Verheerende Frostschäden Im Aargau wurden noch keine Bauern entschädigt

Nach dem Frost im April kündigte der Kanton Hilfe an, Geld floss aber noch nicht.

Grosse Kerzen in einem Rebberg.

Bildlegende: Auch im Aargau versuchten viele Bauern, Obst und Reben mit Kerzen vor der Kälte zu schützen, wie hier im Bündnerland. Keystone

In den Nächten vom 19. bis 21. April wurde es nach mildem Frühlingswetter wieder bitterkalt. Vor allem Obstbauern und Winzer meldeten grosse Frostschäden an ihren Kulturen. Der Aargauer Regierungsrat Markus Dieth sprach von einem «Jahrhundertfrost» mit Schäden, welche die Bauern noch nie erlebt hätten. Dieth kündigte «unkomplizierte Hilfe» für die betroffenen Betriebe an.

Nach rund drei Monaten zeigt sich nun, dass die damaligen Befürchtungen zugetroffen sind. Von Ausfällen über 85 Prozent bei Obstkulturen ging der Kanton aus. «Es ist schlimm herausgekommen», sagt heute Othmar Eicher, Obstbau-Experte beim Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg. Momentan laufe die Kirsch-Ernte im Aargau auf Hochtouren. Bei den Kirschen zeige sich nun aber, dass die Massnahmen zum Teil erfolgreich gewesen seien, welche die Bauern ergriffen hätten.

Wo grosse Heiz-Kerzen in die Plantagen gestellt und das Regendach aufgespannt wurde, sei der Ernteausfall kleiner. Eicher geht davon aus, dass etwa ein Viertel oder ein Drittel einer üblichen Kirsch-Ernte im Aargau eingefahren wird. Es gebe aber grosse regionale Unterschiede. Vor allem Betriebe, die vom Obst- oder Weinbau leben, würden zum Teil hart getroffen.

Effektive Ausgaben nur für Kurzarbeitsentschädigung

Geld sei aber trotz der grossen Ernte-Ausfälle noch nicht geflossen, erklärt Markus Müller, Leiter des Landwirtschaftsamts. Der Kanton hatte nach dem Frost angekündigt, betroffene Betriebe mit zinslosen Darlehen und Krediten zu unterstützen. Es zeige sich aber erst in einiger Zeit, welche Betriebe in finanzielle Engpässe gelangten und Unterstützung benötigten – wenn die Ernte nicht verkauft werden kann. Zudem müssten die Bauern die Darlehen und Kredite wieder zurück zahlen.

Flammen in Rebbergen.

Bildlegende: Obstplantagen und Rebberge wurden im April von Kerzen gegen den Frost beleuchtet. (Bild: Jenins/GR) Keystone

Ausgeben werde der Kanton Geld effektiv nur bei der Kurzarbeitsentschädigung, die er zusammen mit dem Bund trägt. Wie hoch dieser Betrag ist, kann Müller noch nicht beziffern. Zahlungen für Härtefälle übernehme der Bund, mit einem Fonds. Was ein Härtefall genau ist, das werde zur Zeit noch definiert. Markus Müller geht auch davon aus, dass nur wenige Betriebe vom Härtefall-Fonds profitieren können. Die anderen müssten sich mit den erwähnten Krediten oder Darlehen aushelfen.

Situation im Kanton Solothurn

Im Kanton Solothurn sei vor allem die Nordseite des Juras betroffen, das Schwarzbubenland, heisst es beim kantonalen Bildungszentrum Wallierhof. Regional gebe es sehr grosse Unterschiede. Zum Teil seien Betriebe nur wenige Kilometer auseinander unterschiedlich stark betroffen. Es gebe aber Betriebe, bei denen der Ernte-Ausfall 100 Prozent betrage.