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Aargau Solothurn Nach Ausschreitungen im Brügglifeld: «Meisterfeier verbieten!»

Nach dem Spiel zwischen dem FC Aarau und dem FC Basel ist es am Donnerstagabend im Stadion Brügglifeld zu wüsten Szenen gekommen. Basler Hooligans gingen mit Fahnenstangen auf den Aarauer Block los. Es gab Verletzte und hohe Sachschäden. Der Sicherheitschef des FC Aarau ist schwer enttäuscht.

Der FC Basel gewinnt mit 3 zu 1 gegen den FC Aarau und wird damit eine Runde vor Saisonschluss zum Schweizer Meister. Die Freude und Erleichterung beim Team ist gross, bei den meisten Fans ebenfalls. Doch einzelne Hooligans können offenbar nicht mit den positiven Gefühlen umgehen.

Eine Horde Basler Hooligans stürmt das Spielfeld. «Es war ein gezielter Angriff auf den Aarauer Fanblock», sagt Sicherheitschef Leo Locher gegenüber Radio SRF. Die Sicherheitskräfte hätten gegen die grosse Anzahl Hooligans kaum vorgehen können, die Polizei musste zu Hilfe kommen. Sie setzte gemäss eigenen Angaben vom Freitag dabei auch Gummischrot ein.

Verletzte und hoher Sachschaden

Fans stürmen Spielfeld, im Hintergrund Rauch und rotes Feuer.
Legende: Nach dem Sieg des FC Basel stürmen die Fans des Schweizermeisters das Spielfeld im Stadion Brügglifeld. Keystone

«Einige vermummte Randalierer suchten gezielt die Konfrontation mit den Aarauer Fans», heisst es wörtlich in der Mitteilung der Kantonspolizei. Die Polizei spricht von mehreren Verletzten. Leo Locher ergänzt: «Wir mussten verschiedene Aarauer Fans ins Spital einweisen. Bei den Basler Fans gab es vor allem Handverletzungen, weil diese die Gitter-Abschrankungen nieder gerissen haben.»

Auch das Stadion Brügglifeld sei arg in Mitleidenschaft gezogen worden, erklärt Leo Locher. «Wir haben massive Sachschäden, es geht sicher um mehrere zehntausend Franken.»

Ausserhalb des Stadions blieb es hingegen ruhig. Die grosse Mehrheit der Gästefans habe Aarau mit dem Extrazug nach Basel verlassen. In der Stadt sei es in der Folge noch zu «vereinzelten Scharmützeln und kleineren Schlägereien unter betrunkenen Fans» gekommen. Gegen 1 Uhr sei dann endgültig Ruhe eingekehrt.

«Man sollte die Meisterfeier verbieten»

Beim FC Aarau reagiert man nach den Krawallen konsterniert. Sicherheitschef Leo Locher: «Es wird viel zu wenig gegen die Fangewalt gemacht.» Die Kritik des abtretenden Aarauer Sicherheitschefs richtet sich dabei gezielt an den FC Basel. «Die Basler Fans fallen seit Wochen negativ auf.» Leo Locher fordert deshalb radikale Strafen: «Man sollte den Baslern ihre Meisterfeier verbieten.»

Leo Locher ist seit über 30 Jahren Sicherheitschef im Brügglifeld. Nach seinem letzten Einsatz in diesem Amt nimmt er kein Blatt mehr vor den Mund. Auch neue Gesetze hätten nichts gebracht. «Das Hooligan-Konkordat ist schön und gut. Aber was wird umgesetzt? Ich merke hier gar nichts davon.»

Auf der anderen Seite gibt Leo Locher aber auch zu, dass die veraltete Infrastruktur im Brügglifeld problematisch sei für ein solches Spiel. «Natürlich wäre in einem modernen Stadion etwas weniger passiert. Aber verhindern hätten wir die Krawalle nicht können.»

Das Brügglifeld bleibt im Einsatz

Basler Hooligans gehen mit Eisenstangen auf Aarauer Hooligans los
Legende: Basler Hooligans gehen mit Stangen auf Aarauer Hooligans los: Die Fangruppen provozierten sich nach dem Spiel. Keystone

Die Swiss Football League will ebenfalls auf die Szenen vom Brügglifeld reagieren, wie Geschäftsführer Claudius Schäfer gegenüber Radio SRF erklärte. Allerdings: «Der FC Aarau hat in erster Instanz eine Lizenz erhalten für die nächste Saison. Es wird also sicherlich weiter Fussball gespielt im Brügglifeld.» Allenfalls müsse man weitere bauliche Massnahmen anordnen, so Schäfer weiter.

In einer schriftlichen Stellungnahme verlangt der Liga-Präsident eine konsequente juristische Aufarbeitung der Ereignisse. Man müsse die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Geschäftsführer Claudius Schäfer hat die Szenen im Brügglifeld selber erlebt. Er wird in der Mitteilung wie folgt zitiert: «Es ist unbegreiflich, weshalb Anhänger eines Siegerteams sich lieber prügeln, als ihre Meistermannschaft zu feiern.»

Legende: Video «Basler Fans stürmen Spielfeld» abspielen. Laufzeit 3:20 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 16.05.2014.

84 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Kermann, Basel
    Das Tabu mit der Gewalt. Je mehr wir die Gewalt unterdrücken wollen, desto mehr bricht sie aus. Vielleicht besteht die Lösung darin, sie zu erlauben? Es ist Tatsache das es immer gewaltbereite Hooligans geben wird. Wieso nicht nach jedem Spiel eine "Fightzone" einrichten in der es erlaubt ist sich ohne Waffen zu prügeln? Eine über den Eintrittspreis bezahlte Versicherung übernimmt die Bezahlung der Wundversorgung. Ergebnis: Alle die prügeln wollen treffen aufeinander und der Rest hat Ruhe?
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    1. Antwort von Markus Baumann, Pratteln
      Am besten nach einem Fussballspiel. Dann sollte man eine eigene kleine Hools-Arena einrichten mit Direktverbindung zur Notfallaufnahme eines Spitals. Das wäre dann eine eigene Sportart. Hoolsbattle. Dort dürfen sich die Hools der Superliguevereine eine Prügelmeisterschaft liefern. Mit Rangliste, aber ohne Regeln und ohne Schiris. Gezählt werden die Anzahl Verletzten und die Kubikmeter zertrümmerter Sperrmüll, der von einer Recyclinfirma gesponsert wird. Direktübertragung SRF mit Hüppi.
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    2. Antwort von Reto Munteler, Zürich
      @Baumann; Das erinnert mich irgendwie an römische Zeiten. Für Schlägereien mit Toten und Verletzten baute man damals auch riesige Arenen. Witziger Vorschlag von Ihnen, aber bezahlen daran möchte ich sicher nichts, auch nicht über die Krankenkassenprämie.
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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    In einem anderen Artikel hats geheissen, die Verantwortlichen seien ueberrascht gewesen wegen der Randale... wie dumm und naiv muss man sein um "sich ueberrascht" zu fuehlen? Buessen, beide Clubs, mit hohen Summen, das mag helfen!
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  • Kommentar von Marcel Schilter, 6063 Stalden
    Bravo! Nurweiter so! Super Justiz! Es ist halt nicht so einfach wie beim Autofahrer, da ist ja man gleich ein Schwehrverbrecher und wird abgezokt. Da geht das Randalieren und Prügeln viel einfacher. Bleibt Zuhause liebe Fussballfans! Es das Geld nicht wert! Im leeren Stadion wird nimand Randalieren.
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