Kindermangel am Kinderfest Zofingen

Die Schulreform im Kanton Aargau hat ungeahnte Auswirkungen: Am Kinderfest in Zofingen fehlen die Kinder. Fast wäre deswegen eine alte Tradition gestorben. Aber nur fast.

Mädchen in weissen Kleidchen tanzen einen Reigen.

Bildlegende: Da waren die Oberstufenschülerinnen noch unter sich: Kinderfest Zofingen 1972. Keystone

Das Kinderfest in Zofingen ist eines von vier historisch belegten Jugendfesten im Aargau. Seit dem 16. Jahrhundert gibt es dieses Fest, in der heutigen Form besteht es seit 1810. Und nun, im Jahr 2015, wäre diese Tradition fast gestorben. Schuld daran ist die kantonale Bildungspolitik.

Gesucht: Oberstufenschülerinnen und Oberstufenschüler

Tradition ist nämlich in Zofingen, dass die Oberstufenschüler sich bei verschiedenen Aktivitäten am Kinderfest engagieren: Kadetten, Reigen, Minitrampolin, Fahnengestaltung und Kadettenmusik. Nun aber hat die Aargauer Politik die Oberstufe auf drei Jahre verkürzt, die Primarschule auf sechs Jahre verlängert. Die Folge davon: Es gibt weniger Oberstufenschüler.

Für die Zofinger Tradition ein echtes Problem. Denn nun fehlen Kinder für die Kadetten, Reigen, Minitrampolin, Fahengestaltung und Kadettenmusik. Die Schulpflege Zofingen musste deshalb reagieren, wie sie am Freitag mitteilen lässt. Man habe «gewisse organisatorische Anpassungen» beschlossen.

Eine kleine Revolution rettet eine grosse Tradition

Konkret: Auch die neuen 6. Klässler dürfen künftig an den Kinderfest-Aktivitäten teilnehmen. Obwohl sie ja eigentlich noch gar keine Oberstufenschüler sind, sondern Primarschüler. «Alle Beteiligten sind überzeugt», heisst es weiter in der städtischen Mitteilung, «dass mit diesen Anpassungen einem farbenfrohen und abwechslungsreichen Kinderfesttag 2015 nichts im Wege steht».

Eine Revolution rettet also die Tradition. Und in Aarau kann man sich beruhigen: Auch diese – wahrscheinlich wirklich nicht vorhergesehene – Problematik als Folge der Schulreform liess sich irgendwie doch noch einvernehmlich lösen.