Herbstserie: Vom «Brünneli» zur ICE-Innenwand

Bekannt wurde die Firma Romay aus Oberkulm durch die tiefen Lavabos, die man in jeder Schweizer Waschküche findet. In den letzten Jahren wurde jedoch die Produktion von Kunststoff-Elementen für das Innenleben von Zügen oder für die Verkleidung von Medizinalgeräten immer wichtiger.

Lavabos, hier für das Innenleben eines russischen Zuges, stehen für den Abtransport bereit.

Bildlegende: Lavabos, hier für das Innenleben eines russischen Zuges, stehen für den Abtransport bereit. SRF

Der Sanitär-Bereich macht heute bei Romay nur noch ein Viertel des Geschäfts aus. Dennoch wird die Firma auch in Zukunft noch die bekannten Waschküchen-Lavabos produzieren. Diese seien nach wie vor ein wichtiges Produkt, betont Firmenchef Marco Steg gegenüber dem Regionaljournal Aargau Solothurn.

Im Sanitärbereich zeichnet sich die Firma ansonsten durch Massanfertigungen und neue Innovationen aus, wie einem Lavabo ohne sichtbaren Abfluss und ohne sperrigen Siphon. Dies sei besonders für Rollstuhlfahrer wichtig, so Steg.

Zwei Bereiche, eine Technik

Die Produkte der Firma Romay sind allesamt aus Kunststoff gefertigt. Die Produktion der Lavabos unterscheidet sich dabei kaum von der Produktion grosser Formteile für Züge oder Medizinal-Geräte. In der Regel werden alle Romay-Produkte aus Kunststoffmatten in einer Presse unter grosser Hitze und grossem Druck gefertigt. Kleine Stückzahlen werden von Hand mit Kunststoff und Harz laminiert, in einem Verfahren, das an den Bootsbau erinnert.

Dass sich die Romay heute immer mehr auf den Bereich Formteile konzentriere, habe sich mit der Zeit so entwickelt, sagt Steg, da die Firma in diesem Bereich sehr erfolgreich sei. Der Bereich fordere aber auch viel, der Aufwand und der Kostendruck sei bei der Zusammenarbeit mit grossen Auftraggebern wie Siemens einiges höher als im Sanitärbereich, betont Steg.

Die Abhängigkeit von Siemens ist ein Thema

Auf Initiative von Siemens hat Romay seit über einem Jahr auch eine eigene Produktionsfirma in China. Dort produzieren etwa 100 Mitarbeiter Formteile für Hochgeschwindigkeitszüge und nun vermehrt auch für Medizinal-Geräte.

Die Abhängigkeit von einem grossen Auftraggeber wie Siemens sei nicht unproblematisch, gibt Steg zu. Das Risiko sei jedoch reduziert, weil Romay einerseits für den Bahnbereich der Firma arbeite, andererseits für den medizinaltechnischen Bereich. Ausserdem arbeite man bewusst auch vermehrt auch mit Schweizer Firmen zusammen. Beispielsweise mit Stadler oder Roche Diagnostics.

Romay will sich auch vermehrt darauf spezialisieren, den Kunden Komplettlösungen anzubieten. Schon heute werden beispielsweise bei Zugfenstern auch gleich die Rollläden von anderen Lieferanten mit eingebaut, damit der Auftraggeber bei der Endmontage möglichst wenig Aufwand hat.

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