Fislisbach: Verspätete Ambulanz wegen eines Missgeschicks?

23 Minuten dauerte es am Dienstag, bis eine Ambulanz in Fislisbach eintraf. Eine ältere Frau, die Hilfe benötigte, war in der Zwischenzeit gestorben. Die Einsatzleitstelle des Kantons Aargau gibt nun einem Rettungssanitäter die Schuld. Er habe versehentlich eine falsche Statusmeldung durchgegeben.

Bildausschnitt eines Ambulanzfahrzeugs.

Bildlegende: Das Ambulanzfahrzeug traf zwar nach 23 Minuten in Fislisbach ein, für die Frau kam aber jede Hilfe zu spät (Symbolbild). Keystone

Eigentlich liegt Fislisbach nur einen Katzensprung vom Kantonsspital Baden entfernt. Als am Dienstag eine Frau zusammenbrach, dauerte es aber lange 23 Minuten, bis eine Ambulanz eintraf. Diese kam nämlich nicht aus Baden, sondern aus Aarau.

Nun hat die Einsatzleitstelle des Kantons Aargau informiert, warum sie nicht – wie sonst grundsätzlich üblich - die nächstgelegene Ambulanz nach Fislisbach geschickt hat. Einem Rettungssanitäter sei offenbar ein Fehler unterlaufen, heisst es.

Bedienfehler im Rettungswagen

Die Rettungssanitäter müssen im Rettungswagen in einem elektronischen System eingeben, wo sie sich befinden, und ob sie einsatzbereit sind. Aus der fraglichen Ambulanz wurde am Dienstag der Leitstelle die Meldung geschickt, sie sei «stationiert in Baden». In Wahrheit stand sie aber eben in Aarau.

Die Einsatzleitstelle geht von einem «Bedienfehler» aus, dass nämlich der Rettungssanitäter versehentlich die falsche Statusmeldung eingegeben hat. Nachdem das Team nicht zum erwarteten Zeitpunkt in Fislisbach eintraf, hat die Leitstelle einen GPS-Check vorgenommen und den Fehler bemerkt. Um eine andere Ambulanz aufzubieten, war es dann aber bereits zu spät, sie wäre nicht mehr schneller in Fislisbach angekommen.

«  Wenn wir wirklich etwas an der Situation verbessern können, werden wir dies machen. »

Thomas Kamber
Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes

Das Kantonsspital Baden und die Einsatzleitstelle des Kantons Aargau prüfen nun, was für Lehren sie aus dem Fall ziehen können. Obschon es derzeit nach einem tragischen Einzelfall aussieht, verspricht Thomas Kamber, der ärztliche Leiter der Leitstelle: «Wenn wir wirklich etwas an der Situation verbessern können, werden wir dies machen.»

Die Ambulanzen im Kanton Aargau leisten jährlich 40‘000 Einsätze. Ein Fehler wie in Fislisbach sei ihm bislang nicht bekannt, sagt Thomas Kamber dem Regionaljournal Aargau Solothurn von Schweizer Radio SRF.

Fricktal und Freiamt müssen lange warten

Video «Mit der Ambulanz unterwegs - Echte Notfälle werden selten» abspielen

Mit der Ambulanz unterwegs - Echte Notfälle werden selten

8:21 min, aus Puls vom 14.1.2013

Der Kanton Aargau fordert von den Rettungsdiensten, dass in 80 Prozent der Notfalleinsätze innerhalb von 15 Minuten ein Rettungswagen vor Ort ist. In 20 Prozent der Fälle kann dies demnach länger als 15 Minuten dauern. «Der Westteil des Fricktals oder der Süden des Freiamts sind schwierig zu erreichen in 15 Minuten», sagt Thomas Kamber. Dort könne es auch ein paar Minuten länger dauern, bis eine Ambulanz eintreffe.

Die kantonalen Vorgaben werden von den Aargauer Lebensrettern eingehalten. Dass ein Rettungswagen 23 Minuten braucht, um nach Fislisbach zu gelangen, bleibt indessen aussergewöhnlich.

Nicht selber fahren

Im Fall Fislisbach hätten auch anwesende Helfer die Frau ins nahegelegene Spital fahren können. Thomas Kamber vom Rettungsdienst rät jedoch von solchen Hilfeleistungen ab. «Im vorliegenden Fall hätte dies nichts gebracht», sagt Kamber. «Es ist besser wenn die Menschen aktiv vor Ort helfen und in der Nothilfe auf dem neuesten Stand sind», erklärt er weiter. In Fislisbach war nach kurzer Zeit ein Arzt vor Ort. Auch dieser konnte jedoch nicht mehr helfen.