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Entscheid des Bundesgerichts Aargauer Obergericht muss Unfallfahrer milder bestrafen

  • Ein Mann, der in Seon einen tödlichen Autounfall verursacht hat, muss weniger als 8 Jahre ins Gefängnis. Das Aargauer Obergericht muss auf Anordnung des Bundesgerichts sein Urteil überprüfen.
  • Die verhängte Strafe sei eindeutig zu hoch, schreibt das Bundesgericht in seiner Urteilsbegründung. Es hiess eine Beschwerde des Unfallfahrers zum Teil gut.
  • Bereits das Obergericht hatte mit seinem Urteil das Strafmass nach unten korrigiert. Das Bezirksgericht hatte noch 11 Jahre Gefängnis angeordnet.
  • Beim Unfall im November 2014 kamen zwei Personen ums Leben, drei wurden schwer verletzt. Der Unfallverursacher prallte beim Überholen im Nebel frontal in ein entgegenkommendes Auto.
Beleuchtete Unfallstelle in der Nacht.
Legende: Zwei Tote und drei Schwerverletze: Die Polizei sprach von einem «unnötigen Überholmanöver mit schrecklichen Folgen». ZVG/Kantonspolizei Aargau

In der Nacht auf Sonntag, 2. November 2014, überholte ein Autofahrer zwischen Schafisheim und Seon zwei Autos. Der damals 30-Jährige überholte trotz Nebel und Sicherheitslinie in einer Kurve. Dort prallte er mit hoher Geschwindigkeit in ein entgegenkommendes Auto, in welchem zwei Ehepaare sassen. Der Fahrer und eine Passagierin verstarben auf der Unfallstelle. Die beiden weiteren Insassen sowie der Unfallverursacher wurden schwer verletzt.

Ein Gutachten zeigte später vor Gericht, dass der Unfallfahrer mit 130 Kilometern pro Stunde unterwegs war anstatt der erlaubten 80.

Das Bezirksgericht Lenzburg verurteilte den Unfallfahrer wegen mehrfacher eventualvorsätzlicher Tötung, mehrfacher eventualvorsätzlicher schwerer Körperverletzung sowie wegen qualifizierter grober Verkehrsverletzung. Das Strafmass: elf Jahre Gefängnis. Die nächste Instanz, das Aargauer Obergericht, reduzierte die Strafe auf acht Jahre.

Kein Raserrennen

Das Bundesgericht befand nun, auch diese Strafe sei zu hoch. Es bestätigt zwar die Schuldsprüche, verlangt aber vom Obergericht ein tieferes Strafmass. Im Vergleich mit ähnlichen Fällen seien acht Jahre Gefängnis zu viel. Das Verschulden des Angeklagten sei geringer, als wenn sich der Unfall bei einer Raserfahrt oder einem Rennen ereignet hätte.

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50 Kommentare

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  • Kommentar von Heidy Rüegg (heidy70)
    Sie haben wohl den Text nicht gelesen. Mit 130kmh statt der erlaubten 80kmh, schlechte Sicht wegen Nebel. Für mich hat dieser Mann 2 Menschen getötet, und 2 Personen verletzt mit seinem Auto als Waffe. Bei schlechter Sicht mit 130kmh, und noch die Sicherheitslinie überfahren, das ist für mich ein Verbrecher. Wie viel ist denn ein Menschenleben Wert, das höchste Gut das wir haben. Solche Richter müssen sofort gehen.
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  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    Abseits der Tragik eines solchen Unfalls finde ich es trotzdem gut, dass Richter und nicht der Volksmob mittels absurden, mittelalterlichen Erlassen wie Via Secura zu entscheiden haben. Viele Schweizer sind noch immer der Meinung sie können das Leben 100% sicher machen, man bräuchte dazu nur genügend Gesetze, Verbote und hohe Strafen. Das ist aber nicht der Fall. Das Leben an sich ist ein Risiko. Und das kann man (hoffentlich) nicht verbieten!
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  • Kommentar von M. Keller (MK)
    Absolut unverständlich. Nur zur Erinnerung; es sind hier zwei Menschen gestorben. Und die zuständigen Gerichte streiten um die Reduzierung vom Strafmass. Es sind alles 'mündige' Bürger und wissen was Sie tun oder eben nicht tun. Anscheinend ist dies aber zweitrangig. Wenn man 'den Fall' jeweils bis ans Bundesgericht weiter zieht, besteht die Möglichkeit der Straffreiheit. Dies ist einfach Kuscheljustiz und hat absolut nichts mit Gerechtigkeit zu tun !!! Und dies in einem Land wie der Schweiz.
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    1. Antwort von Tom Duran (Tom Duran)
      Wir leben aber in einem Rechtsystem in dem jeder Mensch seine Rechte hat. Und das ist gut so. Sonst würden viel Schweizer zurück ins Mittelalter fallen und mit Heugabeln und Fackeln ihre ach so bösen Mitmenschen jagen. Richter sind hoch ausgebildete Personen und ich finde man sollte ihnen trauen können. Was mit von einem Volksmob erlassen Schikanen wie Via Secura rauskommt ist schockierend: die meisten "Straftaten" sind mittlerweile von Autofahrern begangen worden. DAS ist absurd!
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