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Aargau Solothurn Ist das AKW Beznau noch rentabel?

Die Axpo investiert rund 700 Millionen Franken in Nachrüstungen am AKW Beznau. Kürzlich wurde bekannt, dass der Reaktor 1 für längere Zeit stillsteht wegen neuer Prüfarbeiten am Reaktorblock, dem zweiten Meiler steht das auch noch bevor. Ob das AKW so noch rentabel ist, ist umstritten.

Legende: Video «Ist das AKW Beznau noch rentabel?» abspielen. Laufzeit 4:25 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 29.07.2015.

Im AKW Beznau mussten diesen Frühling die Deckel der Reaktordruckbehälter ausgetauscht werden. Zusammen mit anderen Investitionen kostet dies die Axpo rund 700 Millionen Franken.

AKW Beznau in der Dämmerung
Legende: Kann das AKW Beznau in der aktuellen Situation überhaupt noch wirtschaftlich sein? Ein Experte bezweifelt dies. Keystone

Kürzlich gab Axpo bekannt, dass Reaktor 1 bis mindestens Ende Oktober ungeplant stillstehen wird wegen neuer Prüfarbeiten und Messungen am Reaktorblock. Dem zweiten Meiler stehen diese Arbeiten, der Stillstand und damit der Ausfall der Stromproduktion auch noch bevor.

Wie rentabel ist Beznau noch?

Wegen all dieser Arbeiten, Revisionen und zusätzlichen Prüfungen kann die Axpo für längere Zeit weniger oder gar keinen Strom aus Beznau-Produktion verkaufen, muss gleichzeitig aber viel Geld ins Kraftwerk investieren. Ob sich diese Investitionen und damit der Weiterbetrieb des Kraftwerks noch lohnt ist umstritten, die Meinungen dazu gehen auseinander.

Wie viel Geld die Axpo mit dem AKW Beznau verdient, gibt das Unternehmen nicht preis. Die atomkritische Schweizerische Energiestiftung SES geht aber davon aus, dass das Kraftwerk nicht mehr rentiert: «Unsere These ist, dass das AKW Beznau heute keinen Gewinn mehr abwirft, und dass sich die Situation in den nächsten zehn Jahren – bei diesen Strompreisen – nicht verbessern wird», sagt Jürg Burri, Geschäftsleiter der Energiestiftung.

Dieser Aussage widerspricht Antonio Sommavilla, Mediensprecher der Axpo: «Gegenwärtig sind die Strompreise wirklich unter Druck. Aber wir gehen davon aus, dass sie sich mittelfristig wieder erholen. Es ist so, dass wir die aktuellen Investitionen mit einem Blick auf einen längeren Betrieb weit über 2020 hinaus tätigen.»

Experte zweifelt an Wirtschaftlichkeit

Rolf Wüstenhagen ist Professor an der Universität St. Gallen (HSG) und Experte für Stromfragen und damit für Strompreise. Für ihn gibt es zwei mögliche Erklärungen wieso die Axpo das AKW nicht abschalten will. Die Rentabilität stehe dabei sicher nicht im Vordergrund.

Würde die Axpo das AKW Beznau freiwillig abstellen, könnte sie keine Schadenersatzforderungen mehr stellen.
Autor: Rolf WüstenhagenExperte Strommarkt HSG

«Auf der einen Seite ist es für die Axpo schwierig einzugestehen, dass diese Technologie betriebswirtschaftlich keine Zukunft hat. Andererseits gibt es im Moment einen politischen Entscheidungsprozess, da kann der Weiterbetrieb auch Teil der Verhandlungsmasse sein. Wenn die Axpo von sich aus sagen würde, dass es nicht mehr rentiert, könnte sie bei einem allfälligen Ausstiegsentscheid keine Schadenersatzforderungen mehr stellen», erklärt Wüstenhagen seine Sicht.

Betreiberin Axpo kontert die Vorwürfe

Auch den Aussagen des Strommarktexperten widerspricht die Axpo. Der Weiterbetrieb sei kein politischer Entscheid, man wolle einen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten. Zudem mache es keinen Sinn eine Anlage vom Netz zu nehmen die gut produziere und sicher sei.

Im Gegensatz zur Axpo hat die bernische BKW entschieden ihr Atomkraftwerk vom Netz zu nehmen. So soll das AKW Mühleberg ab 2019 keinen Strom mehr produzieren. Das AKW Beznau hat hingegen noch eine unbefristete Betriebsbewilligung.

6 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Brenner, Schaffhausen
    SES ist eine flammende Kämpferin für PV und Wind. Wie die Versorgungssicherheit erreicht werden soll, dazu hat sie ausser Glaubenssätzen nichts zu bieten. Prof. Wüstenhagen ist m. W. interessengebunden an die PV-Industrie. Im SRF-Beitrag werden der SES und Wüstenhagen dem Publikum als unabhängige Experten suggeriert. Kernenergie, ob einem das gefällt oder nicht, ist die Technologie der Zukunft, mit deren Gefahren und Nachteilen werden wir uns abfinden müssen. Siehe Bauprogramm KKW in China.
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  • Kommentar von Benedikt Jorns, Bremgarten b. Bern
    Seit Fukushima drückt in Deutschland aber auch in einigen andern uns nahe gelegenen Ländern billiger Kohle-Strom den Strompreis stark nach unten. Unser nach wie vor grosser Stromüberschuss im Sommerhalbjahr wegen den viel Wasser führenden Flüssen können wir nicht mehr ins Ausland verkaufen. Im Winterhalbjahr sind wir zunehmend auf Import-Strom angewiesen. Photovoltaik deckt dann zurzeit erst 0,3% unseres Strombedarfs. Eine stark steigende Auslandabhängigkeit zeichnet sich für die Zukunft ab.
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  • Kommentar von C. Vogel, Bern
    Der Experte Rolf Wüstenhagen scheint mir eine einseitig grüne Sichtweise zu haben wenn er sagt, "dass diese Technologie betriebswirtschaftlich keine Zukunft hat". Er wird sich noch wundern, wie dringend notwendig und deshalb wirtschaftlich die Kernenergie - allerdings aus moderneren Anlagen - in den kommenden Jahrzehnten sein wird. Falls nicht im Inland produziert, werden wir den Strom importieren müssen. Den überaus rentablen Preis gestalten dannzumal die ausländischen Produzenten.
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    1. Antwort von M. Tisserand, Maumere, Indo
      @Vogel: Sagen sie mal, warum melden Sie sich eigentlich nicht in Japan zum aufräumen? Laut Ihren Aussagen ist das ja alles ungefährlich und kann dem Menschen gar nicht schaden.... Seit ich Aussagen, wie die von Ihnen so lese, muss ich feststellen, dass wir noch tief im Mittelalter stecken...
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    2. Antwort von C. Vogel, Bern
      @Tisserand: Doch natürlich, die Aufräumarbeiten beim Reaktor sind sehr anspruchsvoll, aber nicht unmöglich und auch ohne wesentliche Gefährdung der Bevölkerung. - Und von wegen Mittelalter: Hören Sie respektive sehen Sie sich mal diesen Vortrag von Dr. sc. nat. Walter Rüegg an, den er im Rahmen der NGW Vorträge an der ZHAW Winterthur gehalten hat. Er präsentiert Fakten und wissenschaftlich ausgewertete Erfahrungen. Link: https://cast.switch.ch/vod/clips/qmr9nm10g/streaming.html
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