Oftringen: «Wir leiden heute noch unter den Folgen von Leukerbad»

Viele Aargauer und Solothurner Gemeinden hatten in den 1990er Jahren Leukerbad Geld geliehen. Doch die Walliser Gemeinde ging pleite. Zu den grossen Verlierern gehörten damals Rheinfelden und Oftringen: Sie verloren fast zwei Millionen Franken. In beiden Gemeinden sind die Folgen noch heute spürbar.

Wer heute in Oftringen lebt und nach Leukerbad in die Ferien geht, wird im Dorf den einen oder einen Spurch zu hören bekommen: «Denk dran: Wenn du ins Thermalbad gehst, musst du einen Rabatt verlangen.» Die Oftringer haben nicht vergessen, dass ihre Gemeinde vor rund 20 Jahren der Walliser Gemeinde Leukerbad viel Geld geliehen hat, und wenig zurückbekommen hat.

Auf den Höhenflug folgte der Totalabsturz

In den 1990er Jahren galt die Walliser Gemeinde Leukerbad als aufstrebende Gemeinde, als Vorbild in Sachen Tourismus. Viel wurde investiert: Gebaut wurden unter anderem eine Sportarena und eines der modernsten Thermalbäder. Der Höhenflug nahm 1999 ein abruptes Ende: Die Gemeinde wurde bevormundet, weil sie einen Schuldenberg von rund 350 Millionen Franken angehäuft hatte.

Zuvor hatten 161 Gemeinden in der ganzen Schweiz Leukerbad Geld geliehen. Aarau, Lenzburg, Olten und Zuchwil sind nur einige grössere Gemeinden aus der Region. 40 Gemeinden hatten über die sogenannte Emmissionszentrale Geld an andere Gemeinden ausgeliehen. Sie erhielten 22 Prozent ihres Geldes wieder zurück. Anders Rheinfelden und Oftringen.

Oftringen und Rheinfelden verloren am meisten Geld

Geld auf Tisch

Bildlegende: Geld ausleihen ist eine heikle Sache. Die Gemeinde Leukerbad konnte vor 15 Jahren Millionen nicht zurückzahlen. Keystone

Die beiden Gemeinden hatten damals ihr Geld über einen Makler direkt an Leukerbad überwiesen. Ein Fehler, wie sich später herausstellte. Beide Gemeinden erhielten nichts zurück. Oftringen wie auch Rheinfelden hatten damit je rund zwei Millionen Franken in den Sand gesetzt. So viel wie keine andere Schweizer Gemeinde.

«Wir leiden heute noch unter den Folgen des Leukerbad-Zusammenbruchs», erklärt Julius Fischer, Gemeindeammann von Oftringen, gegenüber der Abendausgabe des Regionaljournals Aargau Solothurn. Die zwei Millionen Franken würden heute noch in den Finanzen der Gemeinde spürbar fehlen.

Grosse Wut in Oftringen

Oftringen hat per Ende 2013 eine Nettoverschuldung von über 21 Millionen Franken. Fischer war damals noch nicht Gemeindeammann, aber er erlebte die Gemeindeversammlung mit, als die schlechte Nachricht bekannt wurde.

«Im Saal war eine Wut zu spüren», erinnert er sich. Und noch heute müsse man als Politiker hie und da hören, dass man im Fall Leukerbad Geld verloren habe. Oftringen und seine Bewohner würden das Thema aber mittlerweile mit Humor angehen - eben mit Sprüchen.

Rheinfelden leidet kaum unter den Folgen

In Rheinfelden spürt man die finanziellen Auswirkungen weniger. Finanzverwalter Jürg Gasser erklärt, dass Rheinfelden rein finanziell gesehen auch heute noch einen solchen Betrag verleihen könnte. Aber: «Seither hat Rheinfelden keiner Gemeinde mehr Geld geliehen», erklärt er. Soweit sei es nie mehr gekommen, obwohl Rheinfelden grundsätzlich kein Verbot in diese Richtung erlassen hat.

Keine Darlehen mehr an andere Gemeinden

«Wir haben aber unsere eigenen Richtlinien und Vorgaben angepasst und seither erhalten nur noch Aargauer Gemeinden Geld», sagt Gasser. Er war bereits im Amt, als Leukerbad 1999 bevormundet wurde und erlebte den Fall selber mit.

Auch Oftringen hat seit dem Fall Leukerbad keiner anderen Gemeinde mehr Geld geliehen. «Das hat aber zwei Gründe», meint Julius Fischer. Zum einen sei man vorsichtig geworden in Oftringen, «und zum anderen hätte die Gemeinde das Geld ja gar nicht mehr.»

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