Aargauer Regierungsrat Markus Dieth hat nach 100 Tagen noch keine grauen Haare

Markus Dieth musste als erste Amtshandlung das schlechteste Jahresergebnis des Kantons Aargau seit Menschengedenken präsentieren. Nun will er den Haushalt ins Gleichgewicht bringen. Sein Rezept: Den Bürgern reinen Wein einschenken. Am Freitag zog Dieth Bilanz nach 100 Tagen im Amt.

Markus Dieth hat ein Rezept, um nicht gestresst zu sein. Er achtet einfach nicht darauf, wie viele Stunden er arbeitet. Wenn es 20 Stunden sind pro Tag an sieben Tagen in der Woche, dann sei das halt so. «Wer keine Arbeitszeiten hat, kann auch nicht gestresst sein», so Dieth.

«  Es macht Spass, den Aargau zu regieren. »

Markus Dieth
Finanzdirektor seit 100 Tagen

Er ist bekannt als Optimist. Und auch nach 100 Tagen im Amt strahlt er noch immer wie am 23. Oktober 2016, dem Tag seiner glanzvollen Wahl in den Aargauer Regierungsrat.

Das Wetter am Freitag passt zu seiner guten Laune: Die Sonne strahlt mit ihm um die Wette und lädt zum Apéro auf Schloss Lenzburg im Freien. Man glaubt ihm, wenn er sagt: «Es macht Spass, den Aargau zu regieren. In der Regierung arbeiten wir sehr gut zusammen.»

Die Lenzburg hat Markus Dieth bewusst gewählt als Ort seiner Medienkonferenz nach 100 Tagen in der Regierung. Man hat von dort eine wunderbare Fernsicht in alle vier Himmelsrichtungen. Und Weitblick brauche er, das ist sich Markus Dieth bewusst. Auf ihn wartet nämlich eine schwierige Aufgabe.

Besondere Verantwortung des Finanzdirektors

Der Kanton Aargau hat das finanzielle Gleichgewicht verloren. Pro Jahr gibt er 200 Millionen Franken mehr aus, als er einnimmt. Und die Tendenz ist steigend. Allein die Gesundheitskosten zum Beispiel steigen jedes Jahr um 30 Millionen Franken an, das macht jedes Jahr zwei Steuerprozente aus.

«  Vertrauen schaffen, das geht nur über absolute Transparenz. »

Markus Dieth
Aargauer Regierungsrat

Klar ist für Dieth: Schwerpunkt seiner Regierungstätigkeit müsse die Sanierung des Haushaltes sein. Als Finanzdirektor stehe er dabei in einer besonderen Verantwortung, sagt er am Freitag. Denn die Finanzen seien ein Querschnittsdepartement, viele Fäden würden hier zusammenlaufen.

Allerdings: Markus Dieth weiss sehr genau, dass sich die Finanzlage nicht von heute auf morgen verbessern lässt. Firmen ansiedeln, die dann mehr Steuern zahlen, das braucht Zeit. Reformen im Gesundheits- oder Sozialwesen brauchen ebenfalls sehr viel Zeit, weil man dazu Gesetze auf nationaler Ebene ändern muss.

Deshalb müsse man kurzfristige Massnahmen auf den Tisch legen, damit man gleichzeitig die langfristigen Massnahmen anpacken könne, führt Dieth aus.

Was meint er konkret damit? Er will die Katze nicht aus dem Sack lassen und verweist auf die Auslegeordnung, welche die Regierung Mitte Mai präsentieren wolle.

Ein Preis für staatliche Leistungen

Aber zu entlocken ist ihm immerhin, dass die Regierung zum Beispiel in den nächsten Jahren darauf verzichten wolle, Schulden zurückzuzahlen. «Das schafft Luft. Es ist wie ein Schnorchel, um eine längere Strecke zu überstehen», sagt Markus Dieth.

Und weiter: Dem Volk müsse bewusst sein, dass staatliche Leistungen Geld kosten. «Wir müssen diese Leistungen mit einem Preisschild versehen. Dann weiss das Volk, was wie viel kostet und kann entscheiden, ob es sich das leisten will oder nicht.»

Überhaupt: Das Volk lasse sich nur von Entlastungesmassnahmen (Sparen, aber auch Mehreinnahmen) überzeugen, wenn es gut informiert sei. Immer und immer wieder betont Markus Dieth deshalb: «Wir müssen alles auf den Tisch legen. Ich will volle Transparenz.»

Haushaltsanierung

Mitte Mai will die Aargauer Regierung konkrete Vorschläge machen, wie sie den Haushalt sanieren will. Sehr genau will sie das Gesundheitswesen analysieren, dazu soll es einen separaten Bericht geben. Eine «Task Force Gesundheit» ist am Werk und durchleuchtet das Departement Gesundheit und Soziales.