Lokführer-Mangel bei Regionalbahn: WSB hat reagiert

Am Freitagabend fielen bei der Wynental- und Suhrentalbahn WSB fünf Züge aus - «infolge fehlendem Fahrpersonal». Der Lokführer hatte sich krank gemeldet und es stand kein Kollege zur Verfügung, der den Ausfall kompensieren konnte. Nun kündigt das Unternehmen an, mehr Lokführer auszubilden.

WSB

Bildlegende: Die AAR Bus und Bahn, zu der die WSB gehört, transportiert jährlich über 6 Millionen Passagiere. Stefanie Pauli/SRF

Die WSB hatte auf ihrer Website den Fahrgästen mitgeteilt, dass «infolge fehlendem Fahrpersonal (Krankheit)» die Züge nicht verkehren würden. Für drei Züge kamen Bahnersatzbusse zum Einsatz. Die Fahrgäste hätten sonst eine Stunde auf den nächsten Zug warten müssen.

Die Züge seien ausgefallen, weil ein Mitarbeiter um elf Uhr mitgeteilt habe, er können seinen Dienst nicht um 15 Uhr beginnen, sagte WSB-Direktor Mathias Grünenfelder am Mittwoch an einer Medienkonferenz. Der erkrankte Lokführer hätte insgesamt 12 Fahrten machen müssen. Die Aargauer Zeitung hatte über den Bahnausfall berichtet.

Lokführermangel angegangen

Es bestehe seit zwei Jahren ein Lokführermangel, sagte Grünenfelder. Weitere Mitarbeiter würden ausgebildet. Es dauere jedoch ein Jahr, bis ein Lokführer gemäss Dienstplan voll einsatzfähig sei. Mit den derzeit 45 Lokführern sei der Sollbestand knapp erreicht. In den Stosszeiten fährt die Regionalbahn im Viertelstundentakt.

Lokführer sind unzufrieden

Die WSB-Direktion hatte vor zwei Jahren Firmenarbeitsvertrag überarbeitet, vor allem um die Bedingungen für jüngere Lokführer zu verbessern. Die Zufriedenheit der Mitarbeitenden nahm jedoch ab, und es kam zu mehreren Kündigungen, wie Verwaltungsratspräsident Kaspar Hemmeler einräumte.

Lokfüherstand

Bildlegende: Die Ausbildung der Lokführer ist nicht von heute auf morgen realisierbar. Die WSB hat das Problem erkannt. Keystone

Der Schweizerische Eisenbahn- und Verkehrspersonal-Verband (SEV) ist mit der WSB-Direktion im Gespräch. Bei den Lokführern bestehe schon länger ein Engpass, sagte SEV-Gewerkschaftssekretärin Edith Graf-Litscher. Es bestünden keine personellen Reserven.

WSB: Kanton Aargau ist grösster Aktionär

Die Direktion müsse gemeinsam mit den Mitarbeitenden nach Lösungen suchen. Auch solle die Direktion den Druck auf die Bahnbesitzer machen, forderte Graf-Litscher.

Die WSB AG ist eine privatrechtliche Aktiengesellschaft. Grösster Aktionär ist der Kanton Aargau mit rund 43 Prozent, gefolgt von der Eidgenossenschaft (30 Prozent). Mehrere Gemeinden halten einen Anteil von insgesamt 20 Prozent.

Schmalspurbahn WSB

Die Schmalspurbahn WSB, die von Aarau aus nach Menziken und Schöftland fährt, transportiert als Vorortsbahn rund sechs Millionen Fahrgäste pro Jahr. Pro Tag werden auf der 32 Kilometer langen Bahnstrecke über 270 Fahrten gemacht. Der Umsatz beträgt 8,3 Millionen Franken.