Flugzeugabsturz Würenlingen: Opfer-Angehörige fordern Antworten

René Spahr hat beim Flugzeugabsturz in Würenlingen 1970 seine Tante verloren. In der Maschine war eine Bombe explodiert. Wie nun bekannt wurde, soll 1970 ein Stillhalteabkommen zwischen der Schweiz und der PLO eine Verfolgung der Attentäter verhindert haben.

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Opfer-Angehörige fordern Antworten

7:01 min, aus Schweiz aktuell vom 25.1.2016

René Spahrs Tante war als Flugbegleiterin an Board des Flugzeugs, das nach einer Bombenexplosion 1970 über Würenlingen abstürzte. Zu einem Prozess gegen die Verantwortlichen des Attentats ist es nie gekommen – der Grund dafür war offenbar ein Geheimabkommen zwischen dem damaligen Bundesrat Pierre Graber und der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO).

Für die Angehörigen der Opfer ist das unverständlich. Seine Grosseltern hätten sich vom Schock, ihre Tochter verloren zu haben, nie mehr erholt, sagt Spahr. Nach den neusten Enthüllungen zum Geheimabkommen fordert er deshalb, dass jetzt offen gelegt wird, was genau damals passierte.

Ziegler hat 46 Jahre lang geschwiegen

Er trifft dazu auf den ehemaligen SP-Nationalrat und emeritierten Soziologieprofessor Jean Ziegler. Dieser hatte den Kontakt zwischen Bundesrat Graber und der PLO vermittelt, doch hatte darüber bis vor kurzem kein Wort verloren. Spahr will von Ziegler wissen, warum «dieser Massenmord als Teil eines Deals» akzeptiert worden sei.

«Ich war überzeugt – und bin es bis heute –, dass es unmoralisch ist, wenn die Bundesanwaltschaft keine Anklage erhebt», antwortet Ziegler. Doch der Entscheid, keinen Prozess gegen die Attentäter durchzuführen, sei die einzige Möglichkeit gewesen, neues Unheil von der Schweiz abzuwenden. Dies vor dem Hintergrund, dass die PLO wenige Monate nach dem Absturz ein Flugzeug der Swissair nach Jordanien entführte und 125 Personen als Geiseln nahm. «In Bern herrschte Panik», sagt Ziegler.

René Spahr will sich damit nicht zufrieden geben. Er verlangt vom Bundesrat, aufzuklären, wer für den Anschlag die Verantwortung trägt. «Seit 46 Jahren herrscht gegenüber den Opfer und Angehörigen grosses Schweigen», sagt Spahr. «Es ist klar, wer jetzt antworten muss.»