Mümliswil: Treffen von ehemaligen Verdingkindern

Am Samstagnachmittag sind im Solothurnischen Mümliswil mehr als Hundert ehemalige Verdingkinder zusammen gekommen. Sie übergaben dort der nationalen Gedenkstätte die einzig verbliebene Büste von Carl Albert Loosli. Loosli war ein grosser Schriftsteller und Kämpfer gegen das Verdingkinderwesen.

Mädchen in einem Kinder- und Jugendheim beim Lesen und Stricken, beaufsichtigt von einer Ordensfrau.

Bildlegende: Mädchen in einem Kinder- und Jugendheim beim Lesen und Stricken, beaufsichtigt von einer Ordensfrau. Bundesarchiv

Die ehemaligen Verdingkinder trafen sich, um der letzten verbliebenen Büste von Carl Albert Loosli ein zu Hause zu geben. Loosli war für die Verdingkinder sehr wichtig. Er war der Erste, der sich gegen das Verdingkinderwesen engagiert hatte.

«Er hat sich engagiert, in einer Zeit, in der das nicht einfach war», sagt Guido Fluri. Er ist Gründer der Gedenkstätte in Mümliswil, Präsident der Guido Fluri Stiftung und Initiant des Volksbegehrens für Wiedergutmachung für Verdingkinder (siehe Videos unten).

Büste soll Erinnerung an Verdingkinderwesen wachhalten

Die Verdingkinder kamen zusammen in der ersten nationalen Gedenkstätte im ehemaligen Kinderheim Mümliswil. Die CA-Loosli-Gesellschaft übergab die Büste zusammen mit ehemaligen Verdingkindern an die Gudio-Fluri-Stiftung. Nun ist sie Teil der Gedenkstätte.

«Mit der Büste von Carl Albert Loosli möchten wir der Gesellschaft zeigen, dass es immer noch ein aktuelles Thema ist, und man nicht wegschauen sollte», so Fluri im Interview mit dem Regionaljournal Aargau Solothurn von Radio SRF.

Aktuell sieht Fluri vor allem noch ein Problem im Pflegekinderwesen: Die «Kommerzialisierung». Die an Pflegeeltern ausbezahlten Beiträge würden zum Teil falsche Anreize setzen und nicht immer im Sinne der Kinder eingesetzt.

(Regionaljournal Aargau Solothurn, 17:30 Uhr)