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Aargau Solothurn Palastrevolution in Oberwil-Lieli gegen Amman Andreas Glarner

Sie ist 24 Jahre alt, Studentin, nahm am Freitag zum ersten Mal in ihrem Leben an einer Gemeindeversammlung teil und landete gleich einen Coup: Johanna Gündel, Gründerin und Sprecherin der «Interessengemeinschaft solidarisches Oberwil-Lieli» siegte gegen Gemeindeammann Andreas Glarner.

Johanna Gündel
Legende: Johanna Gündel, Gründerin und Sprecherin der «IG solidarisches Oberwil-Lieli». zvg

Die Ausgangslage

  • Amman Andreas Glarner, SVP, will keine Asylbewerber im Dorf
  • Im Budget 2016 stellte er 290'000 Franken ein, um sich von der Aufnahmepflicht loszukaufen
  • Die «IG solidarisches Oberwil-Lieli» stellte einen Antrag, dass die Gemeinde Asylbewerber aufnehmen muss
  • Der Antrag kam durch mit 176 Ja zu 149 Nein
  • Der Gemeinderat prüft nun, ob er Container aufstellen kann für die Asylbewerber
  • Gegen den Entscheid der Gemeindeversammlung könnte das Referendum ergriffen werden

Die Senkrechtstarterin Johanna Gündel

Johanna Gündel, wie haben Sie sich gefühlt, nachdem Ihr Antrag durchgekommen ist?

Wir waren sehr unsicher. Es ist ja bekannt, dass Herr Glarner sehr viel Rückhalt hat im Dorf. Die Frage war: Bringen wir unsere Leute in die Halle und sind es genug? Als wir alle unsere Händchen hoch hielten, konnte man nicht abschätzen, wie es ausgehen würde, es sah eng aus. Als die Zahl dann bekannt war, herrschte natürlich eine riesige Freude. Ja, es war eine Überraschung.

Andreas Glarner war einerseits Partei, er und der Gemeinderat wollen ja keine Asylbewerber im Dorf. Andererseits muss Andreas Glarner als Leiter der Gemeindeversammlung auch neutral sein. Hat er das gut gemacht?

Die Diskussion hat er sehr gut geführt. Er war neutral, weil er alle Leute reden liess. Und wenn jemand, egal von welcher Seite, am Thema vorbeigeredet hat, hat er diese Person abgeklemmt. Was man sagen muss: Er hat versucht, für seine Sache Propaganda zu machen. Er hat Bilder gezeigt von vielen Männer, die kommen würden. Plötzlich sah man auch Bilder von Paris, von Sprengstoffgürteln und die Frage, wer denn da kommen würde. Das Dorf hat ihn dann aber abgeklemmt, da kam aus dem Saal Protest, das sei Manipulation, hiess es. Dann brach Glarner seine Präsentation ab.

Wie geht es jetzt weiter in Oberwil-Lieli? Der Gemeinderat spricht davon, dass er nun Container aufstellen will. Wird sich die «IG solidarisches Oberwil-Lieli» um Asylbewerber kümmern?

Im Moment liegt der Ball beim Gemeinderat. Diesem werden wir genau auf die Finger schauen. Wenn die Asylanten dann kommen, müssen wir Begegnungsräume schaffen, dass man Ängste abbauen kann. Man soll die Asylanten als Personen wahrnehmen und eben nicht nur als «die Asylanten». Wir werden uns bemühen darum, sie in die Gemeinschaft aufzunehmen.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Peach Meier (Peach Meier)
    28 Stimmen unterschied. Würde mich wunder nehmen wie das ausgefallen wäre, wenn man im Dorf eine anonyme Abstimmung mit allen gemacht hätte? Vermute, das an der Gemeindeversammlung alle Flüchtlingsfreunde teil genommen haben und es durch gewisse Drücke immer noch viele ältere Menschen gibt, die sich nicht outen und aufstehen und sagen, dass sie das hier nicht wollen! Sich dann aber bei mir in der Küche beklagen, dass sie sich nicht mehr sicher fühlen und das auch nicht haben wollen.
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    1. Antwort von Rolf Bolliger (robo)
      Herr Meier schreibt genau die Fakten, die viele "Aussenstehende" nach dieser "Oberwil-Lieli-Gemeindeversammlung" auch sofort in gleicher Realität annahmen! Nur, nachher zu jammern nützt nichts, "man" müsste halt als kritische Bürger zum laufenden "Asyl(un)wesen", an der Versammlung teilnehmen und sich offen und klar äussern oder mindestens so abstimmen! Jetzt bleibt in Oberwil-Lieli (und in all den anderen "vergewaltigten" Gemeinden!) nur: "Abwarten und Tee trinken"!
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  • Kommentar von Werni Weber (Werni Weber)
    Wenn ein Gemeinderat alte Häuser mutwillig zerstören lässt, nur um keine Flüchtlinge aufnehmen zu müssen, sind die Kosten für die (reiche) Gemeinde nun grösser. Gratuliere der Initiantin Johanna Gündel und den anderen 175 besonnenen BürgerInnen. So hat die Schweiz eine Zukunft.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    Lieli hat eine junge "Heldin"! Der konservative, sture und "unmenschliche" SVP-Gemeindeamman Glarner wurde an der Gemeindeversammlung mit 176 gegen 149 Stimmen "besiegt"! Nun, lassen wir den Medien diesen Freudentag vorerst geniessen und auskosten. Wir werden vielleicht bald ganz andere Dimensionen im "Asyl(un)wesen" erleben und behandeln müssen! Uebrigens, die 149 Gegenstimmen sind ganz bestimmt nicht alles SVP-Wähler oder Sympathisanten, sondern steuerzahlende Bürger(innen), die besorgt sind!
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