Holderbank: Insekten zählen mit dem Naturama

Zum zwölften Mal führt das Naturama Aargau im Auftrag des Kantons den Tag der Artenvielfalt durch. Forscher suchen dann möglichst viele verschiedene Tiere- und Pflanzenarten. Dieses Jahr im Gebiet «Schümel» in der Gemeinde Holderbank. Für das Publikum gibt es spannende Exkursionen.

Ansicht eines Steinbruchs, im Vordergrund hat es Bäume und Häuser.

Bildlegende: Welche speziellen Tier- und Pflanzenarten finden wohl die Experten im Gebiet «Schümel» in Holderbank? Simon Läuchli

Der Tag der Artenvielfalt wird in ganz Europa begangen. Im Aargau findet er am Sonntag in Holderbank statt. Die Organisation liegt beim Naturama Aargau, verantwortlich für das Projekt ist Lukas Kammermann.

SRF: Lukas Kammermann, was ist der Tag der Artenvielfalt genau?

Es war die Zeitschrift «Geo», welche diesen Anlass aufgriff. Der Anlass geht zurück auf die Idee des Biodiversitätsforschers Edward Wilson, der sagte, wenn man die Natur schützen möchte, müsse man zuerst wissen, was es überhaupt zu schützen gibt. Am Tag der Artenvielfalt schauen wir deshalb, was in der Natur alles vorkommt.

Dieses Jahr in Holderbank, im Gebiet «Schümel». Das ist ein alter Steinbruch, davor hat es einige Wohnhäuser. Weshalb ist das ein spezielles Gebiet?

Das war früher ein Abbaugebiet der Zementproduktion. In den vergangenen Jahren wurde es renaturiert. Es gibt dort nämlich seltene Arten, die diesen kargen Boden bevorzugen. Auch die Vielfalt der Natur im «Schümel» ist aussergewöhnlich. Deshalb ist es attraktiv, dort ein Inventar zu machen.

Das Naturama hat Experten aus der ganzen Schweiz eingeladen, um im «Schümel» Arten zu zählen. Was muss man sich darunter vorstellen?

Diese Experten haben sehr unterschiedliche Hintergründe. Es gibt solche, die am Tag in einer Bank arbeiten, und am Abend ist es ihr grösstes Hobby, Insekten kennenzulernen. Es kommen aber auch Experten mit universitärem Hintergrund, zum Beispiel solche aus dem Tropeninstitut. Diese möchten herausfinden, welche Mückenarten vorkommen in diesem Gebiet. Wir haben auch Experten mit an Bord, die Ausschau halten, nach Amphibien und Reptilien und zum Beispiel auch Botaniker.

Und am Schluss hat das Naturama ein Inventar von allem, was dort kreucht und fleucht?

Genau. Wir haben mit den Jahren jeweils ungefähr tausend Arten gefunden in diesen Gebieten. Es ist spannend, die Gebiete miteinander zu vergleichen. Immer wieder stossen wir auch auf Arten, welche wir an einem Ort nicht vermutet hätten oder gar neue Arten, welche vermutlich noch unbekannt sind.

Das Gespräch führte Stefan Ulrich.

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Biologische Artenvielfalt bedroht: Wissenschaftler schlagen Alarm

6:41 min, aus Einstein vom 21.5.2015