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Paul Scherrer Institut Forscher verletzten «Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis»

  • Forscher des Paul Scherrer Instituts in Villigen AG haben die «Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis» verletzt. Dies ergab eine interne Untersuchung.
  • Ein Aufsichtsverfahren beim ETH-Rat zu finanziellen Verfehlungen ist hingegen noch nicht abgeschlossen.
  • Im Sommer 2017 hätten zwei Mitarbeiter bei der Fachzeitschrift «Nature Communications» einen Artikel eingereicht, der «Aspekte wissenschaftlichen Fehlverhaltens» enthalte, so der Vorwurf.
  • Die Forscher wollten gemäss Gutachtern Leser von «Nature Communications» in die Irre führen und hätten die Täuschung der potenziellen Leserschaft in Kauf genommen.
PSI
Legende: Aussenansicht des 1999 fertiggestellten Gebäudes für die Synchrotron Lichtquelle Schweiz (SLS) des Paul Scherrer Instituts PSI in Villigen. Keystone

PSI-Direktor Joël Mesot leitete nach den bekannt gewordenen Vorwürfen ein internes Verfahren ein. Eine Kommission, die sich aus externen und internen Experten zusammensetzte, wurde mit der Klärung beauftragt. Sie sichtete die Dokumente, führte vier Befragungen durch und hörte auch die Beschuldigten an, wie das PSI am Donnerstag mitteilte.

Gutachter in die Irre geführt

Die Expertenkommission lastet den PSI-Forschern fünf inhaltliche und methodische Fehler an, die den Richtlinien zur Integrität der Forschung beim PSI widersprächen. So dokumentierten die Wissenschaftler ihre Aufarbeitungen und Berechnungen nicht nach geltenden Regeln. Zudem stellte die Untersuchungskommission «unzulässige Manipulation in der Darstellung unterschiedlicher Experimente» fest.

Fall wurde im Januar publik

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Über den Konflikt hatte im Januar die «NZZ am Sonntag berichtet». Dabei wurde bekannt, dass ausserdem Vorwürfe über finanzielle Unregelmässigkeiten im Raum stehen. Der ETH-Rat als Aufsichtsbehörde des PSI leitete deswegen ein Aufsichtsverfahren ein.Die Abklärungen seien noch nicht abgeschlossen, hiess es beim ETH-Rat auf Anfrage. Die Resultate dürften im Spätsommer vorliegen.

Weiter sei die Versuchsanordnung nicht nachvollziehbar und die Forscher hätten Grauzonen riskiert, insbesondere in Bezug auf die Reproduzierbarkeit der Experimente. Als letzten Mängel listen die Experten die unzureichende Erwähnung von Unsicherheiten im Diskussionsteil einer Veröffentlichung auf.

Die Forscher hätten die Gutachter von «Nature Communications» in die Irre geführt und die Täuschung der potenziellen Leserschaft in Kauf genommen. Dies vor allem dadurch, dass sie die verwendeten Methoden nicht adäquat dargestellt hätten und irreführend mit den Gutachtern korrespondiert hätten. Der betreffende Artikel wurde zwar eingereicht, aber nicht veröffentlicht.

Forschungsgruppe aufgelöst

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  • Als Konsequenz aus den Erkenntnissen wurden die beiden Mitarbeitenden verpflichtet, darauf hinzuarbeiten, das fehlerhafte Manuskript zurückzuziehen.
  • Da weitere Autoren daran mitgewirkt hatten, muss ein Rückzug aber im Einverständnis aller Autoren erfolgen, wie das PSI schreibt.
  • Der Herausgeber des Fachjournals wurde zudem über die Untersuchungsergebnisse informiert, wie auch der Schweizerische Nationalfonds (SNF), da die Autoren Forschungsgelder aus dieser Quelle verwendet hatten.
  • Die beiden Forscher müssen ausserdem bei allen künftigen Publikationen, bei denen sie als PSI-Autor fungieren wollen, eine schriftliche Bewilligung einholen.
  • Die Forschungsgruppe, in der die beiden Wissenschaftler tätig waren, wurde aufgelöst.
  • Über weitere Sanktionen werde in einem separaten Verfahren gemäss Bundespersonalgesetz entschieden.

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