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Aargau Solothurn Grenchner Präzisionstechnik-Betrieb ist konkurs

Am Freitag teilte die Michel Präzisionstechnik AG in Grenchen mit, dass sie den Betrieb per sofort geschlossen hat. Das Unternehmen konnte nach eigenen Angaben «dem Druck des internationalen Marktes nach Aufhebung des Euro-Mindestkurses nicht mehr standhalten». Die Bilanz sei deponiert, hiess es.

Die Michel Präzisionstechnik AG in Grenchen hat Konkurs angemeldet, die Bilanz ist hinterlegt. «Die Firma ist nicht mehr Herr der Lage, jetzt ist das Konkursamt am Zug», erklärt Verwaltungsrats-Präsident Konrad Beck dem Regionaljournal. Und: Es gibt keine Mittel für einen Sozialplan, heisst es beim Zulieferer für Komponenten der Autoindustrie. Man habe die Gewerkschaft Unia informiert.

Die Löhne bis Ende Oktober seien bezahlt worden. «Da die Insolvenzentschädigung sowie das Arbeitslosentaggeld erst ab Dezember durch die zuständigen Amtsstellen ausbezahlt werden können, erhält jeder Mitarbeiter beziehungsweise jede Mitarbeiterin der Michel Präzisionstechnik AG im November einmalig 2500 Franken ausbezahlt», teilt die Firma mit.

Lage drastisch verschlechtert

Im laufenden Jahr habe sich die finanzielle Lage drastisch verschlechtert. In den ersten zehn Monaten musste die Gesellschaft bei einem schwachen Umsatz von 13,1 Mio. Fr. bereits einen Verlust von mehr als 5 Mio. Fr. hinnehmen.

Hand mit Metalteil.
Legende: Die Angestellten der Michel Präzisionstechnik AG in Grenchen können nicht von einem Sozialplan profitieren. (Symbolbild) Keystone

In den letzten sechs Jahren wies das Unternehmen mehrheitlich grosse Verluste auf. Lediglich in den Jahren 2010 und 2011 konnten dank hoher Umsätze Gewinne eingefahren werden, heisst es bei der Grenchner Firma.

In den vergangenen Jahren mussten verschiedentlich Restrukturierungen vorgenommen werden, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. 2009 wurden 30 Stellen abgebaut, 2013 deren 10. Im Februar 2014 schliesslich wurde ein Teil der Produktion nach Tschechien verlagert, was zum Abbau von 50 der damals 120 Stellen führte.

Massnahmen bringen keinen Erfolg

Allerdings hätten die Massnahmen und in den letzten Monaten getätigte, hohe Investitionen nicht den erhofften Erfolg gebracht, heisst es. Der Projektaufwand für die Entwicklung von komplexen Komponenten für moderne Automotoren werde immer höher. Zudem erfordere die Herstellung sehr hohe Anfangsinvestitionen in Spezialmaschinen.

Wir hätten für zwei Aufträge Spezialmaschinen gebraucht für acht Millionen Franken. Geld verdient hätten wir am Schluss aber nicht.
Autor: Konrad BeckVerwaltungsrats-Präsident der Michel Präzisionstechnik AG

Das Unternehmen konnte dennoch im harten internationalen Wettbewerb kostendeckende Preise immer weniger durchsetzen. Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses von 1,20 Fr. durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) am 15. Januar habe diese Situation in den letzten Monaten noch verschärft.

Die Kunden würden nur noch sehr beschränkt währungsbedingte Preiserhöhungen akzeptieren. Und: «Es gibt da Preisvorstellungen von einigen Kunden, denen wir mit dem Kostendruck in der Schweiz einfach nicht mehr entsprechen können», so Beck.

Die Auslagerung eines Teils der Produktion ins tschechische Brno habe die kritische Situation nicht entspannen können. Die Verlagerung habe unerwartet grosse technische und logistische Schwierigkeiten verursacht und zu ungeplanten Verzögerungen und Kosten geführt, schreibt das Unternehmen.

Sehr hohe Investitionen nötig

Damit die Michel Präzisionstechnik AG für eine mittelfristige Zukunft gerüstet wäre, müssten unmittelbar weitere sehr hohe Investitionen in Spezialmaschinen für neue Produkte getätigt werden. «Unter dem gegenwärtigen Preiszerfall können diese Mittel aber nicht aufgebracht werden, weshalb eine Fortführung der Michel Präzisionstechnik AG nicht möglich ist», teilt das Unternehmen mit.

Es geht eine grosse Tradition hier in Grenchen zu Boden. Es tut uns wahnsinnig leid.

Man habe im Sommer noch das Gefühl gehabt, das Steuer herum reissen zu können, so Beck. Nun ist klar: Dem ist nicht so. Die Schliessung des Betriebs ist am Freitagnachmittag durch das Konkursamt Solothurn vollzogen worden.

Immerhin habe sich der Geschäftsgang der tschechischen Tochtergesellschaft in jüngster Zeit positiv entwickelt. «Der Verwaltungsrat hofft, dass sie unabhängig vom Betrieb in Grenchen weiter bestehen kann», heisst es. Entsprechende Gespräche mit Investoren hätten bereits stattgefunden.

«Verwaltungsrat und Direktion bedauern den Entscheid zur Betriebsschliessung, der nach Prüfung aller Optionen nicht leichtfertig gefällt wurde», heisst es in der Medienmitteilung. Man sei den Mitarbeitern dankbar für ihr Engagement in dieser schwierigen Situation.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Paul Grunder (Zimmermeister)
    Tragisch, ja, aber wer genau liest wird feststellen, dass die Firma schon länger im Schleuderkurs ist. Es ist irreführend und auch falsch, nur den Frankenkurs und die SNB für das Ende von Firmen verantwortlich zu machen.
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  • Kommentar von N. Schmid (Schmid)
    Das liegt auch im Sinne der Wahlsieger, denn die möchten unsere Heimat ohnehin in ein Monaco umwandeln und Oligarchen, Ölscheiche und Superreiche benötigen nun mal keinen Industriesektor, sondern nur noch Steuerberater, Luxusgüterverkäufer sowie Putz-, Garten- und Wachtdienste. Ob diese Strategie jedoch auch noch aufgeht, wenn sich auf den Strassen lauter Industriesektor-Arbeitslose tummeln? Dazu kommt: Arbeitslose finanzieren keine Renten und die Pauschalbesteuerten ja sowieso nicht...
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  • Kommentar von Thomas Zangerl (TZ)
    Wie viele Male habe ich dies gesagt, als ich noch in der Schweiz lebte - denkt einmal bitte an morgen und glaubt nicht die Schweiz wäre auf immer die Schönste, Klügste, Beste und die Schweiz kann sich alles leisten, deren Produkte werden immer gekauft. Es hat eben damals schon angefangen und ich selbst wurde Opfer und stand über Nacht auf der Strasse. Mir blieb nichts anderes übrig als zu gehen. Und seit die SNB diesen Bock mit dem CHF geschossen hat, kommt das dicke Ende...
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