Neuer Bözbergtunnel: Thermalwasser sorgt kaum mehr für Aufregung

Ab 2016 soll ein neuer Eisenbahntunnel durch den Bözberg gebaut werden. Seit dieser Woche liegen in den Gemeinden die Pläne für das 350 Millionen-Projekt auf. Am meisten wäre Schinznach von der Tunnel-Baustelle betroffen. Die Angst ums Thermalwasser ist aber nicht mehr so gross wie vor 20 Jahren.

LKW auf Schiene

Bildlegende: Die Schweiz will mehr und grössere LKW auf der Schiene befördern. Der alte Bözbergtunnel ist dafür aber zu klein. Keystone

Es geht um weit mehr als nur um einen neuen Tunnel. Das weiss auch Schinznachs Gemeindeammann Urs Leuthard: «Wir haben das schon realisiert, dass wir ein wichtiger geografischer Punkt sind. Wir sind hier mittendrin». Mittendrin zwischen Rotterdam und Mailand, an der wichtigen Strecke durch den neuen Gotthard-Basistunnel.

Die Schweiz möchte die Strecke für über 700 Millionen Franken durchgehend so ausbauen, dass künftig auch grosse Lastwagen mit der Bahn transportiert werden können. Ein «4-Meter-Korridor» soll entstehen. Heute passen die 4 Meter hohen Züge, welche Lastwagen von Nord nach Süd transportieren, nicht durch alle Tunnels. Insbesondere der Bözbergtunnel im Aargau stellt ein Hindernis dar.

Luftaufnahme

Bildlegende: Nach dem alten Eisenbahntunnel und dem Autobahntunnel soll der Bözberg nun einen dritten Durchgang erhalten. Keystone

4 Jahre Bauzeit für 2,7 Kilometer

Seit Anfang Woche liegen nun die genauen Pläne für einen neuen Bözbergtunnel öffentlich auf. Geplant ist, dass sich 200 Arbeiter mit einer Tunnelbohrmaschine 2,7 Kilometer durch den Berg bohren und dabei rund 520‘000 Kubikmeter Ausbruchmaterial herausschaffen. Ein komplett neuer Tunnel für 350 Millionen Franken soll entstehen, parallel zum bestehenden Tunnel, der nach dem Bau als Rettungsstollen dienen soll.

Bis zum 18. August können Betroffene in den Gemeinden Effingen, Bözberg, Schinznach, Schinznach-Bad, Zeihen, Holderbank und Möriken-Wildegg gegen die Tunnel-Pläne Einsprache machen. Am meisten betroffen von der grossen Baustelle wäre die Gemeinde Schinznach. Hier käme das Ausbruchmaterial als erstes hin, und hier würden die meisten Lastwagen auf dem Weg zur Baustelle durchfahren.

«Für die Bevölkerung erträglich»

Gemeindeammann Urs Leuthard rechnet trotzdem nicht mit grossem Widerstand, wie er dem Regionaljournal erklärt: «Wir haben ja bereits Erfahrungen vom Bözberg-Autobahntunnel. Bei diesem Bau haben wir gute Erfahrungen gemacht. Wir sind im Gespräch mit der SBB und den Baufirmen, und ich glaube, wir können das so realisieren, dass es für die Bevölkerung erträglich sein wird».

Schinznach kann auch profitieren. Die SBB beteiligen sich nämlich finanziell an der neuen Entlastungsstrasse von Schinznach, welche diesen Sommer gebaut wird. Die SBB können im Gegenzug die neue Strasse als Zufahrt zur Baustelle benutzen. Gemeindeammann Leuthard spricht von einer «Win-Win-Situation».

Angst ums Thermalwasser

Eine besondere Herausforderung für die Bauarbeiter stellt die Thermenschutzzone dar. Diese 410 Meter lange Zone befindet sich beim Tunnelportal in Schinznach. Hier fliesst mutmasslich ein Teil des Thermalwassers hindurch, welches das Bad Schinznach speist.

Beim Bau des Autobahntunnels vor 20 Jahren sorgte das Thermalwasser für grosse Aufregung und Diskussionen. Die Angst ging um, es könnte verschmutzt werden oder versiegen. Und die Aufregung ist noch nicht vergessen, wie Marcus Rudolf von der Geschäftsleitung der Bad Schinznach AG dem Regionaljournal bestätigt.

SBB und Bad Schinznach haben Vereinbarung getroffen

LKW-Verlad

Bildlegende: Mit einem Kran werden im Terminal Aarau der Hupac AG Container von der Schiene auf die Strasse verladen. Keystone

Marcus Rudolf sagt aber auch: die Beteiligten hätten die Lehren gezogen aus den Diskussionen vor 20 Jahren. «Von uns her stimmts», bilanziert Rudolf das neue Tunnelprojekt im Namen der Bad Schinznach AG.

Die SBB habe von Anfang an offen informiert, lobt der Direktor Bäder und Technik. Geologen der SBB hätten mit den Geologen der Bad Schinznach AG zusammen gearbeitet, die Wünsche des Bads seien berücksichtigt und eine Vereinbarung unterschrieben worden.

Bad macht keine Einsprache gegen Tunnel

«Von Seiten Bad Schinznach wird es keine Einsprache geben», stellt Marcus Rudolf denn auch klar. «Wenn die Massnahmen, die wir vereinbart haben, so umgesetzt werden, sind wir zufrieden».

Wegen der Wünsche der Bad Schinznach AG werde der Tunnel etwas teurer als ursprünglich geplant, sagt Rudolf. Unter anderem werden offenbar im Bereich der Thermenschutzzone die Tunnelwände hinter der Bohrmaschine so rasch abgedichtet und verkleidet wie möglich.