Jahresende 2014: AKB-Chef blickt auf eine turbulente Zeit zurück

Die Aargauische Kantonalbank geriet im Jahr 2014 mehrfach in die regionalen und nationalen Schlagzeilen: Der neue Direktor der Bank wurde noch vor seinem Amtsantritt mit einem Berufsverbot belegt und die kantonale Politik diskutierte immer wieder hitzig über den Lohn des obersten Aargauer Bankers.

Andreas Capaul und Rudolf Dellenbach im Studio Aarau

Bildlegende: Der Direktor der AKB, Rudolf Dellenbach (r.), blickt im Gespräch mit Andreas Capaul auf das turbulente Jahr 2014 zurück. SRF

Eigentlich wollte sich Rudolf Dellenbach, der langjährige Direktor der Aargauischen Kantonalbank, im Frühling 2015 im Alter von 64 Jahren pensionieren lassen. Daraus wird nun aber vorerst noch nichts. Zwar war sein Nachfolger Andreas Waespi bereits gewählt, doch dann kam es zum Eklat.

Berufsverbot für den neuen Chef verhindert Pension

Die Finanzmarktaufsicht Finma belegte Waespi Ende Oktober mit einem dreijährigen Berufsverbot – ein Novum in der Schweizer Bankenszene. Waespi hatte als Chef der Bank Coop Manipulationen am Aktienkurs der Bank zu verantworten. Seinen Posten bei der AKB konnte er folglich doch nicht antreten.

Weil so kurzfristig kein anderer Kandidat mehr gefunden werden konnte, musste Rudolf Dellenbach seinen Rücktritt verschieben. Nun bleibt er bis Mitte 2016 Direktionspräsident, was ihm aber nichts ausmache, wie er im Gespräch mit dem Regionaljournal Aargau Solothurn von Radio SRF ausführt: «Für mich stand dieser Schritt nie in Frage», er könne seine Mitarbeiter doch nicht alleine lassen. Auch seine Frau stehe hinter diesem Entscheid, ohne Wenn und Aber.

AKB-Mitarbeiter sind keine Halunken

Im Gespräch zum Rückblick auf das Jahr 2014 kommt natürlich auch der Lohn des AKB-Chefs zur Sprache. Dieses Thema war in der Aargauer Politik dieses Jahr ein Dauerbrenner. Der Grosse Rat entschied schliesslich, dass der Lohn des CEO auch künftig auf maximal 600'000 Franken begrenzt bleibt.

Diesen Entscheid möchte Rudolf Dellenbach nicht kommentieren. Das sei Sache des Bankrats, des Verwaltungsrats also, und der Politik, meint er im Gespräch. Allerdings betont er auch, dass sich die AKB-Kaderlöhne im Rahmen der anderen Kantonalbanken bewegen würden und nicht exorbitant hoch seien.

«  Die übertriebenen Lohnexzesse in der Branche versauen das Image der vielen anständigen Banker. »

Rudolf Dellenbach
Direktor Aargauische Kantonalbank

Nicht akzeptieren kann Dellenbach aber, wenn nun alle Banker als geldgierige Abzocker dargestellt würden, nur weil einige wenige massiv übertrieben hätten. «Die Angestellten der AKB sind keine Halunken», wehrt sich der Direktor, die Lohnexzesse in einigen Grossbanken bezeichnet er hingegen «als Schweinerei».

Zur grössten Bank im Aargau avanciert

Wirtschaftlich gesehen dürfte 2014 für die AKB aber erneut ein erfolgreiches Jahr werden. Die Bank rechnet zum wiederholten Mal mit einem Millionengewinn, worüber sich der Direktor natürlich freut.

Unter der Leitung von Rudolf Dellenbach ist die Aargauische Kantonalbank zur grössten Bank des Kantons geworden. Als er 2006 die operative Führung der Bank übernahm, war die AKB noch die klare Nummer Zwei hinter der Neuen Aargauer Bank NAB. Dass man heute die Nummer Eins ist, führt Dellenbach auf die «seriöse und vorsichtige Arbeit» der AKB zurück, aber auch auf das «Vertrauen, das die Bevölkerung seiner Kantonalbank entgegenbringt».

Natürlich habe die Staatsgarantie viel zu diesem Vertrauen beigetragen. Und natürlich sei diese Staatsgarantie mit ein Grund, warum viele Leute während der Finanzkrise ihre Gelder bei den Grossbanken abzogen und der AKB anvertraut hätten. Dass seine Bank aber einfach von der Finanzkrise profitiert habe, will Dellenbach so nicht gelten lassen. «Ohne unsere gute Arbeit wäre dieser Aufschwung nicht möglich gewesen.»

Reichlich Geld für den Kanton Aargau

Wohin dieser Aufschwung geführt hat, zeigen auch die Zahlen für das Geschäftsjahr 2013: Eine Bilanzsumme von mittlerweile über 22 Milliarden Franken bei einem Nettogewinn von 104 Millionen Franken. Diese Zahlen freuen natürlich auch den Staat. Der Kanton Aargau ist alleiniger Besitzer der Bank und wird Jahr für Jahr an den guten Ergebnissen der Bank beteiligt. 2013, als die Bank das 100-Jahr-Jubiläum feierte, waren es total über 80 Millionen Franken, die von der Bank in die Staatskasse geflossen sind.

Und langfristig soll es sogar noch mehr werden. Die AKB soll mit ihren Gewinnen nämlich mithelfen die Schulden des Kantons abzutragen, die bei den Sanierungen der Pensionskasse und der Sondermülldeponie Kölliken entstanden sind. Dem Eindruck, die Bank sei für den Staat eine Milchkuh, die es zu melken gelte, will Dellenbach gar nicht erst widersprechen. Ob diese Gewinne auch in Zukunft so reichlich sprudeln werden, lässt er aber offen. Er rechne angesichts der heutigen Lage eher «mit rückläufigen Erträgen», warnt Dellenbach.

Lenzburgiade als Höhepunkt

Als Höhepunkt des laufenden Geschäftsjahres bezeichnet Rudolf Dellenbach übrigens nicht die guten Geschäftszahlen, sondern die «Lenzburgiade», das Musikfestival auf Schloss Lenzburg letzten Juni. Hauptsponsor dieses Kulturanlasses ist die Aargauische Kantonalbank.

Kultur liegt dem Hobby-Cellisten Dellenbach am Herzen. Und darum dürfte das Cellospielen neben seinem zweiten grossen Hobby Golfen, eine seiner Hauptaktivitäten sein, wenn es dann mit der Pension doch noch klappt.