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Aargau Solothurn Grenchen: Tangiert verlängerte Flugpiste nun doch die Schutzzone?

Jahrelange Planung und doch kein Ende in Sicht: Die Verlängerung der Flugpiste beim Flughafen Grenchen zieht sich einmal mehr in die Länge. Nun schwenkt der Regierungsrat nochmals um und liebäugelt wieder mit einer Ost-Variante, welche das Schutzgebiet Witi tangiert. Die Gegner laufen Sturm.

Flughafengebäude
Legende: Das Hin und Her um den Flughafen Grenchen geht weiter - Regierungsrat ist nun für Ost-Variante. www.so.ch

Bei der Planung zur Pistenverlängerung beim Flughafen Grenchen kann man schnell einmal die Übersicht verlieren. 2009 nahm der Kanton Solothurn zusammen mit dem Bundesamt für Zivilluftfahrt die Planungen auf für eine Pistenverlängerung Richtung Osten. Also dorthin, wo das Schutzgebiet der Witi liegt und die ehemalige Storchensiedlung Altreu steht.

Die ausgelöste heftige Kontroverse führte dazu, dass der Kanton umschwenkte auf einen Ausbau in Richtung Westen. Nun hat der Regierungsrat den Kurs noch einmal geändert.

«Umweltverträglicher Ausbau»

Aktuell liebäugelt der Regierungsrat eher wieder mit einer Ost-Variante, einer neuen. Sie soll umweltverträglicher sein, weil weniger Fläche verbaut wird und weniger Zaun nötig sei, erklärt Baudirektor und Regierungsrat Roland Fürst.

Ein Ausbau ist aus Sicht des Flughafens nötig: Zum einen weil man so den Flughafen Grenchen für die Geschäfts-Fliegerei attraktiver machen könne, sagte Fürst. Zum anderen weil die bestehende Piste aufgrund neuer Sicherheitsvorschriften nicht mehr auf der gesamten Länge genützt werden kann.

2008 wurden die EU-Sicherheitsbestimmungen entsprechend geändert. Deshalb will der Flughafen Grenchen die bestehende Piste von 1000 Metern auf 1450 Meter ausbauen, um die Piste wieder normal befahren zu können.

West-Varianten: zu teuer und raumplanerisch unzweckmässig

Die beiden vorhandenen West-Varianten seien hingegen eher unrealistisch, erklärt Regierungsrat Roland Fürst gegenüber dem Regionaljournal. Die eine sei zu teuer, weil die Piste über eine Kantonsstrasse führen würde und die Strasse deshalb unter dem Boden hindurch geführt werden müsste.

Bei der anderen Variante müsste die Kantonsstrasse um die Piste herum führen und damit verlegt werden. «Das ist raumplanerisch unzweckmässig», erklärt Bernard Staub, Leiter des Amtes für Raumplanung. Viel Land würde «zerschnitten» und damit praktisch unbrauchbar.

Tatsache ist auch, dass der Kanton bei dieser Variante mitzahlen müsste, was angesichts der aktuellen Finanzlage schwierig ist. Deshalb hat der Regierungsrat an seiner Sitzung vom Dienstag beschlossen, von den beiden West-Varianten wegzukommen. Und wie geht es nun weiter?

Variante Ost - kein Zurück auf Feld 1

Baudirektor Roland Fürst macht klar, dass er das Feld nochmals öffnen möchte für alle Varianten, besonders aber für die neue Variante im Osten. Es sei kein «Zurück auf Feld 1», aber man wolle nochmals überlegen, welche Variante nun wirklich die Beste sei. Anfang nächsten Jahres wolle man dann beim Bund anmelden, welche Variante die Beste ist – und mit der Projektplanung konkret beginnen.

Im Interview mit Radio SRF lässt Fürst aber durchblicken, dass es vielleicht auch gar keinen Ausbau geben könnte. «Abbrechen kann man, wenn die Entscheidungsgrundlagen dies verlangen. Aber dafür muss man diese sauber ausarbeiten», so Fürst.

Fazit: Der Regierungsrat zeigt sich offen, das Thema der Pistenverlängerung nochmals neu zu diskutieren. Allerdings macht er gleich klar, dass die West-Varianten schwierig umzusetzen sind – und dass der Kanton kein Geld lockermachen will und kann.

Widerstand ist bereits da

Gegen die neue Ost-Variante der Pistenverlängerung regt sich schon Widerstand, zum Beispiel in der Gemeinde Selzach, welche zusätzlichen Fluglärm befürchtet. «Die jetzige Schlacht haben wir verloren, aber den Krieg werden wir gewinnen», sagt Gemeindepräsidentin Silvia Spycher.

Sie und die Gemeinde würden sich wehren gegen dieses Projekt. Auch deshalb, weil sie sich um die Störche sorgt, welche seit Jahren in der Witi-Schutzzone leben. Dort, wo früher die Storchensiedlung Altreu war.

Unverständlich ist für sie auch, wie man 2002 einen Tunnel für die A5 bauen und so die Witi-Zone schützen konnte, und nun «baut man dort eine Piste hinein», so Spycher. Das sei nicht logisch. Es gehe nur ums Geld, weil die West-Variante teurer sei, vermutet sie.

West oder Ost – das ist Nicole Hirt von Pro Natura Solothurn egal. Die Witi-Schutzzone gelte nicht nur für die Ost-Seite der Flughafenpiste, sondern auch für die West-Seite. «Wir sind eher skeptisch, was Ausbau grundsätzlich angeht», erklärt sie und macht keinen Hehl daraus, dass Pro Natura Solothurn lieber keinen Ausbau haben möchte.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von T. Brudermann, Selzach
    Es ist schon schade, wird in den ganzen Berichten nirgends erwähnt, dass bei einer Pistenverlängerung Richtung Osten nebst der Witischutzzone und der Tiere auch die Lebensqualität der Einwohner von Altreu stark beeinträchtigt wird. Offenbar werden in der Solothurner Regierung nur noch wirtschaftliche Interessen berücksichtigt! Der Regierungsrat findet es ja nicht einmal für nötig, die Fragen (seit 2009) der betroffenen Bevölkerung zu beantworten...
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  • Kommentar von Th. Widmer, Basel
    Ohje und auf der anderen Seite wird nichts gegen Marode AKW getan... Unglaublich...
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