Grosse Probleme im AKW Beznau

Die Wiederinbetriebnahme des Reaktors 1 des AKW Beznau verzögert sich nach der Jahresrevision um drei Monate bis Ende Oktober. Grund dafür sind Unregelmässigkeiten im Material des Reaktordruckbehälters. Neuste Messtechnologien haben diese ersichtlich gemacht. Greenpeace zeigt sich beunruhigt.

Kernkraftwerk Beznau vom Wasser aus fotografiert.

Bildlegende: Der Reaktor Beznau 1 macht der Axpo dieses Jahr bereits zum zweiten Mal Probleme. Keystone

Ultraschallmessungen haben am Druckbehälter des Reaktors 1 an einigen Stellen auf Unregelmässigkeiten bei der Herstellung angezeigt. Es handle sich nicht um Risse, sondern um kleine Verunreinigungen oder um Stellen, an denen das Material eine andere Dichte aufweist. Dies teilt die Beznau-Besitzerin Axpo am Donnerstag auf ihrer Internetseite mit.

Um diese Unregelmässigkeiten einordnen zu können, wurden zusätzliche Messungen und Analysen durchgeführt. Die Ergebnisse liegen in Form eines vorläufigen Messberichtes vor. Dieser wurde am Donnerstag bei der Aufsichtsbehörde ENSI eingereicht.

Ab Mitte August beide Reaktoren abgeschaltet

Das ENSI erwarte nun von der Axpo eine Bewertung dieser Befunde, teilte das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ebenfalls am Donnerstag mit. Der Betrieb von Beznau 1 dürfe erst wieder aufgenommen werden, wenn die Sicherheit des Reaktordruckbehälters nachgewiesen ist.

«  Wir haben minimale Unregelmässigkeiten festgestellt und denen wollen wir jetzt nachgehen. »

Antonio Sommavilla
Mediensprecher der Axpo

Am Reaktor 2 wollen die Verantwortlichen nun vergleichbare Messungen durchführen. Damit diese zeitnah zu denjenigen von Reaktor 1 durchgeführt werden können, soll die für Mitte August geplante Jahresrevision nun um einige Tage vorgezogen werden. Entsprechende Arbeiten sind bereits eingeleitet worden.

Kostenpunkt: 50 Millionen Franken

Weil Beznau 1 nun bis Oktober stillsteht und auch Beznau 2 nun genauer angeschaut wird, entstehen bei der Axpo grosse Kosten. Zusammen mit den Einnahmen, die der Kernkraftwerk-Betreiberin entgehen, dürfte am Schluss ein Loch von 50 Millionen Franken entstehen, heisst es.

Axpo-Mediensprecher Antonio Sommavilla erklärt zudem, dass die Unregelmässigkeiten wohl schon seit Inbetriebnahme existieren. Wieso entdeckte man diese aber jetzt? «Dank modernster Ultraschall-Technik konnten wir erstmals diese Unregelmässigkeiten feststellen», erklärt Sommavilla.

Greenpeace fordert sofortige Abschaltung von Beznau 2

Eine erste zeitliche Verzögerung bei der Jahresrevision des Reaktor 1 hatte es bereits im Mai gegeben, als der neue Deckel nicht ganz genau auf den Reaktordruckbehälter passte. Dies warf die Arbeiten um rund zwei Wochen zurück. Inzwischen konnte der Deckel erfolgreich auf den Reaktordruckbehälter aufgesetzt werden.

Am Donnerstag meldete sich auch die Umweltorganisation Greenpeace Schweiz zu Wort. Sie zeigte sich in einer Medienmitteilung besorgt über die Beznau-Neuigkeiten und fürchtet, dass entgegen der Mitteilung der Axpo Risse entdeckt wurden.

Greenpeace fordert nun die Offenlegung aller Analysen und weitere umfassende Tests. Reaktor 2 müsse aus Sicherheitsgründen sofort ausser Betrieb genommen werden. Die Umweltorganisation stellt einen Bezug her zu zwei Reaktoren in Belgien, welche nach ähnlichen Befunden wegen Rissen vor gut einem Jahr abgeschaltet wurden.