Endingen: Holocaust-Gedenkstein eingeweiht

Auf dem jüdischen Friedhof Endingen-Lengnau ist am Sonntag ein Holocaust-Gedenkstein eingeweiht worden. Er erinnert an alle, die im Holocaust «statt einer Zuflucht den Tod und keine Grabstätte gefunden haben». Auch mehrere hundert Schweizer hatten im Holocaust ihr Leben verloren.

Gedenkstein auf Friedhof

Bildlegende: Der Gedenkstein auf dem jüdischen Friedhof in Endingen wurde am Sonntag eingeweiht. Als Erinnerung an den Holocaust. zvg

Der Friedhof Endingen-Lengnau ist der älteste noch existierende jüdische Friedhof der Schweiz, und mit über 2800 Gräbern auch der grösste. Seit 1963 steht er als Kulturgut von nationaler Bedeutung unter Denkmalschutz. Endingen und das Nachbardorf Lengnau waren im 18. und 19. Jahrhundert die einzigen Orte der Schweiz, wo sich Juden niederlassen durften.

Junge wissen nicht mehr, was der Holocaust war

Am Sonntag wurde auf dem Friedhof ein Gedenkstein des Künstlers Dan Rubinstein eingeweiht. Über einer leicht gewellten Marmor-Platte erinnert eine Bronze-Skulptur in Form einer Träne an den Schmerz und an die unzähligen Menschen, die während des Holocausts keine Zuflucht erhalten hatten.

Auch mehrere hundert Schweizer hätten im Holocaust ihr Leben verloren, erinnert der Lengnauer Publizist Roy Oppenheim gegenüber SRF an ein «unbekanntes Stück Schweizer Geschichte». Die Zeit des Zweiten Weltkriegs sei immer weiter weg, stellt Oppenheim fest: «Ich sehe das auch immer wieder an den Führungen, die wir hier regelmässig machen. Da kommen viele Leute, die diese Geschichte gar nicht mehr kennen».

Der Aargau erinnert an die jüdische Geschichte

Jüdischer Friedhof Endingen/Lengnau

Bildlegende: Endingen/Lengnau ist mit rund 2800 Gräbern der grösste jüdische Friedhof in der Schweiz. SRF

2013 hatte Roy Oppenheim angeregt, die Geschichte der Juden im Aargau sei besser zu dokumentieren und einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Den Gedenkstein sieht er als einen Schritt in diese Richtung. Wie die Geschichte des jüdischen und christlichen Zusammenlebens im Aargau zusätzlich vermittelt werden kann, sollte bis 2015 klar sein.

Damit die Arbeiten für ein Konzept in Angriff genommen werden können, wird die Aargauer Regierung diese Woche voraussichtlich einen Geldbetrag aus dem Swisslos-Fonds sprechen. Gemeinden und Stiftungen haben bereits ihr Mitwirken zugesagt. Insgesamt wird mit Kosten von 80‘000 Franken gerechnet.

Für Oppenheim ist das ein «wunderbarer Schritt», er sei sehr zufrieden und zuversichtlich, dass die Beteiligten bald an die Arbeit gehen könnten.