Grenchner Ausstellung lockt mit 100'000 Gratis-Eintritten

Die Familienmesse Mia kostet neu Eintritt. Erwachsene zahlen zehn Franken. «Das ist ein Grund für mich, dass ich nicht mehr hingehe, das bin ich nicht bereit zu zahlen», sagt eine Grenchnerin. Zumindest dieses Jahr kann sie wohl trotzdem hingehen. Denn die Messe streut haufenweise Gratis-Eintritte.

Flugblätter mit der Aufschrift: Mia - Gratiseintritt

Bildlegende: Eigentlich verlangt die Mia dieses Jahr erstmals Eintritt. Eigentlich... SRF / Marco Jaggi

Das Mittelland wird mit Gratiseintritten für die Grenchner Messe Mia geschwemmt.100'000 Billette lässt die Mia derzeit über ihre Aussteller verteilen.

Messe-Organisator Sandro Keller bezeichnet die Aktion als «weichen Übergang». Nachdem die Mia 27 Jahre lang gratis war, will er die Besucher möglichst sanft daran gewöhnen, dass sie künftig für die Traditionsmesse bezahlen müssen.

Die 100'000 Gratiseintritte sind weit mehr, als die Mia normalerweise Besucher hat. Deshalb rechnet Organisator Sandro Keller damit, dass 2016 noch niemand für den Eintritt bezahlen wird. Er habe null Franken Ticket-Einnahmen budgetiert, sagte er am Mittwoch bei der Präsentation des Messe-Programms in Grenchen.

Zahlende Besucher sind interessierter

Künftig aber sollen die Eintritte eine wichtige Einnahmequelle der Messe sein, neben den Sponsorengeldern und den Standgebühren der Aussteller. Keller nennt drei Gründe, weshalb neu Eintritt verlangt wird:

  1. Eine Firma, die an einer Messe einen Stand betreibt, will heute genau wissen, wieviele und welche Personen sie damit erreicht. Ist der Eintritt gratis, lässt sich das nicht genau eruieren.
  2. Die Besucherqualität kann gesteigert werden. Wer Eintritt zahlt, ist wirklich interessiert am Gebotenen. Das ist den Ausstellern lieber als Horden von Jugendlichen, die einfach nur an allen Ständen Gratismüsterli einsammeln.
  3. Das aufwändige Erlebnis-Programm mit abendlichen Konzerten und Attraktionen für Kinder lässt sich nicht mehr finanzieren.

«Längerfristig sind regionale Messen darauf angewiesen, dass Eintritt verlangt wird», ist Sandro Keller überzeugt. Er organisiert mit seiner Event-Firma neben der Mia auch die Thurgauer Frühjahrsmesse.

Kinobesuch kostet mehr

Eine Strassenumfrage in Grenchen zeigt: Die Meinungen sind sehr unterschiedlich. «Es ist ja nichts mehr gratis», meinen einige und zeigen Verständnis dafür, dass die Mia – wie übrigens auch die Aargauer Messe Ama – Eintritt verlangt. Andere finden den Betrag zu hoch: «Die Hälfte wäre in Ordnung».

Erwachsene zahlen 10 Franken, Jugendliche 6 Franken, Kinder bis 12 Jahre sind gratis. Messe-Organisator Sandro Keller findet 10 Franken nicht zuviel. Viele Fachmessen würden mehr verlangen. Auch ein Kinobesuch koste mehr, der Film dauere dann aber weniger lang als ein erlebnisreicher Besuch an der Mia.

Die Mia findet vom 25. bis 29. Mai im und vor dem Velodrome Grenchen statt.

Sonderfall Heso

Die Solothurner Herbstmesse ist gratis. Das werde jedes Jahr diskutiert, sagt Präsident Urs Unterlerchner auf Anfrage. Im Gegensatz zu Profi-Veranstaltern sei die Heso aber in der komfortablen Lage, nicht Gewinn erwirtschaften zu müssen. Deshalb habe man bislang auf Eintrittsgeld verzichtet. Zudem ginge damit der Charakter der Heso verloren.