Jagdhornbläser: Tradition mit nur 5 Tönen

In Solothurn treffen sich am Samstag knapp 500 Jagdhornbläser zu ihrem Eidgenössischen Fest. Mit ihren Horn-Signalen wie «Hirsch tot» oder «Reh tot», die auf der Jagd geblasen werden, halten sie eine alte Tradition am Leben. Sie können aber auch anders.

Ruedi Gfeller spielt seit 30 Jahren Jagdhorn. «Als ich das im Wald zum ersten Mal hörte, lief es mir kalt den Rücken hinunter. Da war es ganz klar mein Ziel: Das lerne ich auch!» Heute ist Gfeller Präsident des Jagdhornbläser-Corps Wandfluh Bettlach und OK-Präsident des Eidgenössischen Bläserfests, das am Samstag in Solothurn stattfindet.

Ruedi Gfeller ist aber auch passionierter Jäger, wie die meisten Jagdhornbläser. Das Reglement des Eidgenössischen schreibt nämlich vor, dass in einem Corps die meisten Bläser Jäger sein müssen. «In unserer Kategorie ist es so, dass von unseren 16 Mitgliedern nur drei keinen Jagdpass haben dürfen» erklärt Richard Müller, der Dirigent des Bettlacher Jagdhornbläser-Corps, das selber zur Spitze der nationalen Jagdhornmusik gehört.

«Sau tot»

Ein Jagdhorn hat keinerlei Klappen oder Löcher. Nur gerade fünf Naturtöne kann man dem Instrument deshalb entlocken. Ist Jagdhorn-Spielen also langweilig? Ruedi Gfeller lacht: «Überhaupt nicht. Wir können sehr viel daraus machen. Wir spielen heute Märsche, Walzer, Polka, ja sogar Foxtrott.»

Ursprünglich diente das Jagdhorn nur dazu, auf der Jagd Signale zu geben: «Begrüssung», «Fuchs tot», «Hase tot», «Gams tot», «Aufhören zu schiessen», usw. Noch heute werden diese Signale auf der Jagd geblasen, am Eidgenössischen in Solothurn werden sie von Experten bewertet.

Vom Wald mitten in die Stadt

Knapp 500 Jagdhornbläser aus der ganzen Schweiz, sowie aus Deutschland und Tschechien, werden am Samstag in Solothurn ihr Können demonstrieren. Aus dem Aargau nehmen beispielsweise «Freiwild-Wiggertal» und die «Lengnauer Füchse» teil. Und obwohl «Wandfluh Bettlach» das Fest organisiert, werden die Solothurner ebenfalls auftreten.

Gespielt wird von 9 bis 16 Uhr auf Plätzen mitten in der Altstadt, etwa vor dem Alten Zeughaus oder beim Naturmuseum. Dass in Solothurn gleichzeitig der Samstag-Märit stattfindet, garantiert viele Zuhörer.

Stören die vielen Leute nicht das konzentrierte Wett-Spiel der Musikanten? OK-Präsident Ruedi Gfeller winkt ab: «Wir wollen zu den Leuten. Und bei der Jagd im Wald haben wir ja auch Vögel, die pfeifen, und Hunde, die bellen».

Geschichte des Jagdhorns