, aber nicht überall und nicht in jeder Liga: «Beim FC Rothrist beträgt das Budget für die erste Mannschaft nur einen Bruchteil dessen, was in der 1. Liga üblich ist», beteuert Neuenschwander.

Er muss es wissen und ihm darf man glauben, dass Geld alleine nie seine Motivation gewesen ist, immer und immer wieder auf einer Trainerbank Platz zu nehmen – so wie jetzt beim FC Rothrist und das, obwohl er doch nach Langenthal in den Trainer-Ruhestand treten wollte. Aber wie heisst es so schön: Der Fuchs lässt das Jagen nicht.