«Im Kopf bin ich noch weit vom Rentenalter entfernt»

Über 20 Jahre lang prägte er von der Klinik Königsfelden aus die Gerichtspsychiatrie in der Schweiz. Im August wird Josef Sachs nun pensioniert. Bis dahin gebe es noch viel zu tun, sagt der 66-Jährige im Gespräch mit Radio SRF. Und auch danach will er der forensischen Psychiatrie erhalten bleiben.

Mann in beigem Anzug vor beigem Hintergrund.

Bildlegende: Gerichtspsychiater Josef Sachs lässt sich pensionieren. ZVG

«Ich hatte noch überhaupt keine Zeit über meine Pensionierung nachzudenken», sagt Josef Sachs. Der Leiter der forensischen Psychiatrie in Königsfelden hat bis im August noch viel zu tun.

«  Ich habe lange etwas aufgebaut. Jetzt kann ich etwas anderes in Angriff nehmen. »

Josef Sachs
Gerichtspsychiater

Aber auch nach der Pensionierung will Sachs als forensischer Psychiater tätig sein betont er im Gespräch mit dem Regionaljournal Aargau Solothrun. In welcher Form sei jedoch noch offen. Er freue sich aber auch sehr, mehr Zeit für sich, seine Familie und seine Hobbies zu haben. Aber auch nach der Pensionierung will er weiter als forensischer Psychiater arbeiten.

Gutachten als grosse Verantwortung

Josef Sachs prägte die Entwicklung der Forensik in der Schweiz aktiv mit. Jahrzehntelang war sein Wissen gefragt, wenn schlimme Verbrechen die Schweiz erschütterten. Als Buchautor, Experte in den Medien und vor allen Dingen als psychiatrischer Gutachter.

«  Wir sind keine Propheten und unsere Möglichkeiten sind begrenzt.  »

Josef Sachs
Gerichtspsychiater

Weil die meisten Gerichte den Gutachten folgen haben die forensischen Psychiater damit viel Einfluss. Damit die Gerichte dabei die Verantwortung nicht einfach auf die forenschischen Psychiater abschieben, müssten diese ihre Zuständigkeiten auch in den Gutachten stets klar formulieren. «Man musste Transparenz schaffen, wo die Grenzen der Aussagekraft ist, wo die Grenzen der Wissenschaft liegt».

Werden Täter entgegen der Prognose im Gutachten rückfällig, beschäftige das jeden Gerichtspsychiater. Sei es im Fall Lucie, wo sein Team dem Täter im Vorfeld eine gute Prognose gestellt hatte, oder sei es in einem anderen Fall.

Er selbst verarbeite solche Situationen vor allem über den Kopf. Die Schicksale der Opfer und Angehörigen überwältigten einen. Dann gehe es darum, rational zu analysieren, was passiert sei.