«Ja, der Rotor nervt mich heute noch»

Wegen 6 kleinen Löchern im Hauptrotor des Kernkraftwerkes Gösgen stand letztes Jahr die Produktion 20 Tage still. Nun hat das Werk anlässlich der alljährlichen Revision zum Rundgang eingeladen. Ein Blick zurück auf das letzte Jahr und auf die Änderungen, die der Reaktor-Unfall in Fukushima auslöste.

Meineke steht links vom Rotor, der mit einer orangen Plastikfolie abgedeckt ist.

Bildlegende: Kraftwerkleiter Herbert Meineke zeigt das Problem von 2013: Sechs kleine Löchern im Rotor waren nicht ausgestanzt. SRF

Wenn Herbert Meinke am ausgebauten 90-Tonnen-Rotor vorbei läuft, dann kommen die Erinnerungen an 2013 schnell hoch. «Ja, das nervt mich heute immer noch», erklärt der Leiter des Kernkraftwerks Gösgen. Weil sechs kleine Löcher am Rotor nicht fertig ausgestanzt waren, lief der Rotor unregelmässig und das Werk stand 20 Tage still.

Nun, ein Jahr später, wir der Rotor anlässlich der alljährlichen Revision des Kraftwerkes wieder ausgebaut und genau kontrolliert. Nicht nur das: Unzählige Revisionen an verschiedenen Stellen des Kraftwerkes stehen an. Für jeden Schritt gibt es genau vorgeschriebene Abläufe, erklärt Elektrotechnik-Leiter Patrick Gehri.

900 zusätzliche Mitarbeiter für die Revision angeheuert

Für die Revision werden Hunderte externe Mitarbeiter gebraucht, die in den vier Wochen der Revision im AKW Gösgen arbeiten. Während sonst gut 400 Personen in und ums AKW arbeiten, sind es nun nochmals 900 Personen mehr. Eine grosse logistische Übung für das Kraftwerk. Auch das Personalrestaurant wird dabei gefordert, denn gearbeitet rund um die Uhr im Schichtbetrieb.

Auf einer Führung durch den Maschinenraum, den Schaltraum und das Areal wird auch klar, welche Änderungen die Nuklear-Katastrophe von Fukushima für Gösgen hatte. So wurden beispielsweise höhere Schutzmauern errichtet, auf der Aare-Seite des Kraftwerks, wegen eines allfälligen Hochwassers.

Kraftwerk ist zu «99,99 Prozent sicher»

Zusätzliche Dieselmotoren wurden als Notstromaggregate angeschafft. «Das sind mobile Einheiten, die wir je nach Bedarf an verschiedenen Orten auf dem Gelände einsetzen können», erklärt Herbert Meineke. Das Kraftwerk sei nun zu 99,99 Prozent sicher: Erdbeben wie in Japan oder auch Jahrhunderthochwasser können dem Kernkraftwerk nichts mehr anhaben, erklärt Meineke.

«Einer von vier grossen Dieselmotoren haben wir bereits so umgerüstet, dass der gesamte Motorenblock inklusive allem was dazugehört auf einer Federung steht und Erdbeben aushalten kann», so der Kraftwerksleiter.

Ausgewechselt werden auch die radioaktiven Brennstäbe, die für die Kettenreaktion und damit für die Stromproduktion genutzt werden. Von den 177 Stäben müssen dieses Mal 32 ausgewechselt werden. Keine grosse Sache, erklärt Herbert Meineke. «Wir haben jeweils für zwei bis drei Jahre neue Brennstäbe im Reaktor-Gebäude gelagert. Das braucht nur etwa zwei Tage, bis wir die ausgewechselt haben.»

Castor-Transporte sind kein Problem

Das heisst: Sogenannte Castor-Transporte, bei denen ein gut gesicherter Lastwagen mit Polizeibegleitung die Brennstäbe bringt und wieder abholt, kommen nicht häufig vor. Und: Sie sind – verglichen mit Transporten in Deutschland – harmlos, erklärt Kraftwerksleiter Herbert Meineke gegenüber dem Regionaljournal Aargau Solothurn. Im Nachbarland kommt es regelmässig zu Zusammenstössen mit Demonstranten.

«Ja, ich bin froh, dass hier die politische Situation anders ist und in der Schweiz solche Transporte deutlich weniger problematisch sind», erklärt der Deutsche.

(Regionaljournal Aargau Solothurn, 17:30 Uhr)

Das AKW Gösgen

Das AKW Gösgen

Das Kernkraftwerk Gösgen ging 1979 ans Netz. Im letzten Betriebsjahr produzierte es 7315 Millionen Kilowattstunden Strom und deckte damit rund 12 Prozent des schweizerischen Strombedarfs. Die diesjährige Revision hat am 8. Juni begonnen und wird rund vier Wochen dauern. Geplant sind rund 3000 Instandhaltungsarbeiten