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Aargau Solothurn Greenpeace-Aktivisten geben Protest beim AKW Beznau auf

Dutzende Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace sind am Mittwoch auf das Gelände des Atomkraftwerks Beznau in Döttingen/AG vorgedrungen. Sie forderten die sofortige Stilllegung des 45-jährigen AKW. Am Abend haben alle Aktivisten das Gelände geräumt.

Legende: Video Greenpeace stürmt AKW Beznau abspielen. Laufzeit 02:30 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 05.03.2014.

Gegen 100 Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace sind am Mittwochmorgen auf das Gelände des Atomkraftwerks Beznau in Döttingen/AG vorgedrungen. Sie fordern eine sofortige Stilllegung des Atomkraftwerks. Es bestünden Sicherheitsdefizite.

Forderung nach «The End»

Die Aktivisten stammen laut Greenpeace aus der Schweiz und acht weiteren europäischen Ländern. Sie hätten zahlreiche Banner mit der Aufschrift «The End» an verschiedenen Stellen der Anlage entrollt.

Das AKW Beznau ist 45 Jahre alt und damit weltweit eines der ältesten Atomkraftwerke, die noch in Betrieb sind. Allein deshalb müsse es sofort stillgelegt werden, fordert die Umweltorganisation. Die Sicherheitsdefizite seien nicht mehr zumutbar und stellten für die Bevölkerung eine Gefahr dar, hält Greenpeace fest.

Polizei nimmt die Personalien auf

Die Aargauer Kantonspolizei bemühte sich nach eigenen Angaben, die Aktion durch Gespräche mit den Aktivisten zu beenden. Man stehe mit Unterstützung durch die Regionalpolizei und das Grenzwachtkorps im Einsatz, sagte Polizeisprecher Roland Pfister.

«Wir haben Erfahrungen mit Aktivisten», betonte Pfister. Das Ziel sei, dass die Situation in einer ruhigen Art und Weise bereinigt werden könne. Die nach Angaben der Polizei «mehrere Dutzend» Aktivisten verhielten sich korrekt.

Bis am Mittag nahm die Polizei von rund 40 der Aktivisten die Personalien auf, woraufhin diese Personen das AKW-Gelände verliessen. Gegen Abend gaben dann immer mehr Eindringliche ihren Protest auf und sitegen freiwillig von den Dächern der Gebäude. Weitere Aktivisten würden mit einem Spezialkran der Feuerwehr heruntergeholt, sagte Polizeisprecher Pfister am frühen Abend. Alles verlaufe ruhig.

Unter den Aktivisten war auch Marco Weber, der in Russland im Gefängnis sass. Er hatte 2013 versucht, eine Ölplattform des russischen Energiekonzerns Gazprom zu besteigen. Er muss zusammen mit den anderen Aktivisten von Döttingen nun mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruchs rechnen.

Eindringen war kein Problem

Es sei sehr einfach gewesen, auf das Gelände des AKW Beznau vorzudringen, sagte der Chef von Greenpeace Schweiz, Kaspar Schuler, gegenüber SRF. «Unsere Aktivisten konnten praktisch ungehindert hineinspazieren.»

Von der Beznau-Betreiberin Axpo hiess es, die Eindringlinge seien nur in Zonen gelangt, die aus sicherheitstechnischer Sicht unbedenklich seien. Insofern gebe es kein Bewachungsdefizit beim AKW. Und auch bei der Nuklear-Aufsichtsbehörde Ensi geht man davon aus, dass die kerntechnisch relevanten Bereiche des Atomkraftwerks ausreichend geschützt sind. Trotzdem müsse noch abgeklärt werden, ob der Schutz im aktuellen Fall genügend war.

Aktion am Abend beendet

Die Aargauer Kantonspolizei konnte ihren Einsatz beim AKW Beznau um 19.15 beenden. Zu diesem Zeitpunkt waren alle Aktivisten abgezogen. Man habe einzelne Personen mit einem Kran bergen müssen, so Polizeisprecher Roland Pfister in einer Mitteilung. Diese Aktivisten hätten sich aber nicht dagegen gewehrt.

AKW soll «länger als 50 Jahre» in Betrieb sein

Der Energiekonzern Axpo, Betreiber des AKW Beznau, investiert in den kommenden Monaten und Jahren rund 700 Millionen Franken in die Sicherheit der Reaktoren. Das AKW soll dank der dauernden Nachrüstung gemäss Axpo «länger als 50 Jahre» am Netz sein.

Kritische Studie

Die Forderung von Greenpeace stützt sich auf eine kürzlich veröffentlichte Studie: Die AKW Beznau und Mühleberg, konzipiert und erbaut in den 1960er- und 70er-Jahren, seien weit entfernt vom heutigen Stand von Wissenschaft und Technik.

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63 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    Unser heutiger Lebensstil fusst in jeder Beziehung auf Raubbau und Kosten an unserer eigenen Art/Mitkreaturen und irdischen Ressourcen. Jede(r) von uns steht mit in der Verantwortung. Alle wollen wir es uns möglichst zum Nulltarif gut gehen lassen. Wir alle, ausser ein paar als primitiv belächelte zurückgebliebene Naturvölkchen, leben auf Basis von billiger arbeits Exploitation, Naturvorschüssen und $-Krediten. Niemand hat die Absicht, es je zurückzubezahlen. Arme Kinder und Enkel.
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  • Kommentar von R.käser, Zürich
    Hoffen wir, dass das Schicksal unseren bescheidenen Willen zum Umsetzen der Inovationskraft und die Lust am rücksichtslosen billigen Energiekonsum nicht bestraft. Die Menschen in Fukoshima und Tschernobyl haben die zweite Dimension der ökonomisch so reizvollen Kernenergie erfahren. Sie haben Ihre Heimat für Generationen verloren und hinterlassen ein sträfliches Erbe. Es ist pietätlos, dass die Menschen dieser Welt noch einige solcher Ereignisse brauchen um daran zu reifen.
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  • Kommentar von H.G.Graf, Zuzwil
    Den Beweis, dass keinerlei relevante Strahlung vom AKW ausgeht, liefern die Aktivisten gleich selber.
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