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Aargau Solothurn «Klein Istanbul» Gerlafingen: Mieter wehren sich gegen Kündigung

Die Einheimischen nennen es «klein Istanbul» – das Quartier mit den drei alten Wohnblöcken in Gerlafingen im Kanton Solothurn. Die meisten Bewohner leben hier seit den 70er-Jahren. Nun wurde 48 Familien gekündigt. Die Wohnungen sollen saniert werden. Für die Bewohner eine Katastrophe.

Legende: Video Ende Klein-Istanbul abspielen. Laufzeit 05:54 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 17.04.2014.

«Klein Istanbul» nennen die meist türkischen und italienischen Bewohner ihr altes Quartier in Gerlafingen im Kanton Solothurn. Hier leben viele ältere Menschen mit einer einfachen Rente. Die meisten waren einmal Arbeiter im ehemaligen Stahlwerk Von Roll. In den 70er-Jahren waren sie aus dem Süden nach Gerlafingen gezogen.

48 Wohnungen sind es insgesamt - verteilt auf drei alte, verlotterte Wohnblöcke. Die Wohnungen sind einfach und billig, doch für die Bewohner ist «klein Istanbul» ihre Heimat, sie wollen hier nicht weg. Jetzt bricht für viele eine Welt zusammen, denn die neuen Besitzer wollen die Gebäude totalsanieren und haben deshalb allen 48 Familien gekündigt. Die Betroffenen sind verzweifelt.

Ich gehe hier nicht weg. Auch wenn mich am letzten Tag die Polizei aus meiner Wohnung holt.
Autor: Ein Bewohner

«Ich lebe seit 40 Jahren in diesem Haus, warum muss ich jetzt auf einmal weg von hier?» fragt eine ältere Italienerin das Reporterteam. Ein weinender Türke sagt: «Ich gehe nicht weg, ich will hier unbedingt bleiben. Auch wenn mich am letzten Tag die Polizei aus meiner Wohnung holt. Seit 46 Jahren lebe ich hier in Gerlafingen. Jetzt bin ich 75 Jahre alt, wo soll ich denn hingehen?»

Eingang zum Stahlwerk Gerlafingen in Archivaufnahme, von Roll-Schriftzug.
Legende: Sie hatte die Arbeiter aus dem Süden in die Schweiz gelockt: Die von Roll Stahlwerke in Gerlafingen (Bild von 1996). Keystone

Ein anderer Türke schildert das Problem folgendermassen: «Wir haben sechs Monate, um eine neue Wohnung zu finden. Das ist zu wenig Zeit. Jetzt suchen 48 Parteien gleichzeitig eine neue Bleibe in der Gegend im ähnlichen Preissegment. Das ist unmöglich, da finden sie nichts.»

Mieterverband als letzte Hoffnung

Die neuen Hausbesitzer erklären gegenüber «Schweiz aktuell», dass sich die Bewohner von «klein Istanbul» nach den mehrmonatigen Sanierungsarbeiten für die renovierten Wohnungen wieder bewerben können. Allerdings werden die Wohnungen dann 30 bis 50 Prozent mehr kosten.

Für viele Mieter ist das zu teuer. Und so hoffen sie, mit Hilfe des Mieterverbands wenigstens die Kündigungsfrist verlängern zu können.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Jürg Nyffeler, Betten hausen
    Leider hat der Vermieter in den vergangenen Jahren nur profitiert und auf nötige Sanierungen verzichtet. Als Mieter würde ich jetzt die weiteren Mietzinse auf ein Sperrkonto einzahlen und Forderungen stellen. Ganz falsch wäre es, wenn die Gemeinde, der Kanton oder eine andere Behörde eingreifen würde. Das gefiele dem Vermieter nur. Ich sehe nur ein Eingreifen des Mietverbandes und erwartete von dort eine kooperative Hilfe. Der Mohr hat seine Aufgabe getan, der Mohr kann gehen!
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  • Kommentar von christian strahm, aarau
    Traurig, dass einem Vermieter heutzutags kein freundlicheres Verfahren in den Sinn kommt. Keine Vorsorge, kein Mitgefühl, kein Einbezug der bezahlenden Mieter. Das lässt alles vermissen, was auf Rücksicht schliessen liesse.
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