Gewerbeverband sagt den Aargauer Hofläden den Kampf an

Der Aargauische Gewerbeverband fordert die Abschaffung von Sonderregelungen für Hofläden. Das Gebaren vieler Bauern sei wettbewerbsverzerrend, das Gewerbe habe Nachteile. Der Bauernverband kontert die Vorwürfe.

Eine Frau präsentiert Kartoffeln in einem mit Produkten voll gestopften Hofladen.

Bildlegende: Hofläden mit breitem Sortiment auch von Grosshändlern sind dem Aargauer Gewerbeverband ein Dorn im Auge. Colourbox

Ein Bauernhof im Ruedertal verkauft seine Produkte nicht nur auf dem eigenen Hof, sondern auch noch in mehreren Verkaufsstellen wie Dorfläden und Restaurants. Ein Aarauer Bauer bietet für seine hausgemachte Glacé auch einen Hauslieferdienst an. Verschiedene Bauern verkaufen ihre Produkte auch im Internet. Und: Sie verkaufen nicht nur eigene Produkte, sondern auch Produkte aus dem Grosshandel.

Solche Beispiele listet der Aargauische Gewerbeverband in einer Medienmitteilung vom Donnerstag auf. Diese Art von Hofläden gehen für den Gewerbverbands-Geschäftsführer Herbert Scholl zu weit: «Die Bauern profitieren von Direktzahlungen, sie haben weniger Einschränkungen für ihre Tätigkeiten in der Landwirtschaftszone und sie werden darüber hinaus weniger streng kontrolliert als das Gewerbe. Das heisst: Sie haben die längeren Spiesse als der gewerbliche Detailhandel.»

Produkte vom Hof auf dem Hof verkaufen

Scholl fordert im Gespräch mit Radio SRF deshalb strengere Auflagen für Hofläden. «Hofläden sollen Produkte vom eigenen Hof auf dem eigenen Hof verkaufen dürfen, dagegen haben wir nichts.» Sogenannte «Besenbeizen» und Hotel-Angebote auf Bauernhöfen allerdings will der Gewerbeverband verboten haben.

Solche Forderungen lösen beim Präsidenten des Aargauer Bauernverbandes, Alois Huber, Kopfschütteln aus: «Der Gewerbeverband macht aus einer Mücke einen Elefanten», erklärt Huber gegenüber dem Regionaljournal am Freitagmorgen. Tatsächlich gebe es einige Bauern, die die Direktvermarktung stark ausgebaut hätten. «Die meisten dieser Bauern gründen dafür aber separate Firmen. Damit unterstehen sie automatisch denselben Gesetzen wie andere Gewerbebetriebe.»

Einzelne schwarze Schafe unter den Bauern

Auch Bauernhöfe und Hofläden würden von den Behörden streng kontrolliert, betont Huber. Vor allem aber würden die meisten Bauern sowieso nur im kleinen Rahmen von ihren Hofläden profitieren: «Die Umsätze sind zu klein, als dass solche Hofläden eine ernsthafte Konkurrenz für das Gewerbe darstellen.»

Alois Huber bedauert es, dass der Gewerbeverband nicht früher das Gespräch gesucht habe. «Ich zeige den Verantwortlichen gerne meinen Hof und meinen Hofladen». Er gibt aber auch zu: «Natürlich gibt es einige schwarze Schafe unter den Bauern, die die Regelungen etwas strapazieren. Aber wahrscheinlich gibt es schwarze Schafe auch beim Gewerbe.»