Krisensitzung bei Solothurner EVP?

Die Evangelische Volkspartei fristet im mehrheitlich katholischen Kanton Solothurn ein Nischendasein. Das zeigt sich in den Wähleranteilen, aber auch beim Parteipersonal. Es bräuchte im Vorstand neue Kräfte, allerdings finden sich kaum Interessenten. Nun diskutiert die EVP, wie es weitergehen soll.

Von einem Krisentreffen mag man bei der EVP selber nicht sprechen. Es sei eher ein Austausch darüber, wie es weitergehen soll, heisst es bei der Partei. In der Einladung zur Sitzung vom Montagabend tönt es allerdings etwas dringender. Dort ist davon die Rede, dass die EVP ihre Arbeit im Kanton Solothurn allenfalls einstellen muss. Was sagt Co-Präsident und EVP-Kantonsrat René Steiner dazu?

SRF: Die Solothurner EVP hat ein Personalproblem, man findet kaum noch Leute für die Arbeit im Vorstand. Wie schlimm steht es um die EVP?

René Steiner: Es geht uns bei der EVP so wie vielen anderen kleinen Parteien. Eine kleine Gruppe von Leuten trägt die Hauptlast der Arbeit. Und unsere Leute machen das nun schon seit drei Legislaturen, also seit zehn bis zwölf Jahren. Nun stellt sich einfach die Frage, ob sich Nachwuchs findet. Schlimm dünkt es mich nicht, es ist einfach Zeit zu klären, dass es nicht selbstverständlich ist, dass eine Kleinpartei einfach so funktioniert. Es braucht immer wieder Leute, die sich engagieren.

Was könnten die Gründe dafür sein, dass die EVP nur schwer Leute findet, die sich im Vorstand engagieren wollen?

Ich sehe hier vor allem drei Gründe. Erstens haben ja alle Parteien Mühe genügend Leute für die Parteiarbeit zu finden. Bei einer kleinen Partei wie der EVP verschärft sich das Problem natürlich noch. Zweitens werden wir immer noch sehr stark konfessionell wahrgenommen, als evangelisch im Gegensatz zu katholisch. Diese Wahrnehmung ist zwar nicht mehr ganz richtig, wir haben viele Katholiken bei der EVP, aber in einem katholischen Kanton wie Solothurn ist das natürlich schwierig. Der dritte Punkt ist, dass die Leute, die grundsätzlich mit uns sympathisieren, von ihrem eher kirchlichen Hintergrund her sowieso meist schon ehrenamtlich tätig sind. Da ist es für viele schwierig noch ein zusätzliches Amt bei einer Partei zu übernehmen.

Sie haben das schon angesprochen: Kann eine evangelische Partei, die eher reformierte Leute anspricht, in einem katholischen Kanton wie Solothurn überhaupt Erfolg haben?

Die Frage ist natürlich, wie Sie Erfolg definieren. Wir werden als EVP im Kanton Solothurn nie Wähleranteile von 14 Prozent, wie in einigen Aargauer Bezirken, erreichen, das halte ich für unwahrscheinlich. Aber wenn es darum geht, neue Impulse in den Politprozess zu bringen, Probleme von einer anderen Seite her zu denken, dabei kann eine EVP auch im Kanton Solothurn durchaus Erfolg haben.

Sie haben nun aber in einem Brief gewarnt, dass die EVP Solothurn allenfalls nicht weiter arbeiten könne, wenn man nicht neue Leute für den Vorstand findet. Löst sich die EVP nun auf?

Nein, das ist nicht geplant. Wir wollten klarmachen, dass es nicht selbstverständlich ist, dass wir einfach weiter funktionieren wie bisher. Wir planen dann nach der Sitzung weiter und sehen im März, wie es weitergeht.

Es tönt aber schon ein bisschen nach Krisensitzung?

Eine Krise gibt es dann, wenn wirklich niemand sich zeigen würde und sagt, ich bin bereit weiterzumachen. Dann würde es mittelfristig schon sehr schwer. Aber ich bin Optimist und möchte noch nicht von einer Krise reden.

(Interview: Stefan Brand, Bildquelle: Colourbox, Symbolbild)