Einkaufen 2.0 – «Chrättli» Baden und Le Shop Drive Staufen

Das Internet verändert unser Leben. Ob Medienkonsum oder Einkaufen, überall ist Interaktivität gefragt – die Kunden wollen mitreden. Läden im Aargau stellen sich auf diese Entwicklung ein. Zum Beispiel der Internet-Abholmarkt Le Shop Drive in Staufen. Und der Quartierladen «Chrättli» in Baden.

Beim «Chrättli» findet Interaktivität zuerst einmal auf der sozialen Ebene statt. Geschäftsführer und Initiant Timi Demir steht gegen 80 Stunden pro Woche in seinem Laden im Quartier Allmend.

Von frühmorgens bis spät am Abend umsorgt er seine Kunden. Immer hat er Zeit für einen Schwatz. Er kennt 95 Prozent seiner Kundschaft mit Namen. Er weiss mehr über das Quartier als der Polizist oder der Pfarrer.

Kundenwünsche bestimmen das Sortiment

Timi Demir aber kennt vor allem die Vorlieben seiner Kundinnen und Kunden. Und wenn immer möglich nimmt er diese Vorlieben als Produkte in das Sortiment auf. Das zeigt sich in der grossen Käsevielfalt. «Wenn jemand in den Ferien auf einer Alp einen guten Käse entdeckt, kann er diesen mitbringen und wir verkaufen ihn dann bei uns.»

Besonders guten Anklang fand in letzter Zeit der Muotathaler-Käse. «Doch dann war er wieder weg, weil unser Kunde bzw. Lieferant eine Weile nicht mehr im Muotathal war», sagt Demir. «Doch kürzlich hat er wieder eine Lieferung gemacht, darum ist der Käse wieder im Sortiment.»

Nicht nur beim Käse nimmt er die Wünsche seiner Kunden auf. Auch beim Brot geht er auf sie ein. «Wir haben am Wochenende immer Holzofenbrot. Eine Bäuerin macht das. Das Brot entwickeln wir mit ihr zusammen nach den Wünschen unserer Kunden.»

So viel soziale und sortimentstechnische Interaktivität zahlt sich aus. Timi Demir hat den Quartierladen vor acht Monaten übernommen, und es läuft gut. Demir macht die Arbeit Freude: «Ich wollte schon immer selbstständig sein. Mir gefällt es.»

Online bestellen, ontime abholen

Ein völlig anderes Konzept hat der Le Shop Drive in Staufen bei Lenzburg. Die soziale Interaktivität findet in diesem Laden nur sehr beschränkt statt. Sie soll eigentlich gar nicht stattfinden, denn der Laden ist auf Schnelligkeit getrimmt.

Die Idee dahinter: Online bestellen und persönlich abholen. Das alles aber ohne Parkplatzsuche und ohne Anstehen an einer Ladenkasse. Die Interaktivität über das Internet macht es möglich, dass der Kunde seine Wünsche ganz genau abbilden kann.

Le Shop Drive-Erfinder Dominique Locher versteht den neuen Laden als Ergänzung zum schon länger bekannten Le Shop Home der Migros. Bei Le Shop Home bestellt man über das Internet und die Post liefert die Waren nach Hause. Für die Lieferung muss man aber eine Gebühr bezahlen. Und man muss für mindestens 100 Franken einkaufen.

Keine Mindestbestellung und schon nach zwei Stunden parat

Das hält jene Kunden vom Kauf ab, die keinen Grosseinkauf machen wollen und die möglichst schnell einkaufen wollen. Diese Lücke füllt Le Shop Drive. Wer über das Internet bestellt, kann seine Waren schon zwei Stunden später in Staufen abholen. Einen Mindestbestellwert gibt es nicht.

Der Kunde bezahlt seinen Einkauf beim Eingang zum Gelände und wird dann zu einem Abholplatz dirigiert. Ihm ist garantiert, dass vom Bezahlen bis zur Lieferung der Ware an den Kofferraum des Autos nicht mehr als fünf Minuten vergehen.

«Diese Limite ist bis jetzt immer eingehalten worden», sagt Dominique Locher. Fünf Minuten – das ist nicht viel, um eine grössere Bestellung zu kommissionieren. Diese kann Non-Food-Produkte (z. B. Kugelschreiber), Gemüse, Früchte, Brot, Milch und tiefgekühlte Waren enthalten. Das Personal wird beim Zusammensuchen der Waren von einem Computer dirigiert. Es muss darauf achten, dass in den Tragetaschen die schweren Sachen nicht auf die leichten zu liegen kommen.

Und vor allem muss die Kühlkette so lange wie möglich eingehalten werden. Deshalb holt man die Tiefkühlprodukte erst zuletzt aus dem Regal. Besonders knifflig: Wie schafft man es, das Brot warm zum Kunden zu bringen? Dieser gibt bei der Bestellung zwar an, wann er die Waren abholen will.

Pilotversuch verläuft positiv

Aber einhalten muss er diese Zeit nicht. Er kann früher oder später kommen. Deshalb arbeitet Dominique Locher mit Erfahrungswerten. «Die Schweizer sind eben schweizerisch, also pünktlich. Deshalb funktioniert es meistens, wenn wir das Brot zum angegeben Zeitpunkt aufbacken.»

Le Shop Drive ist ein Pilotversuch, der einzige in der Schweiz neben einem Le Shop Drive im Kanton Bern. Dominique Locher ist mit den Zahlen zufrieden. So zufrieden, dass er schon über die Eröffnung weitere Le Shop Drives nachdenkt.