Kinder sexuell missbraucht Pfarrer unter Verdacht und in Untersuchungshaft

Einem 68-jährigen Mann aus dem Kanton Aargau wird Kindsmissbrauch in mehreren Fällen vorgeworfen.

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Pfarrer wegen Missbrauchs-Verdacht in Haft

3:23 min, aus Schweiz aktuell vom 16.6.2017

  • Einem 68-jährigen Mann aus dem Kanton Aargau wird Kindsmissbrauch in mehreren Fällen vorgeworfen.
  • Er amtete als reformierter Pfarrer in den Kantonen Aargau, Solothurn und Schwyz.
  • Laut seinem Anwalt ist der Mann geständig, vier Enkelkinder jahrelang sexuell missbraucht zu haben. Übergriffe ausserhalb der Familie bestreitet er.
  • Seit Ende März sitzt er in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Aargau wehrt sich vor Obergericht dagegen, dass der Mann aus der U-Haft entlassen wird.

Gegen den Mann aus dem Bezirk Aarau werde ermittelt, bestätigte die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau eine Anfrage von SRF. Der 68 jährige Pfarrer war in den Kantonen Aargau, Solothurn und Schwyz tätig.

Übergriffe zugegeben

Dem Mann wird vorgeworfen, während mehreren Jahren Kinder sexuell missbraucht zu haben. Urs Oswald, Anwalt des betroffenen reformierten Pfarrers, bestätigt SRF, dass sein Mandant ein Geständnis abgelegt habe. Über einen Zeitraum von mehreren Jahren habe er vier Enkelkinder im Alter zwischen 6 und 14 Jahren sexuell missbraucht. Übergriffe im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Pfarrer habe es keine gegeben. Auch die Anzeige stamme aus dem Kreis der eigenen Familie.

Der Mann wurde Ende März verhaftet, kurz nach dem letzten mutmasslichen Übergriff, erklärte Elisabeth Strebel, Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft Aargau. Weil er als Pfarrer in mehreren Kantonen Kontakt zu Kinder gehabt habe, werde ermittelt, ob es auch ausserhalb seiner Familie zu möglichen Übergriffen gekommen sein könnte.

Nicht mehr im Amt als Pfarrer

Laut Verteidiger Urs Oswald ist der Pfarrer seit 2008 nicht mehr im Amt, habe aber bis zu seiner Verhaftung immer wieder Stellvertretungen übernommen. Religionsunterricht habe er seit seiner Pensionierung aber nicht mehr erteilt. Auch an anderen Aktivitäten wie der Teilnahme an Konfirmandenlager habe er seither nicht mehr wahrgenommen.

Der Kirchenratspräsident der reformierten Landeskirche Aargau bestätigt, dass der Verhaftete bei seiner Landeskirche angestellt war – allerdings nicht mehr zum Zeitpunkt seiner Verhaftung. Hinweise auf Missbräuche habe es keine gegeben, ansonsten hätte die Landeskirche diese untersucht, sagt Kirchenratspräsident Christoph Weber-Berg SRF.

Bei der Landeskirche habe man Kenntnis von der Verhaftung des Pfarrers. Er sei durch die Staatsanwaltschaft informiert worden, sagte Weber-Berg. Über detaillierte Informationen zum Fall verfüge man aber nicht.

Fall beschäftigt Obergericht

Seit seiner Verhaftung im März befindet sich der Mann in Untersuchungshaft. Das Zwangsmassnahmengericht habe nun seine Freilassung angeordnet. Dagegen habe die Staatsanwaltschaft Beschwerde beim Obergericht eingelegt, sagte Mediensprecherin Strebel. Gestützt auf ein Gutachten gehe die Staatsanwaltschaft davon aus, dass sowohl eine Wiederholungs- wie auch Verdunkelungsgefahr bestehe.

Laut dem Anwalt des Pfarrers seien bereits Massnahmen getroffen worden, um die Verdunkelungsgefahr auszuschliessen. So bestehe ein Kontaktverbot zu Kindern. Eine Wiederholungsgefahr bestehe nicht. Solange der Fall beim Obergericht hängig ist, bleibe der Mann in Untersuchungshaft.