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Aargau Solothurn Preisaufschlag für Pendler im Fricktal und Schwarzbubenland?

Seit 1987 funktioniert der Tarifverbund Nordwestschweiz und bringt Pendler aus dem Schwarzbubenland oder dem Fricktal nach Basel. Doch nun steht das aktuelle Angebot einmal mehr zur Debatte. Das Sparprogramm im Baselbiet gibt den Anstoss dazu.

Zug fährt durch Landschaft, im Vordergrund Autobahnschilder bei der Ausfahrt Rheinfelden-West
Legende: Steigen die Pendler im Fricktal künftig wieder auf das Auto um? Das Abonnement für Zug und Tram dürfte teuerer werden. Keystone

Letzte Woche trafen sich die Verkehrsdirektoren der Nordwestschweizer Kantone zu einer Konferenz. Die Medienmitteilung nach der Konferenz las sich etwas kryptisch: Man wolle «eine gemeinsame Strategie» für den Tarifverbund Nordwestschweiz ausarbeiten. Dabei werde man auch die «Tarifstruktur» überprüfen und allenfalls anpassen.

Noch gibt es keine konkreten Pläne, deshalb die offenen Formulierungen. Wer aber bei den zuständigen Ämtern und in den betroffenen Regionen herumfragt, der versteht schnell, worum es geht.

1. Das «U-Abo» ist zu stark subventioniert

Im Sommer verkündete die Regierung des Kantons Baselland ein Sparprogramm. Unter anderem wolle sie die Subventionen für das sogenannte «U-Abo» (Umweltabo) streichen und damit gut 15 Millionen Franken sparen. Aktuell werden alle Abonnemente mit 25 Franken pro Monat oder 300 Franken pro Jahr subventioniert.

Diese Ankündigung hat natürlich Folgen auch für die anderen Kantone: Deshalb will man sich nun gemeinsam um die Zukunft des «U-Abo» kümmern. Ziel sei eine «Verbesserung des Kostendeckungsgrades» im Tarifverbund, heisst es in der Mitteilung. Natürlich: Der öffentliche Verkehr lebt überall von staatlichen Zuschüssen. Aber in der Nordwestschweiz sei das Verhältnis zwischen Abonnement-Einnahmen und Ausgaben für das Verkehrsnetz am schlechtesten, heisst es.

2. Das «U-Abo» ist zu billig

Tramstation in Basel
Legende: 760 Franken: Für zwei Stationen mit dem Tram oder für eine Tagesreise von Schwaderloch nach Rodersdorf. Keystone

Das Angebot für die Nordwestschweizer ist einzigartig: Im Tarifverbund Nordwestschweiz gibt es nur eine einzige Zone. Mit dem «U-Abo» kann man also von Schwaderloch im Bezirk Laufenburg bis nach Rodersdorf an der französischen Grenze fahren.

Der Preis für das Jahresabo: 760 Franken. Zum Vergleich: Für diesen Preis erhält man im Aargau ein «A-Welle»-Abonnement für zwei Zonen. Damit kommt man von Gränichen nach Aarau oder von Turgi nach Baden. Wer von Baden nach Aarau pendelt, der bezahlt hingegen über 2000 Franken jährlich.

3. Das «U-Abo» ist vielleicht nicht mehr zeitgemäss

Die Erklärung für diesen massiven Preisunterschied: Das «U-Abo» wurde in den Achtzigerjahren aus umweltpolitischen Gründen eingeführt. Und es hat sein Ziel wohl erreicht: Die Auslastung im öffentlichen Verkehr in der Region ist gross.

Allerdings werden heute andere verkehrspolitische Akzente gesetzt. Im Fokus steht der Kampf gegen die Zersiedelung: Da ist es kaum sinnvoll, die Menschen mit günstigen Abopreisen dazu zu bewegen, möglichst weit weg von der Stadt zu wohnen. Ganz abgesehen davon ist die Tarifstruktur des «U-Abo» auch etwas unfair: Wer in Basel wohnt und mit dem Tram zwei Stationen weit zur Arbeit fährt, der bezahlt für ein Jahresabo nämlich auch 760 Franken.

4. Die Kantone wollen oder müssen sparen

Es gibt also nachvollziehbare Zweifel am System des «U-Abo». Deshalb wurde auch immer wieder darüber gestritten. Im Jahr 2011 gab es intensive Diskussionen darüber, ob man nicht doch verschiedene Zonen einführen müsse und die Preise entsprechend abstufen. Der Vorschlag kam aber nicht durch.

Auslöser für die aktuellen Diskussionen ist aber der Spardruck in den Kantonen. Die Regierungen können oder wollen sich das relativ luxuriöse Angebot nicht mehr leisten. Die Pendler werden in Zukunft wohl stärker zur Kasse gebeten. Wahrscheinlich sei eine Zonierung, heisst es aus verschiedenen Quellen. Das würde bedeuten, dass vor allem die Pendler aus dem Schwarzbubenland und dem Fricktal stärker bluten müssten. Also diejenigen, die etwas längere Fahrstrecken zurücklegen.

5. Widerstand ist programmiert

Allerdings: Das letzte Wort ist noch lange nicht gesprochen. Die Regierungen werden ihre Strategien in den nächsten Wochen und Monaten erst ausarbeiten. Und dann muss man auch mit Widerstand aus den betroffenen Regionen rechnen.

Im Aargau kennt man das: Hier wollte die Regierung bereits im letzten Jahr ihre Subventionen für das «U-Abo» streichen. Der Widerstand aus dem Fricktal sorgte dafür, dass das Parlament diese Sparmassnahme wieder gestrichen hat.

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