Ein Kulturkonzept für den Kulturkanton

Der Aargau vermarktet sich selber gern als «Kulturkanton». Viele Kulturschaffende sind denn auch zufrieden, wie sie von der Politik unterstützt werden. Trotzdem will die Regierung nun ein neues Kulturkonzept erarbeiten lassen. Warum nur?

Besucher in der Ausstellung im Kunsthaus Aargau in Aarau

Bildlegende: Braucht es zwischen Gesetz und Alltagspraxis jetzt auch noch ein Konzept für die Aargauer Kultur? Keystone

Der Aargau habe ein breites und attraktives Kulturangebot. Die Kulturförderung durch das von der Verwaltung unabhängige Kuratorium habe Vorbildcharakter für andere Kantone. Das aktuelle Kulturgesetz von 2010 habe das Profil der Aargauer Kultur gestärkt. Das alles betont die Regierung in ihrer Mitteilung vom Montag.

Das neue Kulturgesetz funktioniert...

Insgesamt investiert der Kanton jährlich etwa 60 Millionen Franken in die Kulturförderung: 40 Millionen über Globalbudgets, etwa 20 Millionen aus dem Lotteriefonds. Alles in bester Ordnung also, könnte man meinen.

Trotzdem gibt es nun eine neue Aufgabe für die Abteilung Kultur: Ein Kulturkonzept soll in den nächsten 18 Monaten ausgearbeitet werden. Ein Konzept, das die «kulturpolitischen Zielsetzungen» für die Jahre 2017 bis 2022 festschreibt.

... soll aber noch analysiert werden

Mit dem Kulturkonzept will man aber vor allem auch zurückblicken, so die Regierung. Experten sollen untersuchen, wie sich das neue Kulturgesetz von 2010 konkret ausgewirkt hat auf das kulturelle Schaffen und Leben im Kanton. Damit erfülle man einen Auftrag aus dem Parlament, heisst es.

Der Leiter der Abteilung Kultur, Thomas Pauli, gibt sich gegenüber SRF sehr offen. Wie das neue Kulturkonzept aussehen könnte? Er weiss es nicht: «Wir wollen zuerst nun diese Bestandesaufnahme machen – daraus wird sich dann ein Konzept ableiten.» Man arbeite «ergebnisoffen», so Pauli.

Sparen auch bei der Kultur...

Auch die neun bisher definierten kulturellen «Leuchttürme» seien nicht «auf ewig gesetzt». Darunter fallen zum Beispiel das Aarauer Naturmuseum Naturama oder das Aargauer Kunsthaus. «Diese Institutionen haben von der Regierung für zwei bis drei Jahre Betriebsbeiträge zugesichert erhalten, diese werden aber ebenfalls evaluiert. Und dann wird die Regierung wieder Gelder sprechen oder eben nicht.»

«  Auch die kulturellen Leuchttürme sind nicht auf ewig gesetzt. »

Thomas Pauli
Leiter Abteilung Kultur

Es geht also durchaus auch um einen Verteilkampf. Ein Kampf, der durch die klaren Sparziele eher noch verschärft wird. Das neue Kulturkonzept habe direkt aber nichts mit den angekündigten Sparmassnahmen zu tun, beruhigt Thomas Pauli.

«Selbstverständlich muss man aber allenfalls etwas loslassen, wenn wir dafür Neues ermöglichen wollen. Und in der Kultur möchte man ja Neues ermöglichen», sagt der Kulturchef.

... aber wo genau?

Wo man künftig Mittel streichen könnte, dazu will sich Pauli noch nicht äussern. Neue Herausforderungen sieht er allerdings bereits: Vor allem die Digitalisierung. Zum Beispiel im Bereich der Bibliotheken: E-Books sind immer häufiger gefragt anstelle von traditionellen Büchern. Dafür brauche es neue Lösungen.