«Eine Landschaft ohne Landwirtschaft wäre ärmlich»

Mit einer Ausstellung in Lenzburg werben die Aargauer Bauern zur Zeit für ihre Produkte und ihre Anliegen. Gleichzeitig will Alois Huber, Präsident des Bauernverbands Aargau, auch den Graben zuschütten, der in den letzten Jahren zwischen Bauern und der übrigen Bevölkerung entstanden ist.

Alois Huber links im Bild, rechts von ihme ine Kuh.

Bildlegende: Alois Huber, seit April Präsident des Bauernverbands Aargau BVA. SRF

Nur gerade alle zehn Jahre findet die Aargauische Landwirtschaftliche Ausstellung (ALA) statt. Heuer fällt dieses Ereignis zudem noch mit dem 175 Jahr-Jubliäum des Bauernverbands Aargau zusammen. Grund genug, eine Ausstellung der Superlative aus dem Boden zu stampfen.

Gegen eine Million Franken haben die Aargauer Bauern in diese Werkschau investiert. Vor allem, um den Bauernstand wieder einmal im besten Licht zu zeigen. Denn das Image der Landwirtschaft hat in den letzten Jahrzehnten gelitten. Dies gibt auch der oberste Aargauer Bauer unumwunden zu. Die Gründe sieht Alois Huber zum einen in der starken Mechanisierung der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten, zum anderen aber auch im zum Teil masslosen Dünger- und Chemieeinsatz in den 50iger- bis 70iger-Jahren des letzten Jahrhunderts.

Entwicklung zurück zur Natur

Huber betont aber, dass die Landwirte diese Entwicklung umgekehrt hätten. «Heute gehen wir Richtung ökologische Produktion. Dünger und Spritzmittel gegen Pilze und tierische Schädlinge werden nur noch in Notfällen eingesetzt.» Huber selber ist Biobauer auf dem Hof, der zum Schloss Wildegg gehört. Trotzdem hat für ihn die Oekologisierung der Landwirtschaft Grenzen, in erster Linie kommt auch für den Biobauer Huber die Produktion von Nahrungsmitteln. «Eine Landschaft ohne Landwirtschaft – nur noch mit Blumen – wäre ärmlich.»

Mit der ALA wollen die Aargauer Bauern auch zeigen, dass eine nachhaltige Landwirtschaft gratis nicht zu haben ist. Biolandwirtschaft bedinge viel Handarbeit, und Handarbeit koste halt. Das sei beim Bauern nicht anders als in der Industrie, begründet Huber die höheren Preise in der Schweizer Landwirtschaft. Komme hinzu, dass in der Schweizer Landwirtschaft faire Löhne bezahlt würden, auch dies führe zu höheren Preisen als im Ausland.

Wenn nun der Konsument diese Zusammenhänge verstehe, dann sei schon viel erreicht, meint Huber. Denn Bauern und Konsumenten seien voneinander abhängig. Und Huber ist überzeugt, dass dieses Verständniswecken den Bauern gelingen werde. Schon aus diesem Grund sei die eine Million gut investiertes Geld.

Die ganze Palette an der Ala

An der Ausstellung sind viele Tiere zu sehen: Mutterkühe, Rossfohlen, Zwergsäuli – das zielt ins Herz der Besucher. Für den Techno-Liebhaber gibt es alte und neue Traktoren neben vielen anderen mechanischen Hilfsgeräten. Prunkstück ist aber ein riesiger Pflanzgarten, auf dem alles wächst, was die Aargauer Landwirtschaft hervorbringt: Gemüse, Getreide, Zuckerrüben, Obst – die ganze Palette. Alles, was die Aargauer Landwirtschaft stark macht.

Eine Schwäche der Aargauer Landwirtschaft wird hingegen nicht thematisiert. Die wächsende Bevölkerung braucht immer mehr Platz, den Landwirten gehen immer mehr Fruchtfolgeflächen verloren. Für Bauernpräsident Alois Huber ist dies eines der grössten Probleme, das es zu lösen gilt. Was einmal überbaut sei, sei für die Landwirtschaft für immer verloren. Diesen Trend gelte es zu kehren, «dafür setzt sich der Bauernverband ein».

Sendung zu diesem Artikel