«Notfall Kantonsspital»: Heinz Locher zum Finanzloch des KSA

Das Kantonsspital Aarau schreibt vermutlich ein Defizit von 30 Millionen Franken. Das Spital beklagt sich über mangelnde Beiträge der Krankenkassen - viele Patienten brächten zu wenig Einnahmen. Gesundheitsökonom Heinz Locher sieht andere Gründe.

Portrait von Heinz Locher

Bildlegende: Gesundheitsökonom Heinz Locher beobachtet die Spitallandschaft genau. Mit dem KSA geht er hart ins Gericht. Keystone

Ein Loch von 30 Millionen Franken in der Kasse des Kantonsspitals Aarau (KSA): Mit dieser Nachricht erschreckte das KSA kürzlich die kantonale Politik. Das Spital beklagt sich: Man habe zwar viele Fälle, viele davon seien aber nicht wirklich rentabel. Zum Beispiel brächten die fix vorgeschriebenen Fallpauschalen bei Geburten zu wenig Geld ein.

Kritikpunkt Personalwachstum

Wegweiser zum Notfall im KSA Aarau.

Bildlegende: Das Kantonsspital Aarau erwartet einen Verlust von 30 Millionen Franken: Schuld daran sei die (zu) tiefe Baserate. SRF

Auch die Grundtaxe des Kantonsspitals sei zu tief, sagen die Verantwortlichen. Dieser Basispreis, der für die Kostenberechnung von Operationen als Grundlage genommen wird, sei in den letzten Jahren konstant gesunken. Schuld daran: Die Krankenkassen und die Politik. Sie handeln diesen Preis aus bzw. legt ihn fest.

Gesundheitsökonom Heinz Locher gilt als Kritiker der Spitäler. Er sieht denn neben den äusseren Faktoren, die es allen Spitälern schwer machten richtig zu Budgetieren auch andere Gründe für das Finanzloch in der KSA-Kasse. «Seit 2010 hat es ein starkes Personalwachstum gegeben. Diese aggressive Wachstumspolitik ist aus wirtschaftlicher Sicht problematisch», erklärt Locher im Gespräch mit Radio SRF. Er empfiehlt dem KSA: «Schuster bleib bei deinen Leisten.»

Zu viele Spitäler in der Region

Generell findet Heinz Locher, es gebe zu viele Spitalangebote in der Region. Das Kantonsspital Baden ist nur etwa 23 Kilometer von Aarau entfernt, das Kantonsspital Olten im Kanton Solothurn nicht einmal 15 Kilometer.

«Die heutige Spitalstruktur mit dem Leistungsangebot der Regionalspitäler wird mittelfristig nicht aufrecht erhalten bleiben. Dazu ist der Druck zu gross. Das bedeutet aber nicht, dass man Häuser schliessen muss, sondern dass man ihnen Aufgaben geben muss, die sie gut und wirtschaftlich umsetzen können.»

Kritik auch an der Politik

Als positive Beispiele, welche diesen Schritt schon gemacht haben erwähnt Locher den heutigen Betrieb des ehemaligen Bezirkspitals Brugg oder das Spital Zofingen, dass heute eine Art Tochtergesellschaft des Kantonsspitals Aarau ist.

Die meisten Spitäler hätten häufig ein zu breites Sortiment um die Qualität zu halten, betont Locher. Er fordert Transparenz gegenüber den Patienten, damit diese das beste Spital für ihre Bedürfnisse wählen könnten.

Die Steuerung durch die Politik sei zur Zeit nicht optimal, weil: «Gesundheitspolitik wird immer auch zu Regionalpolitik.» Neben den Spitälern sieht Heinz Locher daher auch die Politik gefordert.