Nahrungsmittel statt Ökoflächen: Aargauer Bauern wehren sich

Der Bauernverband Aargau hat an seiner Generalversammlung vom Mittwoch eine Resolution verabschiedet. Die Bauern fordern vom Kanton mehr Geld und weniger verordnete Ökoflächen. Der Berufsstand sieht sich in seiner eigentlichen Aufgabe immer mehr eingeschränkt.

Ein Traktor auf einem Feld, dahinter Eisenbahnlinien.

Bildlegende: Aargauer Bauern sehen sich immer mehr in der Rolle von Naturschützern statt von Nahrungsmittelproduzenten. Keystone

Im Kanton Aargau sei bereits heute überdurchschnittlich viel Land als Ökofläche ausgeschieden, so der Bauernverband Aargau (BVA) in einer Mitteilung. Dazu würden bei jedem grösseren Bauprojekt weitere Ausgleichsflächen zu Ökoland, staatlich verordnet. Der Bauernverband will dieser Entwicklung nun einen Riegel schieben.

Geschützte Gebiete im Kanton

  • 6700 Hektaren Ökoflächen
  • 1900 Hektaren Naturschutzflächen
  • 1800 Hektaren Auenschutzgebiet
Übergabe der Petition mit vier lachenden Herren

Bildlegende: Die Vertreter des BVA übergeben die Resolution an Grossratspräsident Thierry Burkart und Finanzdirektor Roland Brogli. zvg

Die staatlichen Eingriffe führten dazu, dass immer mehr Ökoflächen, aber immer weniger Ackerland für die Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung stehe.

Ein weiterer Ausbau der Ökoflächen hätte gravierende Folgen, erklärt der Geschäftsführer der Aargauer Bauern gegenüber Radio SRF. Ralf Bucher: «Wir müssten noch mehr importieren. Wir importieren schon jetzt mehr als 40 Prozent unserer Nahrungsmittel. Und die Ökobilanz dieser Nahrungsmittel ist schlechter. Deshalb ist eine Produktion im Aargau auch nachhaltiger.»

Die Resolution fordert deshalb eine «qualitative Aufwertung» der Ökoflächen statt deren «quantitative Ausdehnung» und schliesslich einen Verzicht auf weitere Ausgleichsflächen bei Infrastrukturbauten und Gewässerrenaturierungen.

Bauern wollen auch mehr Geld vom Kanton

Die Bauern haben aber auch finanzielle Forderungen: Der Kanton Aargau setze die Agrarpolitik des Bundes nur ungenügend um, so Ralf Bucher. Durch die neuen Regelungen entgehen den Bauern Direktzahlungen in Millionenhöhe. Der Kanton könnte einen Teil davon abfedern, drücke sich aber bisher um eine Lösung.

Es geht um ein freiwilliges Programm für die Bauern. Wenn sich Bauern dafür entscheiden, erhalten sie höhere Direktzahlungen. 90 Prozent dieser Kosten trägt der Bund, 10 Prozent aber nicht. «Da läuft im Moment der Kampf um diese 10 Prozent», erklärt Ralf Bucher. «Bezahlen das die Gemeinden, der Kanton oder gar niemand? Wenn niemand es bezahlt, dann verlieren die Bauern sehr viel Geld.» 14'000 Franken pro Betrieb, rechnet der Bauernverband vor.

Auch diese finanzielle Forderung wird in der Petition der Bauern formuliert. Man erwarte genügend kantonale Mittel für eine «flächendeckende Einführung der freiwilligen Programme», heisst es wörtlich. Die Resolution wurde von Grossratspräsident Thierry Burkart und Finanzdirektor Roland Brogli entgegen genommen. Einen direkten politischen Einfluss hat sie allerdings nicht.

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