Ist abgeblätterte Farbe schuld an der Panne im AKW Gösgen?

Zum ersten Mal seit der Abschaltung des AKW Gösgen vor einer Woche konnten Techniker nun die Ursache der Abschaltung genauer untersuchen: Den neu-eingebauten Rotor, der nicht richtig funktioniert. Bei der Inspektion fanden die Spezialisten abgeblätterte Farbe, die möglicherweise verantwortlich ist.

Techniker mit Helmen bauen im AKW Gösgen einen neuen Rotor in einen Generator ein. Der Rotor ist riesig und hängt an dicken Rundschlingen an einem Kran.

Bildlegende: Beim Einbau des neuen Rotors ahnte man im AKW Gösgen noch nicht, dass dieser eine grössere Panne verursachen könnte. zvg

Das Atomkraftwerk ist immer noch nicht zurück am Stromnetz. Nach Abschluss der ordentlichen Revision sollte das AKW eigentlich letzte Woche wieder angefahren werden. Dies gelang aber nicht, da in einem Generator ein neu-eingebauter Rotor nicht richtig funktioniert hatte.

Am Dienstag konnten nun Techniker diesen defekten Rotor zum ersten Mal genauer unter die Lupe nehmen. Dabei entdeckten sie abgeblätterte Farbe am (neuen) Rotor. Ob diese allerdings die Ursache für den Defekt ist, das sei noch nicht klar, wie der Elektrotechnikleiter des AKW Gösgen, Patrick Gehri, gegenüber dem Regionaljournal Aargau Solothurn von Radio SRF am Dienstagmittag sagte: «Man muss wohl den fast 100 Tonnen schweren Rotor komplett auseinanderbauen, um genaueres zu erfahren. Das ist eine grosse Aufgabe.»

Rotor muss ausgebaut und zerlegt werden

Wie lange die Untersuchung und Reparatur noch dauern wird, das sei momentan noch unklar. Derzeit werde der Rotor weiter zerlegt. Mit der Zerlegung will man einen besseren Zugang zu den Kühlkanälen im Inneren schaffen, damit die abgeplatzten
Farbreste geborgen werden können.

Wenn dies gelingt, ist es laut der Herstellerfirma Siemens möglich, den defekten Rotor vor Ort zu reparieren. Andernfalls muss der 100 Tonnen schwere Generatorläufer zurück ins Herstellerwerk nach Mülheim an der Ruhr transportiert werden.

Der Entscheid, wo die Reparatur stattfindet, wird in den nächsten Tagen getroffen. Erst dann können die Verantwortlichen des AKW Gösgen die notwendige Reparaturzeit abschätzen.

Das AKW Gösgen hätte letzte Woche nach der bisher umfangreichsten Jahresrevision wieder ans Netz gehen sollen. Während der zweimonatigen Revisionsarbeiten wurde unter anderem die Turbogeneratorengruppe modernisiert. Mit der 180 Millionen Franken teuren Aufrüstung soll die Stromproduktion erhöht werden.

Nach der Freigabe durch das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI war das AKW Gösgen vor einer Woche langsam wieder angefahren worden. Wegen zu hoher Schwingungen am Rotor des Generators wurde die Anlage noch am gleichen Tag wieder vom Netz genommen.