Flughafen Grenchen: «Wir wollten nichts verstecken»

Der Flughafen Grenchen muss eine längere Flugpiste haben. Auch darum, weil seit 2008 neue Normen gelten. Tatsache ist: Diese Normen gelten schon seit 1997, wie Aviatik-Experte Peter Brotschi herausfand. Der Flughafen spricht nicht von einem Fehler, bedauert aber das Missverständnis.

Blick auf den Tower und die Start- und Landepiste, dort steht ein Kleinflugzeug.

Bildlegende: Der Flughafen Grenchen möchte seine Piste von 1000 auf 1450 Meter verlängern. SRF

Eine falsche Zahl hat den Flughafen Grenchen und die geplante Pistenverlängerung in ein schiefes Licht gerückt. Es geht um die Zahl 2008. Seit diesem Jahr gelten neue Normen. Auch das sei ein Grund, weshalb eine Verlängerung nötig sei. Das hat der Flughafen so gemeldet. Das stimmt so aber nicht ganz.

Grenchen möchte eine längere Flugpiste haben

Blick auf eine Wiese, im Hintergrund der Jura.

Bildlegende: Hier, am Ost-Ende der Flughafenpiste, möchte der Flughafen die Piste verlängern. SRF

Die Vorgeschichte: Das Projekt für eine Pistenverlängerung ist seit kurzem wieder auf dem Tapet, der Solothurner Regierungsrat und Baudirektor Roland Fürst will Anfangs 2015 einen Entscheid fällen, ob die Piste im Westen, im Osten oder gar nicht verlängert wird.

Zuletzt sprach der Flughafen von neuen Normen, die seit 2008 gelten. Fakt ist aber: Die Normen, welche die Pistenverlängerung betreffen, gelte bereits seit 1997. Damals schlossen sich 37 europäische Länder zusammen und reformierten die bestehenden Normen, welche damals auch die Schweiz ins Gesetz übernahm.

Darin steht auch, dass ein Flugzeug im gewerblichen Betrieb ab einem bestimmten Gewicht eine längere Flugpiste benötigt, zum Starten und Landen. Für Grenchen heisst das: Gewisse Flugzeuge können nicht vollgetankt oder mit mehreren Passagieren landen. Betroffen davon ist der gewerbliche Flugbetrieb, vor allem sogenannte Flugtaxis.

Das Argument «neue Normen» stimme so nicht ganz, findet Aviatik-Experte und Kantonsratspräsiden Peter Brotschi. Er hat sich beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) infomiert und den Irrtum betreffend Jahreszahl herausgefunden, wie die Solothurner Zeitung berichtet.

Brotschi: Auswirkungen des Vorfalls unklar

Dieser Vorfall verändert aber sein Bild von der geplanten Pistenverlängerung aber nicht. Auf die Frage, was denn nun die Folgen sein könnten, meint er: «Ob dieser Irrtum jetzt Auswirkungen hat auf das geplante Projekt, das kann ich nicht sagen.»

Beim Flughafen Grenchen bedauert man den Vorfall, spricht aber nicht von einem Fehler, erklärt Charles Riesen, Kommunikations- und Projektberater Flughafen Grenchen, gegenüber dem Regionaljournal Aargau Solothurn. Aber:

«  Ich habe vollstes Verständnis, dass da Zweifel aufgekommen sind. Wir wollten aber nichts verstecken, wir haben einfach das neuste Dokument zitiert, und das stammt aus dem Jahre 2008». »

Charles Riesen
Kommunikations- und Projektberater Flughafen Grenchen

Man hätte das anders angehen können, gibt er zu. Charles Riesen geht aber nicht davon aus, dass nun jemand deswegen das Projekt abschiessen will. «Wer sich intensiv mit dem Thema befasst, nimmt diesen Vorfall nicht als Grund, um dem Flughafen Grenchen nicht zu glauben.»

Ausserdem gehe es bei der Pistenverlängerung nicht einzig um die veränderten Normen, sondern auch darum, die Geschäftsfliegerein in Grenchen etablieren zu können. Auch dafür braucht es eine längere Piste.