Menschen 2013: Michael Hohl und der Kinderwunsch

Michael Hohl leitet das Kinderwunschzentrum am Kantonsspital Baden. Sein Institut ist national und international bekannt. In vielen Fällen kann es den Wunsch nach einem Kind erfüllen, dank modernster Reproduktions-Technologie. Aber die Möglichkeiten würden häufig überschätzt, warnt der Mediziner.

Michael Hohl

Bildlegende: Michael Hohl leitet das Kinderwunschzentrum Baden. 2014 wird es eine eigenständige Firma ausserhalb des Kantonsspitals. SRF

Er trägt den weissen Arztkittel. Den Ausdruck «Gott in Weiss» hält Michael Hohl aber für falsch, geradezu für dumm. «Niemand hier bei uns sieht sich so. Das ist ein Ausdruck, den höchstens die Medien benutzen.»

Sein Reich, das ist die Frauenklinik am Kantonsspital Baden und das Kinderwunschzentrum am selben Ort. Als Spezialist für Reproduktionsmedizin ist Michael Hohl für viele Paare die letzte Hoffnung, wenn sich ihr Kinderwunsch auf natürlichem Weg nicht erfüllt. In vielen Fällen kann Hohl helfen. Dann freut er sich über die Dankbarkeit der Eltern.

Medizin kann und darf nicht alles

Wegweiser Kinderwunsch

Bildlegende: Im Kantonsspital Baden werden Kinderwünsche wahr – aber nicht alle. SRF

Hohl stellt aber auch fest, dass viele Menschen die Möglichkeiten der Fortpflanzungsmedizin überschätzten. «Ich glaube, in der Öffentlichkeit hat man falsche Vorstellungen davon, was möglich ist. Man kann mehr machen als früher, aber die Grenzen sind in der Natur eigentlich ganz vernünftig gesetzt.»

«Natur» ist ein Wort, das im Gespräch mit Michael Hohl immer wieder auftaucht. Er hat grosse Ehrfurcht vor dieser «Natur», und er sieht sich nur als ihr «Erfüllungsgehilfe». Leben erzeugen, Leben erschaffen, das sei der Natur vorbehalten. Er selber könne nur die Rahmenbedingungen verbessern, damit die Natur besser funktioniere.

Als Reproduktionsmediziner steht Michael Hohl an der Schnittstelle zwischen Medizin, Technik, Ethik und Philosophie. Leitplanken seines Handelns sind die gesetzlichen Grundlagen. «Diese sind in der Schweiz grundsätzlich gut», betont Michael Hohl. So ist zum Beispiel die Leihmutterschaft verboten. In Indien hingegen boomt dieses Geschäft. Frauen tragen Kinder aus, fremde Kinder, die genetisch nichts mit der gebärenden Frau zu tun haben.

Manchmal könne das Gesetz aber auch zu restriktiv sein. Michael Hohl befürchtet, dass Schweizer Paare benachteiligt werden, wenn gewisse Methoden (z. B. Screening) nur sehr begrenzt eingesetzt werden können.

Michael Hohl ist 66 Jahre alt. Aber in den Ruhestand tritt er noch nicht. Ganz im Gegenteil: Eine neue Herausforderung steht bevor. Er ist Verwaltungsratspräsident der Firma Kinderwunschzentrum AG. Diese verlässt 2014 das Kantonsspital Baden und bezieht eigene Räume in einem Ärztehaus in Dättwil. Und dort wird Michael Hohl weiterhin versuchen, möglichst viele Kinderwünsche zu erfüllen.