FC Wohlen: Sanieren Ja – «verschachern» Nein

Der FC Wohlen hat die Finanzen saniert und strukturell einen Schritt in Richtung Professionalität getan. Gleichzeitig lässt der Challenge-League-Klub abklären, ob ein Verkauf der Profilizenz möglich wäre.

Schneebedecktes Plakat des FC Wohlen im Stadion Niedermatten.

Bildlegende: Andreas Wyder gibt sich optimistisch für die Rückrunde: Im Moment kann in der Niedermatte aber nicht gespielt werden. Keystone

Was der FC Wohlen diese Woche kommuniziert hat, ist verwirrend. Einerseits konnten die Finanzen durch eine Aufstockung des Aktienkapitals saniert werden. Mit der Schaffung einer vollamtlichen Geschäftsstelle per Juni dieses Jahres signalisiert der Neunte der Challenge League zudem eine Art von Aufbruchstimmung in eine prosperierende Zukunft.

Nicht in dieses Bild passt die offizielle Anfrage des FC Wohlen an den Schweizerischen Fussballverband, ob und unter welchen Umständen der Verkauf der Profilizenz an einen Dritten möglich wäre. Aber: «Niemand hat die Absicht, den Profibetrieb des Vereins zu veräussern».

« Niemand hat die Absicht, den Profibetrieb des Vereins zu veräussern. »

Diese Aussage macht FC-Wohlen-Präsident Andreas Wyder gegenüber Radio SRF. «Einen solchen Deal kann man aber in keinem Unternehmen, das als AG organisiert ist, ausschliessen».

Sollte der FC Wohlen tatsächlich einmal in die Lage kommen, seine AG oder einen Teil davon zu veräussern, wäre der Verein als solcher sicher nicht gefährdet. «Die Konsequenz wäre höchstens die Einstellung des Profibetriebes der FC Wohlen AG», sagt Wyder.

«Trainerverschleiss» drückt auf Rechnung

Amateurfussball und Nachwuchsabteilungen des Vereines FC Wohlen 1902 wären von einem solchen Schritt nicht betroffen. Dass der FC Wohlen überhaupt mit einer Veräusserung des Profibetriebes «flirtet», habe mit der prekären finanziellen Situation zu tun, in welcher sich der Verein in jüngster Vergangenheit befand.

Unter anderen habe sich der «Trainerverschleiss» negativ auf die Rechnung ausgewirkt.  Wohlen hat sich in den vergangenen zwei Saisons frühzeitig von drei Trainern getrennt (Livio Bordoli, Urs Schönenberger, Adrian Kunz).

An der letzten GV wurde ein Verlust von 130 000 Franken ausgewiesen. Das sei verkraftbar, «aber wir wollen nie in die Situation geraten, die Löhne nicht mehr bezahlen zu können, wie das in anderen Vereinen der Fall ist, weder jetzt noch in Zukunft», gibt Andreas Wyder unmissverständlich zu verstehen.

Sportliches Ziel: Ligaerhalt

Im sportlichen Bereich soll der Ligaerhalt zu einem möglichst frühen Zeitpunkt gesichert werden. Mit der Arbeit von Trainer David Sesa ist man in Wohlen soweit zufrieden. Es sei seine erste Stelle als Trainer bei einem Profiverein und entsprechend befinde er sich in einem Lernprozess. Andreas Wyder ist überzeugt, dass in der Rückrunde auch die Resultate stimmen werden.

Der FC Wohlen

David Sesa nachdenklich auf der Trainerbank.

Der aktuelle Wohlen-Trainer David Sesa. Keystone

Der Fussballclub wurde 1904 gegründet. Seit dem Jahr 2000 spielt die erste Mannschaft in der zweithöchsten Liga der Schweiz, der Challenge League. Aktuell belegt sie in der Meisterschaft den 9. Rang. Der FC Wohlen betreibt daneben 20 Juniormannschaften und verfügt damit nach eigenen Angaben über die grösste Nachwuchsabteilung im Kanton