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Linksrutsch im Aargau Spurensuche bei SP-Gewinnern und SVP-Verlierern

Die Linke gewinnt im Aargau auf Kosten der Bürgerlichen 13 Einwohnerratssitze hinzu. Wie kommt es zu diesem Triumph und was sind die Folgen? Analysen der Parteipräsidenten.

Andreas Glarner und Cédric Wermuth
Legende: Cédric Wermuth (r.), Co-Präsident der SP Aargau, gewinnt die aktuelle Runde gegen SVP-Nationalrat Andreas Glarner. Keystone

Am Sonntagabend war es klar: Gewinnerin der Gemeindewahlen 2017 im Kanton Aargau ist die SP. Die Sozialdemokraten legen in den zehn Gemeinden mit Parlamenten im Total 13 Sitze zu, während die SVP deren 16 verliert. Aufaddiert ist die SP nun die stärkste Kraft in den Aargauer Gemeindeparlamenten. Woher kommt dieser Erfolg im bürgerlich geprägten Aargau?

Legende:
Sitzverteilung Einwohnerräte Aargau 2013/2017 Die Zahlen vergleichen die Sitzverteilung am Wahltag 2013 und am Wahltag 2017. Nicht berücksichtigt sind allfällige Sitzverschiebungen während der Legislatur. Lokale Parteien sind in Aarau «Pro Aarau», in Baden das «Team Baden» und in Wohlen die Partei «Dorfteil Anglikon». Wahlbüros Gemeinden/Statistik SRF

Man habe aus früheren Niederlagen Lehren gezogen, sagt Cédric Wermuth der Co-Präsident der Aargauer SP gegenüber Radio SRF: «Unsere Leute haben nach den nationalen Wahlen 2015 den Schock gespürt.» Deshalb habe man bei den Gemeindewahlen nun die Basiskampagnen mit direkten Telefonrunden intensiviert und konnte so die Wählerschaft gut mobilisieren.

Neben dem erfolgreichen Wahlkampf gaben laut Wermuth auch inhaltliche Punkte Ausschlag für den Erfolg der Sozialdemokraten: «Die SP ist, zusammen mit den Grünen, die einzige Partei, die sich gegen den finanzpolitischen Abriss im Kanton Aargau stellen.» Die Sparmassnahmen in den Bereichen Bildung, Kultur und Sport würden von der Bevölkerung nicht mehr gutgeheissen.

Falsches Mittel für urbane Wahlkämpfe

Auf der Verliererseite gibt man sich derweil selbstkritisch. Thomas Burgherr, Aargauer SVP-Präsident, sieht vor allem in den städtischen Gebieten Fehler im Wahlkampf: «Wir müssen zu den Leuten, das war immer unsere Stärke. Aber an vielen Orten haben wir damit aufgehört.»

Vielleicht seien die klassischen «Buurezmorge», welche die SVP seit Jahren quer durch die Schweiz bei vielen Wahlen veranstaltet im urbaneren Umfeld nicht das richtige Mittel, analysiert Burgherr.

Doch auch bei der SVP sieht man in den vielen finanzpolitischen Debatten einen Auslöser für das schlechte Abschneiden bei den Gemeindewahlen. «Die SVP hat in den Gemeinden klar gesagt, dass man weiter sparen müsse. Diese Sparbotschaft hören nicht alle Leute gerne», sagt Thomas Burgherr.

Sitzverteilung in Aargauer Einwohnerräten 2017

Ort
SVP
SP/JusoFDPCVPGrüneGLPBDPEVPLokaleParteilose
Aarau10
(-1)
14
(+2)
11
(+1)
3
(-)
5
(-)
2
(-1)
-
(-)
2
(-)
3
(-1)
-
(-)
Baden6
(-2)
9
(-)
11
(+1)
7
(-1)
4
(+1)
4
(+2)
-
(-)
1
(-)
8
(-1)
-
(-)
Brugg9
(-2)
10
(+1)
13
(-)
6
(-1)
6
(+1)
3
(+1)
-
(-)
3
(-)
-
(-)
-
(-)
Buchs10
(-3)
8
(+2)
8
(-2)
4
(-)
2
(-1)
1
(+1)
-
(-)
5
(+1)
-
(-)
2
(+2)
Lenzburg9
(-1)
10
(+1)
9
(+1)
3
(-)
2
(-1)
4
(-)
1
(-)
2
(-)
-
(-)
-
(-)
Ob. siggenthal
9
(-1)
8
(+1)
6
(-)
11
(-)
3
(-)
-
(-)
1
(-)
2
(-)
-
(-)
-
(-)
Wettingen11
(-1)
9
(-)
7
(-)
12
(-)
2
(-1)
4
(+2)
-
(-1)
3
(-)
2
(+1)
-
(-)
Windisch7
(-2)
18
(+4)
7
(-1)
5
(-)
-
(-)
-
(-)
-
(-)
3
(-1)
-
(-)
-
(-)
Wohlen11
(-2)
7
(+3)
6
(+1)
7
(-3)
3
(-)
3
(-)
-
(-)
1
(-)
2
(+1)
-
(-)
Zofingen9
(-1)
8
(-1)
8
(-1)
3
(-)
3
(+1)
5
(+1)
-
(-)
3
(-)
-
(-)
1
(+1)

23 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
    Die Wahlen von Mitglieder in Einwohnerräte sind oftmals "Personen-Wahlen"! Da schlägt das Pendel schnell von der einen zur anderen (Pol)Richtung! Es gab auch schon Einwohnerratswahlen, bei denen (nicht nur im Aargau) die SP viele Sitze verloren hat und die SVP dazu gewann! Aktuelle politische Geschäfte können in den Gemeinden sofort "Spuren hinterlassen"! Als Politbeobachter nehme ich solche "Verschiebungen" mit Sachlichkeit zu Kenntnis! Für die SVP-Hasser gab es sicher viel entkorkten Champis!
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  • Kommentar von Alex Schneider (Alex Schneider)
    Steuererhöhungen schmerzen vor allem die dünne Schicht der Besserverdienenden. Darum sind sie bei der Linken auch so beliebt. Mit konkreter Spar-Politik kann man nur sehr wenige Wählende für sich gewinnen. Gekürzte Ausgaben schmerzen immer einen Teil des Wahlvolkes, während Ausgabendisziplin nicht als besondere politische Leistung wahrgenommen wird. Das ist in Kurzform die Begründung für den Erfolg der Linken.
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  • Kommentar von Hans König (Hans König)
    Grundsätzlich werden in den Gemeinden eher die Köpfe gewählt, als die Parteien im Gegensatz zu den kantonalen und eidg. Wahlen.
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